Interview mit Lena Hoschek„Plötzlich stand Lana Del Rey in meinem Laden“

von AMICA Online Redakteurin
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© Facebook/Lena Hoschek
Lana Del Rey (r.) mit Lena Hoschek in deren Berliner Laden
“Das Kleid einer Frau sollte wie ein Drahtzaun sein – seinen Zweck erfüllen, ohne die Sicht zu versperren”, sagte Sophia Loren einmal. Und Designerin Lena Hoschek hat sich dieses Motto auf die Fahnen geschrieben. Genauer: ganz oben auf ihr Facebook-Profil. Mit ihrem Label steht die gebürtige Österreicherin, die bei der Modewoche in Berlin seit Herbst 2009 ihre Kreationen präsentiert, für weibliche Mode.

Durch ihre Liebe zu den 40er- und 50er-Jahren unterscheidet sie sich von anderen Designern. Statt angesagter Baseballcaps, tragen Lena-Hoschek-Kundinnen Retro-Stücke wie Petticoats oder Schluppenblusen. Das gefällt auch den Stars. Jasmin Wagner trug zur Berlinale 2013 ein gelbes Faltenkleid mit tiefem Ausschnitt und sich rankenden Stickereien, Franziska Knuppe stylte im vergangenen Jahr einen voluminösen Midirock zum geringelten Bauchfrei-Shirt. Auch ein internationaler Star zählt jetzt zu den Lena-Hoschek-Fans: „Video Games“-Sängerin Lana Del Rey. Lena und Lana. Das passt wie, … na, Vintage-Liebhaberin zu Vintage-Liebhaberin eben. Mit AMICA Online sprach die Modeschöpferin nach der Show ihrer Frühjahr-Sommer-Kollektion 2014 bei der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin über das Star-Erlebnis, ihre Inspiration und verriet, ob sie auch mal Jeans trägt.

© dpa
Lana Del Rey trug eine Robe von Lena Hoschek bei der Premiere von 'Der große Gatsby' in Cannes.
AMICA Online: Einen internationalen Star wünscht sich wohl jeder Designer als Kunden. Wie ist Lana Del Rey auf Sie gekommen?
Lena Hoschek:
Weil mir ihr Stil gefällt, habe ich ihr einfach eine unserer Cateye-Sonnenbrillen zuschicken lassen. Die Brille scheint sie gemocht zu haben. Denn als sie einen Auftritt in Berlin hatte, stand sie plötzlich zusammen mit ihrem Stylisten in meinem Laden.

Und wie war es, sie als Kundin zu haben?
Sie hat die ganze Zeit „I love it, I love it!“, gesagt. Das war natürlich toll und sie selbst ist sehr nett. Sie hat sich gleich ein paar Teile ausgesucht und wir haben sie für sie angepasst.

Sogar bei einem wichtigen Auftritt hat sie sich für Ihre Mode entschieden.
Ja, ein paar Tage später hat sie ein anderes Konzert in Wien gegeben und kam in meinem Atelier vorbei. Da hing die schwarz-weiße Spitzenrobe aus meiner aktuellen Frühjahr-Sommer-Kollektion und sie ist schier ausgeflippt! Sie hat das Kleid dann auf dem roten Teppich bei den Filmfestspielen in Cannes getragen.

Gut nachzuvollziehen. Wer nach den neuesten It-Teilen sucht, ist in Ihrem Laden aber fehl am Platz, oder?
Richtig. Ich lasse mich nicht von Trends leiten. Welche Farben angesagt sind, welche Schnitte kommen, das alles kümmert mich gar nicht. Schließlich geht es mir nicht um die Masse. Ich mache einfach das, was mir gefällt. Zum Glück hat das bislang ganz gut funktioniert.

Wovon lassen Sie sich leiten?
Von meiner Stimmung. Am besten ist eine, die nicht gleich wieder verfliegt. Das hatte ich nämlich auch schon: Dass ich während des Design-Prozesses unsicher wurde, wieder viel umgeschmissen habe und am Ende nicht mehr zufrieden war. Diese Unsicherheit hat mich extrem gestresst. Aber diesmal war es sehr easy für mich, weil ich das Thema liebe.

Lena Hoschek entführte die Besucher auf der Berliner Fashion Week auf eine Blumenwiese. Für ihre neue Kollektion holte sie sich beim Picknick Inspiration. Wie ein Sommertag in den späten 50er Jahren! Das Thema lautet „Picknick“. Wie sind Sie darauf gekommen?
Das „wie“ ist immer so schwer zu beantworten. Es passiert einfach. So wie vergangenen Sommer, als ich eben ein Picknick machen wollte. Ich finde wir essen alle viel zu selten auf einer Wiese!

Woran liegt das wohl?
Die Welt bräuchte Touristen-Guides für frei zugängliche Wiesen. In meiner Heimat, der Steiermark, gibt es so viele schöne. Aber kaum lässt man sich da nieder, wird man vom jeweiligen Bauern verscheucht. Blöd, wenn man halbnackt erwischt wird ...

Aha! Sie scheinen eins mit der Natur zu werden.
Ja, ich brauche das Grüne, um mich zu entspannen. Wenn ich dafür einmal Zeit finde. Seinen Tag gammelnd auf einer Wiese zu verbringen ist ein schöner Gedanke. Und aus dieser Stimmung ist meine Kollektion entstanden.

Wie haben Sie das Thema umgesetzt?
Durch Vichy-Karo, Schleifen und meine heißgeliebten Blumenmuster. Nach Exkursen in die 40er-Jahre und nach Mexiko, kehre ich auch wieder in die späten 50er zurück. Wichtig sind da natürlich meine schwingenden Röcke, kombiniert mit kurzen Tops.

Sehr Brigitte Bardot! Wie kann man sich so einen Ausflug bei Ihnen vorstellen? Ist in ihrem Leben alles retro?
Vieles. Ich habe zum Beispiel einen ganz tollen alten Picknickkorb. Den hat mir mein Verlobter zum Geburtstag geschenkt. Er weiß, was mir gefällt. Schon als Kind habe ich mit altmodischem Puppengeschirr gespielt.

Woher rührt Ihre frühe Faszination für die Vergangenheit eigentlich?
Meine Mutter hat mir Bücher wie „Das Nesthäckchen“ von Else Ury aus den 20er-Jahren und „Wir Kinder aus Bullerbü“ vorgelesen. Auch das Fernsehen hat mich beinflusst. Wir hatten zuhause keinen „Sat“-Empfang, also habe ich mir im ORF sämtliche Sonntagsfilme angesehen - zum Beispiel mit Peter Alexander. Und Sophia Loren war damals bereits meine große Heldin.

Knallbunte Tücher mit Rosen, üppige Stickereien und luxuriöse Stoffe: Lena Hoschek widmete ihre Kollektion Russland. Inspiration erhielt die Österreicherin auch von der Punkrock-Band „Pussy Riot“.Schlüpfen auch Sie im Alltag mal schnell in eine praktische Jeans?
Nein, ich ziehe wirklich nie Jeans an! Eine Röhre ist für mich das untragbarste Kleidungsstück überhaupt. Überall kneift es und dann sieht man hinten auch noch die Unterhose. Lieber mag ich es am Oberkörper eng und unten schön weit. Dafür sind die 50er prädestiniert. Ein Knie umspielender Rock zu Ballerinas? Angezogen und weiblich!

Ihre Show in Berlin ist jede Saison eine Investition. Lohnt die sich für Sie?
Auf jeden Fall. Dank der gezeigten Kollektionen sind unsere Läden voll, der Online-Shop rennt. Eine limitierte Hochzeits-Gartenparty-Kollektion war zum Beispiel nach wenigen Tagen ausverkauft.

Wie fühlt es sich an, hier nach der Show vom Publikum bejubelt zu werden?
Großartig. Aber noch schöner als dieser Applaus ist für mich, wenn ich Frauen sehe, die Stücke von mir tragen. Und das passiert immer öfter!

Siehe Lana Del Rey. Werden wir sie noch öfter in Lena Hoschek sehen?
Angeblich sind noch ein paar Shootings und Video-Drehs mit ihr in meinen Kleidern geplant. Aber sicher ist das nicht. Ich glaube es erst, wenn ich die Beweisfotos sehe.