Interview mit Michael Michalsky„Mit Emanzipation ist Umstandsmode ausgestorben“

von AMICA Online Redakteurin J'adore les Parisiennes!
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© Michael Michalsky
'Ein bisschen hat das Baby sich bewegt, als ich über den Laufsteg ging“, erzählte die hochschwangere Patricia Kaiser.

Als sie den Anruf von Michael Michalsky bekam, dachte sie zuerst an einen Scherz. Patricia Kaiser ist hochschwanger und der Designer wollte sie für seine Kollektionspräsentation buchen. Zwar hat die 28-Jährige, die seit 13 Jahren modelt, auch als Schwangere weiter vor der Kamera gestanden, aber damit nicht gerechnet. Trotz Überraschung sagte sie gerne zu. Als sie in einer Kombination aus Leder-Bikinioberteil, fließender Hose und Mantel mit pastellfarbenen Blütenprints auf Weiß über den Laufsteg schritt, applaudierten die Gäste, backstage folgten noch mehr Glückwünsche, aber auch besorgte Nachfragen.

„Das Laufen auf den High Heels ist für mich als Model überhaupt kein Problem, auch nicht mit Bauch“, erzählte Kaiser. „Ich habe weiter regelmäßig Sport gemacht und bin als ehemalige Leichtathletin immer noch sehr fit.“

Damit war die Österreicherin, die mit 15 die jüngste Miss Austria war, perfekt für die Show „Personal Sunshine“ von Michael Michalsky. „Mein Motto lautet ‚Real Clothes for Real People’ und real people werden auch schwanger. Ich wollte zeigen, dass hochschwangere Frauen sexy aussehen können“, so der Wahlberliner.

„Richtige Umstandsmode trage ich fast keine, sondern eigentlich die gleichen Sachen wie vorher, beispielsweise jetzt ein Babydoll-Kleid“, so Kaiser. „Allerdings musste ich lernen meinen Körper neu wahrzunehmen und meine Kurven entsprechend in Szene zu setzen.“

Die Beckers knuddeln Michael Michalsky
Michael Michalsky, Frühjahr-Sommer-Kollektion 2013, Fashion Week Berlin

Das ist gelungen fanden die Gäste, darunter Promis wie Barbara Becker mit Sohn Noah, Nadine Warmuth, Jeannette Hain, Tim Bendzko, Franziska Knuppe, Cosma Shiva Hagen, Ursula Karven, Sibel Kekilli, Jenny Elvers-Elbertzhagen und Sonja Kirchberger.

„Das schwangere Model ist eine Freundin von mir und ich finde sie hat das großartig gemacht“, schwärmte Ursula Karven nach dem Spektakel. „Es gibt doch kein besseres Zeichen für Leben und so etwas sollte viel öfter passieren.“ Ähnlich euphorisch war Barbara Becker, die in der ersten Reihe neben ihrem Sohn Noah und dessen neuer Flamme Laura Zurbriggen saß. „Eine sensationelle Inszenierung“, strahlte die Neu-Berlinerin. „Ich mochte das Ensemble, die klassische Musik für die Herrenkollektion und bei der Damenmode haben mir die Glitzerelemente für die Abendgarderobe sehr gut gefallen.“ Ihr Sohn war besonders angetan von der Herrenlinie, die Michalsky diese Saison zum ersten Mal in einer eigenen Fashion Show präsentierte.

Sommerglanz in Pastell
Michael Michalsky, Frühjahr-Sommer-Kollektion 2013, Fashion Week Berlin

Mit „Sunshine Reggae“ zum Abschluss der fließenden Damen-Kreationen mit zarten Blütenprints (an Shorts, Blazern und Zigarettenhosen), Pastellfarben wie Minze und Rosé, Korall-Tönen, glänzenden Stoffen und Plissees an langen Hosen, Röcken und Bustierkleidern verabschiedete Michael Michalsky seine etwa 1500 geladenen Gäste in die heiße Sommernacht zur Aftershow-Party. Schon vor der Show hat der Designer im Interview mehr zu seinen persönlichen Sonnenschein-Momenten und Schwangerschaftsmode erzählt.

AMICA Online: Warum haben Sie Ihre Sommerkollektion „Personal Sunshine“ genannt?
Michael Michalsky: Mit diesem Motto beziehe ich mich auf meine Kollektion „Urban Nomads“, die ich vor drei Saisons gemacht habe. Hier ging es um Großstadtmenschen, von denen verlangt wird, dass sie sehr mobil und flexibel sind, Viele arbeiten sogar in zwei Jobs. Ständig sollten sie vernetzt sein, permanent auf dem Sprung. Das habe ich in meinem Umfeld wahrgenommen. Bei „Personal Sunshine“ geht es jetzt um die innere Einstellung dieser Menschen.

Was hat sich jetzt verändert?
Ich habe festgestellt, dass sich die Menschen in Zeiten der Krise wieder auf die wirklich wichtigen Dinge besinnen. Das sind eben nicht 500 bis 700 Facebook-Freunde, sondern die vier oder fünf wahren Freunde, Familie oder familienähnliche Strukturen, die einen unterstützen. Innere Werte zählen. Dieser Prozess hat bei meinen Freunden und mir auch stattgefunden.

Wie viele wahre Freunde haben Sie?
Ich gehe durch eine Phase, in der ich mich von der Oberflächlichkeit abwende. Es ist Zeit für Qualität. Auf Facebook nehme ich nur Leute an, die ich wirklich kenne. Und mein enger Kreis, die ich wirklich regelmäßig sehe und mit denen ich mich austausche, sind um die sieben. Mit ihnen genieße ich es, zusammenzusitzen und bei Gesprächen in die Tiefe zu gehen.

Worum drehen sich diese Gespräche?
Wie bei allen Menschen, um ganz private Dinge wie Beziehung, Freundschaft, Liebe, Beruf, Erfolge.

Wie sieht Ihr „Personal Sunshine“ in Mode ausgedrückt aus?
Das fängt bei einem sehr positiven Casting an. Ich habe jeweils eineiige Zwillinge in der Show und eine Schwangere in der 34. Woche. Denn nichts symbolisiert für mich „Personal Sunshine“ besser als eine schwangere Frau. Nichts ist schöner, als wenn neues Leben heranwächst. Dann geht es weiter mit den Farben. Ich benutze das erste Mal Pastelltöne und Blumendruck. Die Materialien sind sehr leicht. Ich habe mit viel Seide, Chiffon und butterweichem Leder gearbeitet. Glanz und damit Licht ist ein ganz wichtiger Aspekt.

Es ist aber keine spezielle Schwangerschaftsmode.
Genau und das ist mir auch ganz wichtig. Alle Schwangeren, die ich kenne, kaufen keine Schwangerschaftsmode. „Umstandskleider“, das ist ein Begriff aus den 60er- oder 70er-Jahren. Meine Freundinnen haben ihre normalen Klamotten getragen. Mehr Leggins und dazu das Sweatshirt von ihrem Freund oder einen großen Blazer. Seit der Emanzipation ist Umstandsmode ein aussterbender Begriff. Für mich hat das mit dem Selbstbewusstsein der Frauen zu tun. Schwangerschaft ist schließlich keine Krankheit und Frauen wollen sich nicht durch diese Uniform ausgrenzen. Unternehmen gehen auch ganz anders damit um. Bei mir kommen die Frauen oft direkt nach dem Mutterschutz wieder zurück.

Kinder und Karriere sind also bei Michalsky kein Widerspruch?
Auf keinen Fall. Bei mir arbeiten ohnehin 75 Prozent Frauen und ich finde das gehört zum normalen, modernen Leben mit dazu, dass die Frauen ihr Privatleben jonglieren und Karriere machen.

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GerdOfSouth  |  10.07.2012 23:03
Deja Vue
Ich fühle mich an Robert Altmann erinnert, der ja in seinem Film "Pret A Porter" die hochschwangere Ute Lemper auf den Laufsteg bringt - der STory des Films folgend allerdings dann sans couture. Hier wie da und auch auf inzwischen immer mehr Magazin-Titeln kann man sich davon überzeugen, wie "gewaltig" diese schönste Rundung des Frauenkörpers überkommt.

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