Herbst/Winter 12/13: Michael MichalskyLust auf Mode, Sex, Fleisch und Wein

von AMICA Online Redakteurin
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Lust auf Glanz und Transparenz
Fashion Week Berlin, Michael Michalsky, Herbst-Winter-Kollektion 12/13

Scheinwerferlicht an, Kamera läuft. Viele Scheinwerferlichter leuchten, viele Kameras laufen. Wenn Michael Michalsky zu seiner „StyleNite“ in das Berliner Tempodrom einlädt, dann kommen Promis wie Interview mit Shermine Shahrivar - „Meine Figur ist harte Arbeit“, Boris Becker oder Jenny Elvers-Elbertzhagen, genau wie 1500 andere Gäste. Und im Vorfeld eben ein dutzend Film-Teams. Alle wollen Interviews. Der Sender Arte dokumentiert sogar das gesamte Event hinter den Kulissen. Der Designer, er gilt selbst als Star in Deutschland.

Mit AMICA Online sprach der 44-Jährige über sein Kollektionsthema „Lust“, die Übersetzung in Mode und die Bedeutung seiner prominenten Fans.

AMICA Online: Wie kamen Sie auf die Idee zum Thema „Lust“?
Michael Michalsky: Ich saß im Auto und habe Radio gehört – was ich normalerweise nie mache – und da kam in den Nachrichten fünf Minuten Dauer-Bombardement über die schreckliche Finanzlage.

Was kam Ihnen da in den Sinn?
Alles ist vorbei, niemand kann das beeinflussen und die, die es beeinflussen könnten, haben scheinbar auch keine Ahnung. Da ist mir bewusst geworden, wie komisch es ist, dass wir uns alle dem System unterwerfen und die Lust am Leben auf der Strecke bleibt.

© Mercedes-Benz Fashion Week
Designer Michael Michalsky lässt sich am Ende seiner „StyleNite“ vom Publikum feiern.

Das heißt, wenn Erspartes sowieso nicht sicher ist, sollten wir Geld für Vergnügen ausgeben – zum Beispiel für Mode?
Natürlich kann sich jeder Lust verschaffen, indem er viel Geld ausgiebt. Aber Lust hat nicht nur mit Kaufbarem zu tun. Sie hängt nicht von der Dicke des Portemonnaies ab.

Wie bekommen wir Lust am Leben?

Indem wir aufhören uns zu geißeln. Heute raucht doch keiner mehr. Keiner trinkt mehr, keiner macht an Wochentagen mehr Party oder trifft Freunde. Spontaneität wird tausend Mal überdacht.

Spielt Sex bei Lust auch eine wichtige Rolle?
Ja, ganz klar. Aber nicht die einzige. Für mich hat Lust auch viel mit Essen – alle sind ständig auf Diät, wie schrecklich – Getränken und Gesprächen zu tun. Wir sind alle so lustbefreit geworden, finde ich. Das merke ich an mir selbst.

Und was machen Sie dagegen?
Lustigerweise habe ich noch nicht geschafft, mein Leben wieder mehr zu genießen, weil ich gerade vor der Fashion Week sehr viel gearbeitet habe. Aber ich habe es mir fest vorgenommen. Wenn ich in Zukunft Lust auf ein Glas Wein habe, werde ich ein Glas Wein trinken. Auch wenn am nächsten Tag vielleicht ein wichtiger Termin ansteht. Wenn ich Lust auf ein fettiges Stück Fleisch habe, dann werde ich es essen.

Denkt man an Lust in Kombination mit Mode, kommt einem als erstes Opulentes in den Sinn.
Finde ich nicht. Meine Schnitte sind immer er geradlinig, grafisch und architektonisch. So auch dieses Mal. Aber ich habe ein bisschen recherchiert und Elemente aus den späten 70er-Jahren modern umgesetzt.

Warum gerade die späten 70er-Jahre?
Weil ich finde, dass dieser Zeitraum zu den lustvollsten überhaupt gehört. Man denke nur an Jerry Hall, Mick Jagger, das Studio 54. Es war nach Hippie, nach 68er, nach der Frauenbefreiung und vor Aids. Da kam alles zusammen. Ich habe versucht das Gefühl der Zeit in Mode umzusetzen, ohne dass sie retro wirkt.

Wie haben Sie das geschafft?

Zum Beispiel wie bei dieser Stoffhose (zeigt auf einen Kleiderständer). Sie hat einen leichten Schlag, der unten aber ballonartig endet. So sieht sie gleichzeitig aus wie eine Ethno-Hose oder sogar Jogging-Hose aus hochwertiger Wolle. Auf Blusen finden sich, von einem Kaftan inspiriert, ganz viele Knöpfe. Auch meine Materialien gehen in die Richtung.

Welche Stoffe verwenden Sie?
Lustvolle. Zum Beispiel Kaschmir, Mohair, Ziegenleder, Swarovski-Kristalle, Seiden.

Das wird Ihren Promi-Fans gefallen. Wie wichtig ist es für Sie, dass so viele Stars bei Ihnen immer in den ersten Reihen sitzen?
Natürlich finde ich toll, wenn sie kommen, weil es bedeutet, dass die Leute sich für meine Mode interessieren. Mit den Meisten bin ich befreundet, ich bewundere sie, sie tragen meine Sachen. Aber genauso wichtig sind mir viele andere Gäste hier auch.

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