Interview mit Dorothee Schumacher„Sein Lebensgefühl im Styling auszudrücken befreit“

© Mercedes-Benz Fashion Week
Look aus der Herbst-Winter-Kollektion 14/15 von Schumacher.
Das Gefühl Ihrer Kollektion machen Sie auch digital erlebbar.
Mit der Show sind wir auf allen mobilen Geräten spürbar. Wir begleiten die Frauen, wie sie reisen, sich bewegen. Jede von uns hat ihr iPad ständig in der Hand. Ich habe einen digitalen Herzschlag. In unserem Store im Quartier 206 haben wir beispielsweise Schaufensterbüsten mit „digitalen Mirror Faces“, also iPads, als Installation. Die Kundinnen mögen das, weil sie davor stehen bleiben und lächeln. Dieses Lächeln genießen wir dann wieder.

Was fasziniert Sie daran?
Es geht um den digitalen Nerv, den wir alle in uns haben. Spannend wird es vor allem, wenn wir sehen, wie sich die digitale in unsere andere Welt integriert. Dann überrascht es. Und wie alle Frauen liebe ich es zu überraschen.

Werden Sie selbst auch gerne überrascht?
Ja, ich werde gerne von meinem Team überrascht. Wenn ich nach meinen Vorgaben etwas noch Wunderbareres präsentiert bekomme, ist das toll. Da geht es auch wieder um Mut.

Das heißt Ihre Mitarbeiter sollen auch Ihre Regeln brechen?
Ja, bitte. Das ist ganz wichtig. Nicht störrisch, aber mutig sollen sie sein. Mein Genuss ist es, dass sie alle handverlesen sind und meine Idee weitertransportieren. Mit der Sicherheit, dass ich mich auf mein Team verlassen kann, kann ich loslassen.

Sportlich elegant und feminin, so beschreibt Designerin Dorothee Schumacher ihre Kollektion für Frühjahr/Sommer 2014. Auf der Fashion Week zeigte sie auffällige Prints, klare Farben und Pop-Art. Als erfolgreiche Chefin und Mutter haben Sie sicher auch Modetipps für gestresste Mütter?
Da zögere ich ein wenig. Denn gestresste Mütter, das fühle ich nicht. Auch hier gilt es Loslassen und mutig zu sein. Dann ist das alles gar nicht mehr stressig. Natürlich ist es eine große Verantwortung. Aber es gibt doch nichts Schöneres als ein Kind in die Selbstständigkeit und Freiheit zu coachen. Klar gilt es ein paar Steinchen zu überwinden. Da hilft es, alles mit einem Selbstverständnis zu machen und sich selbst treu zu bleiben.

Das heißt in Sachen Outfitwahl?
Diese Leichtigkeit sehe ich auch für das Styling. Zuerst einmal sollte die Frau wissen, wer sie ist und dann geht sie hinaus in die weite Modewelt und sucht sich aus, was zu ihr passt. Das was, in dieser Lebenssituation passt. Sein Lebensgefühl im Styling auszudrücken, kann so befreiend sein. Das unterstützt auch im Alltag, es wird nur stressig, wenn man etwas aufgesetzt macht.

Was machen Sie, um sich selbst treu zu bleiben?
Momente genießen, mich selbst genießen, tolle Materialien genießen, die Familie genießen. Ganz wichtig sind auch Reisen, um einmal weg zu sein von allem. Einfach mal nichts tun und nicht denken. Dann fängt es ganz von selbst an in mir wieder zu arbeiten.

Verraten Sie uns, welche Momente das sind?
Wenn das Wetter in Berlin so bleibt, werde ich beispielsweise am Nachmittag nach der Show mit meinem Sohn einen Ausritt machen. Das sind so Momente, bei denen mir das Herz aufgeht. Wenn er mir schreibt: Hast du in dem ganzen Stress mal Zeit? Und mich mit einem Foto verführt. Schauen Sie! (Und sie zückt Ihr Handy, zeigt ein Bild von ihrem 23-jährigen Sohn auf dem Polo-Pferd, hinten drauf der Jack-Russell-Terrier) Solche Auszeiten genieße ich. Der lichtdurchflutete Wald hier, das ist auch Berlin. Der Hund ist total durchgeknallt, der sitzt da auch im Galopp drauf. Das ist einfach Leben!

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„Sein Lebensgefühl im Styling auszudrücken befreit“