Interview mit Anastasia Zampounidis"Grüne Mode muss trendiger werden"

von AMICA Online Redakteurin J'adore les Parisiennes!
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© Mercedes-Benz Fashion Week
Anastasia Zampounidis bei der Fashion Week Berlin im letzten Jahr
Sie ist Moderatorin, Diät-Coach, DJane, aber vor allem leidenschaftliche Öko. Im positiven Sinne. Ohne tierische Bestandteile und fair produziert sollen ihre Looks sein. „Ich komme aus sehr einfachen Verhältnissen und habe als 15-Jährige nur Secondhand gekauft, weil ich kein Geld hatte,“ sagt Zampounidis im Interview. „Außerdem war ich damals schon sehr grün im Herzen und fand anderes langweilig.“

Eine Herzensangelegenheit war also der Humanity-in-Fashion-Award: Bereits zum dritten Mal verlieh das Label Hessnatur den Designpreis für grüne Mode. 2013 überzeugte die Niederländerin Helen van Rees die Jury mit ihrer außergewöhnlichen Kombination von Fabrikrestfäden und anderen Texturen. Die Auszeichnung übergab Anastasia Zampounidis im korallfarbenen V-Ausschnitt-Shirt zur grauen Flatterhose, alles von Hessnatur.

AMICA Online: Wie viele nachhaltige Kleider finden sich in Ihrem Kleiderschrank?

Anastasia Zampounidis: Sehr viele. Ich habe vor etwa zehn Jahren angefangen auf Leder zu verzichten. Damals war ich noch bei MTV und habe die Stylistin gebeten, dass sie nach Kunstleder fragen soll. Das war teilweise sehr schwierig,  weil die Labels nicht gerade mit Verständnis reagiert haben.  Dabei wollte ich niemanden angreifen. Für mich persönlich war das wichtig, weil ich nach und nach den veganen Lebensstil eingeführt habe. Also keine Daunendecke, keine Daunenjacke, keine Seide bis hin zur Ernährung. Schritt für Schritt habe ich alles aussortiert.

Das heißt, wie viel Prozent Ihres Kleiderschranks sind fair produziert?

Das kann ich nicht hundertprozentig sagen. Ich bekomme auch Kleider, bei denen ich das nicht immer nachprüfen kann. Das schaffe ich zeitlich nicht. Aber wenn ich privat etwas kaufe, achte ich darauf. Da brauche ich ohnehin nicht besonders viel.

© Thomas Kummerow/arcfoto
Anastastia Zampounidis verlieh den Humanity Fashion Award 2013
Wo kaufen Sie ein?

Bei Hessnatur beispielsweise. Außerdem habe ich in Berlin zwei oder drei kleine Boutiquen in der Goltzstraße. Dort werde ich gut beraten und erfahre unter anderem, dass die Sachen in Brandenburg hergestellt werden. Das ist ja wahnsinnig teuer, was sich im Verkaufspreis niederschlägt. Also kann sich das natürlich nicht jeder leisten. Eine fünfköpfige Familie, die gerade 3000 Euro im Monat zur Verfügung hat, kann natürlich nicht darauf achten und geht zu Zara oder H&M. Deswegen trägt die Gesellschaftsschicht, die es sich leisten kann, mehr Verantwortung.

Für wie viel leisten Sie sich ein T-Shirt?

Dafür gebe ich schon 50 bis 100 Euro aus. Dann gehe ich davon aus, dass es nicht von Kinderhänden genäht und mit giftigen Mitteln gebleicht ist. Ich kaufe auch eben nur eines und nicht zehn.

Was wünschen Sie sich für grüne Mode in den nächsten Jahren?

Dass sich das Image weiter verbessert. Das ist ganz wichtig, weil das verstaubte Bild aus den 80ern immer noch existiert. Viele denken bei Öko nach wie vor an Langweiler mit selbstgestrickter Jacke und Jesuslatschen. Doch es hat sich schon viel verändert und ich bin sehr froh, dass ich diesen Wandel miterlebe. Das Thema Nachhaltigkeit ist überall so präsent, es bewegt die jungen Menschen und ich denke, dass hier eine neue Generation heranwächst.

Würden Sie auch auf dem roten Teppich nachhaltige Mode tragen?

Habe ich das nicht schon gemacht? Doch. Ich habe ein tunika-ähnliches Kleid von Hessnatur tatsächlich schon zu einem Event getragen. Da fällt mir allerdings ein zweiter Punkt für grüne Mode ein: Sie muss trendiger werden. Nur bequem reicht nicht.

© Mercedes-Benz Fashion Week
Anastasia Zampounidis bei der Fashion Week Berlin im letzten Jahr
Vorher haben Sie auf Facebook Udo Walz für Ihre Wimpern gedankt. Was hat er gemacht?

Er hat ein paar angeklebt. Ich hasse Wimperntusche, weil meine zarte Haut um die Augen durch das ständige Schminken sehr empfindlich ist. Das ist immer unangenehm beim Abschminken. Gwen Stefani hat mich auf den Trick gebracht, als sie sagte: Genauso, wie sie morgens nach dem Aufstehen ihre Zähne putzt, klebt sie ihre Wimpern an. Seitdem bin ich Fan.

Womit schummeln Sie noch beim Styling?

Ich muss Push-ups tragen, die auch wattiert sind, weil ich eine sehr kleine Oberweite habe. Nicht dass ich damit ein Problem hätte, aber manche Kleider verlangen einfach nach mehr. Beispielsweise trage ich zur Laurèl-Show ein Kleid des Labels mit Petticoat, das schön schmal an der Taille ist. Wenn dann aber oben keine frauliche Form mehr ist, ist es schade. Da darf auch geschummelt werden.

Wo schummeln Sie nicht?

Größer operieren lassen, würde ich meinen Busen nie. Alles was Operationen, Liftings oder Spritzen angeht, kommt für mich nicht in Frage. Wir werden doch alle älter. Ich habe mir die Erlaubnis gegeben älter zu werden und will unbedingt wissen, wie ich aussehe. Meine Mama ist 75 und sieht wirklich nicht danach aus. Sie ist zwar auch eine typisch griechische Mama (und zeichnet mit den Händen eine voluminösere Körperform als ihre in die Luft), aber eine sehr attraktive Frau.

Das lässt ja hoffen.

Genau. Und wenn andere Leute sagen, ich sei zu alt für irgendetwas, ist es deren Schuh, den ich mir nicht anziehe.

Ihr Tipp fürs Sommerstyling, wenn es richtig heiß ist?

Ich bin zwar nicht Micaela Schäfer, aber ich lasse gerne mal die Unterwäsche weg. Dann muss man im Kleid nur aufpassen, wie man aus dem Taxi steigt. Ich finde das schön luftig. Ist das jetzt schmutzig?