Interview mit Dorothee Schumacher„Es ist irre schön, Frau zu sein“

von AMICA Online Redakteurin J'adore les Parisiennes!
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© Mercedes-Benz Fashion Week
Dorothee Schumacher bei der Präsentation der Herbst-Winter-Kollektion 14/15 von Schumacher.
Gerade eben hat Dorothee Schumacher die Lieder für ihre Show festgelegt. Somit stand das letzte Detail am Abend vor der Show. Sie ist Perfektionistin. Mit viel Gefühl. Ihr Herz schlägt gerade ziemlich laut für mutige Frauen. Mit lauter Rockmusik weckte die Designerin die Modemenschen schließlich am dritten Tag der Fashion Week. Auch damit zeigt Schumacher ihr Motto: „Ich weiß, was ich tue. Ich weiß, was ich will. Es mit sich auszumachen. Dieses Selbstverständnis hat Eleganz und Klasse.“

Wie sieht dann rockige und starke Allüre in der Mode aus? „Sie zeigt sich beispielsweise in einem Ohrring, der sich als Earcuff entpuppt mit wunderschönen Steinen und fast nietigen Ringen“, erklärte Dorothee Schumacher. „Diese gebrochene Schönheit ist für mich die neue Definition von Schönheit. Pure Schönheit ist langweilig. Es braucht eine gewisse Spannung.“ Wie viel Bein zeigen und dazu einen rockigen Boot zu kombinieren. „Diese Spannung hat einen interessanten Sexappeal.“

AMICA Online: Interessant, dass Sie die gebrochene Schönheit ansprechen. Denn ich wollte ohnehin über Georgia May Jagger mit Ihnen sprechen.
Sie ist das perfekte Gesicht für dieses Gefühl. Sie bringt das genau auf den Punkt.

Weil sie mit ihrer Zahnlücke keine glatte Schönheit ist?
Ja, genau wie Berlin. Die Menschen lieben Berlin. Es hat die schönsten Ecken, aber gleichzeitig lässt es einen roughen Touch zu. Das macht den Charme der Stadt aus. Für diese eigene Schönheit aus dem nicht Durchgängigen liebt die Welt Berlin.

Hätten Sie Georgia May Jagger gerne auf Ihren Laufsteg geholt?
Georgia May Jagger hat schon am Vorabend den Wintermantel aus unserer Show getragen. Das macht sie zur schönsten Botschafterin für die Allüre der Kollektion. Zur Show war sie schon abgereist, aber sie hat das Gefühl der Kreationen mitgenommen.

Dorothee Schumachers neue Kollektion ist eine Aufforderung an moderne Frauen, ihre Leidenschaften auszuleben. Modisch umgesetzt sind diese Absichten in kräftigen Farbakzenten und verspielten Details.Glauben Sie, wir sind übersättigt mit glatter Schönheit durch die retuschierten Magazinfotos?
Vielleicht hat es etwas mit Übersättigung zu tun. Vielleicht hat es etwas mit Mut zu tun. Man kann sich Schönheit leisten. Doch um das andere zuzulassen, braucht es großes Selbstbewusstsein und Ehrlichkeit. Das möchten die Menschen spüren.

Verändert sich hier der Modelmarkt?
Ich glaube nicht nur der Modelmarkt, sondern generell die Gesellschaft.  Mit Menschen, die etwas zu sagen haben und zu sich stehen, entstehen die schönsten Begegnungen. Ich möchte all die mutigen Frauen, die ich so im Kopf habe, gar nicht nennen. Denn das würde zu sehr reduzieren. Für mich ist das Loslassen die Kür.

Die Dorothee-Schumacher-Frau ist also nächste Saison besonders mutig.
Sie ist eigentlich immer mutig. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, Frauen in ihrem Leben zu begleiten. Ihr Frausein mitzuerleben, mich immer wieder anzupassen. Heute ist es einfach irre schön, Frau zu sein. Die Weiblichkeit in vollen Zügen ausleben, diese Freiheit genießen wir. Auch Luxuriöses ohne Grenzen mit einer Selbstverständlichkeit zu leben, gleichzeitig mit einer Bodenständigkeit.

Sehr emanzipiert also.
Unbedingt. Weiblich, aber gerne auch mal androgyn. Wir haben es so gut mit unserem Gefühl.

 

Warum ihre Mitarbeiter unbedingt die Regeln ihrer Chefin Dorothee Schumacher brechen sollen, lesen Sie auf der nächsten Seite.

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„Es ist irre schön, Frau zu sein“