Interview mit Guido Maria Kretschmer„Eine Frau ist auch in einer Burka sexy“

von AMICA Online Redakteurin J'adore les Parisiennes!
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Designer Guido Maria Kretschmer
Guido Maria Kretschmer auf Ebay, Guido Maria Kretschmer im Fernsehen bei „Promi Shopping Queen“ und dem Topmodel-Castingformat „The Face“ in den USA, Guido Maria Kretschmer auf der Fashion Week. Der deutsche Designer ist gerade überall präsent. Aber nicht nur deswegen kommen die Stars in Scharen, wenn er zur Fashion Show einlädt. Barbara Schöneberger, Simone Thomalla, Christine Neubauer und Annabelle Mandeng lieben Kretschmer, weil er die Feminität der Frauen feiert. Ein Frauenverehrer durch und durch. Dafür verehren die Frauen ihn.

Wir treffen den Modeschöpfer einen Tag vor seiner Show. Die Ruhe selbst. Guido Maria Kretschmer ist immer top organisiert. Zu spät kommt der „Designer mit Entertainer-Qualitäten“, wie er sich selbst bezeichnet, nur, wenn er sich beim Betrachten schöner Frauen im Tierpark verliert. „Da waren zwei Mädchen, die sind da gewackelt und wussten gar nicht, wie schön sie sind. Ohne großes Theater hat die eine Enten gefüttert, sodass ich mir dachte: Ach, du hast so viel Anmut!“, schwärmt Kretschmer. Ja, er vergöttert weibliche Wesen.

Die ersten Stiche nähte der Frauenverehrer mit neun Jahren. Heute fördert er in Kooperation mit Pfaff junge Nähtalente. Selbst setzt Kretschmer sich nicht mehr täglich an die Nähmaschine. Aber Kissen und Bettdecken als Geschenk für Freunde und deren Babys macht der Multi-Unternehmer gerne selbst. Wenn er nicht gerade Romane liest oder Gedichte auswendig lernt. Zuletzt Theodor Storm „Im Garten“.

Klotzen nicht kleckern heißt es für Kretschmer in Sachen Mode in den nächsten zwölf Monaten. Er dreht eine Modesendung im amerikanischen Fernsehen und stattet zum ersten Mal Stars für die Oscar-Verleihung aus.

Guido Maria Kretschmer liebt die Frauen, auch mit ein paar Pfunden mehr. Seine Frühjahr-/Sommerkollektion 2014 huldigt der Weiblichkeit in zarten Pastelltönen und sanft fließender, glänzender Seide.AMICA Online: Ihre Show ist einer der Star-Magneten in Berlin. Wie nervös sind Sie vorher?

Guido Maria Kretschmer: Ich bin nicht so ein Nervöser. Ich habe das Gefühl ich bin gut vorbereitet. Ich bin wegen anderer Dinge im Leben nervös, nicht wegen der Mode. Da bin ich ganz fokussiert auf das, was ich aktuell tue. Auch vor dem Abitur oder der Führerscheinprüfung war ich ganz ruhig.

Tatsächlich. Welche Situationen machen Sie denn unruhig?

Tausend Kleinigkeiten. Wenn meine Hunde krank sind. Wenn ich reise, hoffe ich, dass das Flugzeug nicht abstürzt. Wenn ich Auto fahre, bete ich darum, dass mir niemand reinfährt.

Also eher Dinge, auf die Sie keinen Einfluss haben.

Genau, darüber habe ich bisher noch gar nicht so nachgedacht. In der Mode fühle ich mich sicher. Da vertraue ich auch auf die Mädchen, die meine Kreationen optimal präsentieren.

Welche Kreationen sehen wir für den Sommer 2014?

Ich habe Looks kreiert, die weg vom Colour-Blocking gehen, hin zu zarten Farben. Aquatöne, Blau und Weiß verbreiten Urlaubsstimmung. Außerdem gibt es ein paar metallische Glanzstücke und Goldtöne, um Wertigkeit zu zeigen. In der Kollektion habe ich sehr viele Kleider entworfen, fast keine Kostüme, viele Hosenanzüge und Blusen. Alles Stücke, die wir gut in größeren Größen produzieren können. Darüber freue ich mich. Dass hier ein hoher Bedarf da ist, habe ich beispielsweise durch meine Fernsehshow und die Ebay-Kollektion gespürt. Viele wünschen sich meine Entwürfe größer als 48.

Einmal daran gedacht, auch solche Models einzusetzen? Sie sagen ja auch „Hüften müssen rund sein“. Wenn wir aber so auf den Laufsteg blicken, sind die Models doch recht dünn.

Meine Models sind nicht die Dürren. Es sind wirklich Mädchen mit Hüften und Hintern. Die verhungerten, dünnen Stangen sehe ich bei mir nicht, weil das nicht meine Kundin ist. Natürlich ist es schwierig ein Model mit Größe 42 laufen zu lassen, weil es diese Mädchen hier nicht gibt. Aber ich habe auch eine mit einer Größe 38 dabei, was schon groß ist und eine 34-Jährige.

Guido Maria Kretschmers Kollektion steht unter dem Motto seines Lieblingstieres „Okapi“. Die Kreationen spiegeln die warme Farbenvielfalt Afrikas. Stoffeinsätze zeigen die typische Zeichnung des Okapi.An welche Frau haben Sie beim Entwerfen gedacht?

Die Kollektion ist sehr feminin und eine Hommage an Wallis Simpson. Der britische König Eduard VIII. dankte ihr zuliebe, so der offizielle Grund, ab. Niemand fragte nach ihr, als alle ihr vorwarfen, sie habe ihm die Chance genommen König zu sein. Ich wollte deswegen eine emanzipierte Frau zeigen, die trotzdem ganz feminin ist. Wenn ich feminin bin, bin ich sicher. Das funktioniert. Wenn ich zu futuristisch werde, passt es nicht zu mir.

Wie kommt es, dass Sie es so gut verstehen Frauen weiblich einzukleiden?

Das liegt daran, dass ich Frauen sehr mag. Nicht weil ich mit ihnen lebe. Ganz früh schon war ich ständig von Frauen umgeben, weil ich ja mit neun angefangen habe zu nähen.

Die wichtigsten Frauen in meinem Leben waren meine Mutter, meine Oma, meine Schwester, meine beste Freundin, weil ich von ihnen so viel gelernt habe.

Was zum Beispiel?

Ich finde es toll, wie sich Frauen organisieren, wie sie umschalten können von „Mutti“ auf „wild“ und alles, was sie jeden Tag machen. Männer bleiben vielmehr bei einer Art, während die Frau so Vieles regelt und dabei noch sexy im Büro auftritt. Ich mag Frauen-Humor, sie sind tolle Reisepartner und Freundinnen.

 

Lesen Sie hier, warum Guido Maria Kretschmer auch Frauen in Burka sexy findet

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„Eine Frau ist auch in einer Burka sexy“