Interview mit Guido Maria Kretschmer„Ich würde Alice Schwarzer in den Dschungel schicken“

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Sonja Zietlow und Daniel Hartwich, Moderatoren der RTL-Show „Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!“.
Zum Geld verdienen?
Klar, es ist ja keiner dort, der finanziell unabhängig ist, oder? Der Wendler vielleicht.

Schauen Sie Dschungelcamp?
Wahnsinnig gerne. Einerseits ist es Zeitgeist, andererseits finde ich es lustig, wie sich die Kandidaten aufführen. Aber ich schaue immer weg, sobald es eklig wird. Mich interessiert nur das Leben miteinander. Es ist ein Theaterstück, bei dem sehr schnell die Rollen verteilt werden. Wer ist Statist, wer ist Hauptdarsteller. Es ist spannend zu sehen, wer glaubt, wie draußen wahrgenommen zu werden.

Wer wird in welche Rolle schlüpfen?
Sexy ist ja schon klar, Melanie. Die Lustige wird Tanja Schubert machen. Die ist ja, glaube ich total verarmt und muss wieder ins Spiel kommen. Die wird das auch nutzen. Ich fürchte, sie sieht schlimm aus, wenn alle Schminke weg ist. Auf den Wendler bin ich sehr gespannt. Meiner Meinung nach ist er sehr sympathisch und will noch einmal spüren, dass alle „Hurra“ für ihn schreien.

Und die Ekelprüfungen schauen Sie sich tatsächlich nicht an?
Nein, das ertrage ich nicht. Ich habe Angst vor Ratten mit ihrem Schwänzchen. Alle anderen Dschungelaufgaben finde ich auch eklig. Aber ich liebe Daniel Hartwig und seine Kommentare. Nach Dirk Bach hatte er ein schweres Erbe angetreten. Er macht das so toll, ist gescheit und amüsant.

Wen würden Sie gerne in den Dschungel schicken?
Alice Schwarzer. Vielleicht hört sie dann auf so einen Scheiß zu quatschen. Von wegen Prostitutionsverbot und was sie alles fordert. Dazu noch Blöd-Putin. Hoffentlich sind dann dort nur Schwule, die ihn nötigen.

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Designer Guido Maria Kretschmer
Was tragen die Olympischen Spiele zur Schwulen-Debatte bei?
Ich finde es gut, dass Gauck nicht nach Sotschi fährt. Was in diesem Land passiert, ist eine Schande. Dass Schwulsein unter Strafe gestellt ist, wo leben wir denn? Ganz ehrlich, es muss nicht sein, dass Schwule zusammengeschlagen werden und noch nicht einmal Polizeischutz bekommen können. Allen, die da zuschlagen, wünsche ich jede Menge schwule Söhne und lesbische Töchter. Dann sollen sie erleben, wie sich das anfühlt, wenn die eigenen Kinder angegriffen werden. Und Putin selbst fährt mit offenem Hemd durch die Weltgeschichte. Menschen, die so geboren sind, kann man nicht ausgrenzen. Wir sind Teil der Gesellschaft.

Das ganze Thema ist mit dem Coming-out von Hitzelsperger bei uns gerade noch aktueller.
Ich finde Hitzelsperger mutig. Andererseits ist es traurig, dass es so ein Geschiss gibt. Ich kann verstehen, dass eine große Geschichte daraus gemacht wird, weil es in der Sportart etwas Besonderes ist. Aber es hat auch etwas mit Selbstverständnis zu tun. Jeder Mensch hat im Leben die Chance zu sagen: Ich bin wie ich bin. Es ist schön, wenn derjenige es als Befreiung erlebt. Das muss nicht jeder toll finden. Trotzdem darf es nie so weit gehen, den Menschen die Bürgerrechte zu nehmen und sie auszugrenzen. Deswegen finde ich es scheiße, dass Merkel nicht für absolute Gleichstellung ist. Da bin ich enttäuscht.

Haben Sie es als Designer da einfacher?
Viel einfacher. In dieser Branche wird schon fast erwartet, dass man schwul ist. Ich kenne aber auch schwule Bauarbeiter, Gärtner, Lehrer oder Kinderärzte. Wir sind gerecht verteilt. Wir sind zehn Prozent der Gesellschaft.

Weil wir vorher bei den Diven waren. Was ist dran an dem Klischee der schwulen Diven?
Klar gibt es viele Schwule, die ganz weit weg von mir sind. Für mich ist es genauso befremdlich, wenn ich zwei Tunten miteinander sehe. Aber ich bin da ganz entspannt. Das größte Kompliment ist ohnehin, dass die Schwulen mich mögen. Das ist nämlich nicht normal. Vor allem nicht, wenn einer bekannt wird. Mir schreiben sie aber ganz süße Sachen, weil ich mich immer für Toleranz einsetze. Die ist das Allerwichtigste.

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„Ich würde Alice Schwarzer in den Dschungel schicken“