Interview mit Jonathan Saunders „Madonna in meinen Kleidern? Ist mir egal!“

von AMICA Online Redakteurin J'adore les Parisiennes!
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© REUTERS
Heutzutage führen Madonna, Rose Byrne oder Sienna Miller Jonathan Saunders’ Kreationen auf dem roten Teppich aus. Die Presse feierte den schottischen Designer von seiner ersten Fashion Show in London im September 2003 an, lobt sein Kaleidoskop an Farben. Vorher arbeitete mit Alexander McQueen, Christian Lacroix bei Pucci und Phoebe Philo bei Chloé. 2008 gründete der Absolvent des Central Saint Martins College sein eigenes Label. Von Februar 2008 bis September 2009 machte der Designer einen Abstecher in den Big Apple. Inzwischen ist Saunders aber wieder fester Bestandteil der Fashion Week London. Sein Markenzeichen: grafische Drucke.

Jetzt hat Saunders zusammen mit dem Männerunterwäschespezialist Hom eine eigene Kollektion entworfen. 27 Teile umfasst die Unterwäsche- und Bademodelinie. Unverkennbar: farbenfrohe Prints und Streifen in Blau, Gelb und Koralle stehen für die Handschrift des Modeschöpfers. Angefangen hat er vor vier Monaten und sich die Fabrik von Hom angesehen, um die Herstellung zu verstehen. Im Gegensatz zu High Fashion, bei der Saunders beinahe jedes Material einsetzen kann, musste er lernen, dass Unterhosen beispielsweise für den Wäschetrockner geeignet sein müssen.

„Ganz egal, wie viel Geld jemand dafür ausgibt, muss Unterwäsche einfach praktisch sein“, erklärte der Designer die besondere Herausforderung. „Deswegen musste ich die Verknüpfung zwischen Kreativität und Funktionalität hinbekommen.“ Das Ergebnis stellte Saunders während der Fashion Week Berlin im Soho House vor. Im Interview auf der sonnigen Terrasse verriet der Schotte, wie wichtig die passende Unterwäsche für Männer ist.

"Persönlichkeit fängt mit der Unterhose an", findet Jonathan Saunders. Deswegen hat der schottische Designer für Hom farbenfrohe Teile kreiert. Langweilig war gestern!AMICA Online: Warum haben Sie jetzt Unterhosen entworfen?
Jonathan Saunders:
Nun, als Modedesigner reizt mich alles Neue. Vor allem dann, wenn etwas dabei lerne, ist es sehr spannend. Männermode mache ich ohnehin erst seit vier Saisons. Um Unterwäsche zu entwerfen, braucht es die Erfahrung eines etablierten Labels, das weiß, worauf bei Passform und Material zu achten ist. Das alles habe ich bei Hom gefunden, die für Tragekomfort bekannt sind. Wer die Unterwäsche einmal für sich entdeckt hat, trägt nie wieder etwas anderes. Ich habe neue Farben, Texturen und Materialien mit eingebracht, sodass die Unterhosen zu einem Modeprodukt wurden.

Was ist typisch Jonathan Saunders?
Sie passen zu meiner Männerkollektion, die ich auf der Fashion Week London vorgestellt habe. Prints und Farben inspirieren mich immer. Weil ich Möbeldesign studiert habe, bevor ich mit Mode angefangen, spielt für mich die Textilherstellung immer auch eine wichtige Rolle. Die Männer von heute suchen etwas Besonderes, nicht zu klassisch, nicht zu konservativ. Sie möchten mit ihrer Kleidung herausstechen.

Wie wichtig ist die richtige Unterhose im Alltag?
Sie spielt eine entscheidende Rolle. Schließlich will man sich den ganzen Tag über wohl fühlen. Überhaupt stellen wir mit der Art, wie wir uns anziehen unsere Persönlichkeit dar. Das fängt mit der Unterhose an.

Fühlen sich Männer mit der richtigen Unterwäsche sexier?
Natürlich. Auch hier können sie mit meinen Entwürfen Persönlichkeit zeigen. Sie sind verspielt, aus schönen Stoffen und mit tollen Farben aus guter Qualität. Klassische Teile gibt es schon genug.

Eine schöne Überraschung also vielleicht für manche Frau?
Genau. Vielleicht wird die eine oder andere sich darüber freuen. (lacht)

Dann spielen Sie vielleicht jetzt auch eine Rolle in der Verführung.
Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht, da haben Sie mich auf etwas gebracht. Dann kann ich jetzt sogar Menschen zusammenbringen. Das ist großartig.

Was ist ein No-go für Männerunterwäsche?
Alles, was zu feminin ist. Alles was farbenfroh und verspielt ist, ist in Ordnung. Aber Männer möchten sich einfach immer wie Männer fühlen. Egal ob sie schwul sind oder hetero.

Von den Discogirls der 70er-Jahre ließ sich Jonathan Saunders inspirieren. Augenbetörend: metallische Röcke, schimmerne Pailletten, hautfarbene Tops und ausgefallene SchnitteIhre Prêt-à-porter-Kollektionen zeigen Sie in London, die Zwischenkollektionen in New York. Könnten Sie sich vorstellen in Berlin zu zeigen?
Das könnte ich mir vorstellen. Es ist eine spannende Stadt, in der man sieht, dass die Menschen sich für Mode interessieren. Es ist sehr kreativ mit einer faszinierenden Kunstszene und Musik. Außerdem ist Mode so international geworden, mit Internet, Twitter und all den Bloggern.

Als wie wichtig beurteilen Sie Berlin im internationalen Modekalender?
Jede Stadt, die den Aufwand betreibt eine Fashion Week auf die Beine zu stellen und junge Talente ermutigt, sollte hoch angesehen werden. Berlin ist sehr neu und jung im Vergleich zu den anderen Modewochen, aber genau das macht es interessant. Ähnlich wurde London oft vorgehalten, dass große Labels fehlen würden. Inzwischen kommen Namen wie Burberry und Tom Ford, um dort ihre Mode zu zeigen. Ich finde es außerdem spannender junge und unabhängige Marken zu haben, statt nur großer Player.

Auch Sie haben eine beeindruckende Karriere hingelegt. Anfangs schon gelobt als „show steeling wonderkind“. Auf welche Highlights blicken Sie zurück?
Die Highlights kommen erst noch. Dass ich direkt nach dem College auf der Fashion Week in London zeigen durfte, war sensationell für mich. Ich bekam großartige internationale Unterstützung und wurde in der britischen wie amerikanischen „Vogue“ gepusht. Das war für mich als jemand, der keine Anzeigen schaltete, großartig. Damals standen die Magazine finanziell noch nicht so unter Druck. Jetzt bin ich beinahe zehn Jahre im Geschäft und verkaufe meine Kreationen in Amerika und anderen wichtigen Märkten. Ich genieße es mit jeder Kollektion mehr, weil ich immer mehr über meine Kunden lerne. Das Fantastischste ist aber nach wie vor, wenn ich Menschen in meinen Kleidern sehe.

Wie beschreiben Sie die Jonathan-Saunders-Frau?
Ich hoffe, dass sie jeder Typ Frau ist. Das braucht es heutzutage. Von raffiniert bis kreativ. Auf jeden Fall sollte jede Farbe in ihr Leben holen. So kann sie sich jeden Tag anders fühlen. Mit Farben und  Drucken zeigen Frauen auf interessante Weise, dass sie sich über ihre Art sich zu kleiden Gedanken machen. Gleichzeitig können sie Individuen sein. Das hoffe ich, ihnen zu bieten.

Wie wichtig ist es Ihnen, dass auch Stars wie Madonna Ihre Kleider tragen?
Ich bin davon nicht angetan. Das interessiert mich nicht wirklich. Das gibt mir nicht das Gefühl als ob ich etwas erreicht hätte.

Was gibt Ihnen denn dieses Gefühl?
Viele Kleider zu verkaufen und Menschen meine Klamotten tragen zu sehen. Ich liebe das. Wenn ich zu meiner Show komme und sehe, dass die Journalistinnen meine Entwürfe anhaben, gefällt mir das, weil ich diese Frauen respektiere. Das ist aufregend.