Stella McCartney begeistert Berlin"Meine Reise ist noch lange nicht zu Ende"

von AMICA Online Redakteurin
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© Mercedes-Benz Fashion Week
Sie gehört zu den wenigen weiblichen Top-Designern der Welt. Sie ist die einzige von diesen, die weder mit Pelz, noch mit Leder arbeitet. Sie hat es geschafft, aus dem Schatten ihres Vaters herauszutreten. Es bedarf weder den Namen Paul, noch Linda, um Stella McCartney einzuordnen. Die 42-Jährige ist ein Phänomen. Und sie versucht Schnipsel dieser Außergewöhnlichkeit weiterzugeben. Damit junge Modeschöpfer sich daraus ein Stück ihrer Zukunft schneidern können. Stella McCartney fungiert als Schirmherrin des Nachwuchswettbewerbs „Designer for Tomorrow“ von Peek & Cloppenburg, folgt damit in dieser Funktion auf Marc Jacobs.

„Ich möchte etwas von meinem Glück zurückgeben“, beschreibt sie den Grund für ihr Engagement selbst, gibt mit einem sanften Lächeln auf den Lippen unermüdlich Interviews, obwohl sie verrät: „Eigentlich stehe ich ungern im Rampenlicht, fühle mich im Backstage-Bereich einer Show wohler.“ Dass die Star-Designerin bescheiden ist, zeigt sich immer wieder. „Ich hatte nie das Gefühl ‚Wow, jetzt habe ich es geschafft’“, erklärt sie gegenüber AMICA Online. „So denke ich gar nicht. Egal wie viel Erfolg ich gerade habe, meine Reise ist noch lange nicht zu Ende.“

Dass sie aus hunderten Bewerbungen fünf Frauen ausgesucht habe, sei Zufall, beteuert die Designerin: „Bei dem Auswahlprozess lagen mir nur Fotos und Skizzen der Kollektionen vor; es gab keinerlei Hinweise zum Geschlecht oder zur Nationalität.“

© Getty Images for Peek & Cloppenburg
Stella McCartney und Nachwuchstalent Ioana Ciolacu Miron
Oft wird sie gefragt, warum Frauen als Macher es so schwer haben in einer Welt, die für sie gemacht wird. „Ich weiß es nicht“, antwortet sie darauf. „In jeder Branche ist es für Frauen schwieriger. Die Modebranche ist einerseits etwas offener. Schließlich arbeiten in jedem großen Designhaus viele Frauen. Andererseits schaffen es nur wenige Frauen in die Führungspositionen der Modehäuser.“

Sie selbst hat sich mit einer fundierten Ausbildung sowie einer Vision durchgesetzt – „Ich möchte Frauen schön machen. Ich möchte, dass sie sich schön und wohlfühlen“. Gleich nach ihrem Abschluss am berühmten Londoner Saint Martin’s College of Art and Design verpflichtet Chloé das Nachwuchstalent als Chefdesignerin. Da war Stella McCartney gerade einmal 25 Jahre alt. 2001 dann bot ihr die Gucci Group (jetzt: Kering) an, ihr eigenes Label aufzubauen.

Mit viel Volumen spielt Stella McCartney. Oversize-Mäntel mit extrem breiten Schultern erinnern an die 80er-Jahre und verleihen Frauen Power. Wichtige Elemente: Nadelstreifen, Tartan, Box-TaschenHeute gibt es Produkte mit dem in Lochmusteroptik geschriebenem Namen Stella McCartney auf dem Etikett in mehr als 50 Ländern weltweit, neben der Ready-to-wear-Kollektion, Accessoires, Dessous, Brillen, Parfums und Bio-Hautpflege, kreiert Stella McCartney auch Sportkollektionen für adidas. Im vergangenen Jahr wurde sie sogar dazu auserwählt, die Trikots des britischen Olympia-Kaders zu entwerfen. „Das war ein großer Moment meiner Karriere“, erzählt sie. Genau wie ihre erste Modenschau in Paris. Als „eine Achterbahn der Emotionen“ beschreibt sie diese im Rückblick. „Meine Mutter sah zu und da machte sich bei mir schon ein bisschen Stolz breit.“ Die größte Belohnung jedoch ist für Stella McCartney, wenn sie Frauen sieht, die ihre Kreationen tragen. Und das tun sie. Eine kurvige Kate Winslet liebt ihre Kleider mit geschwungenen Kontrasteinsätzen genau wie eine durchtrainierte Gwyneth Paltrow oder eine schmale Nicole Kidman, ihre von Ketten eingerahmten „Falabella“-Taschen gelten als Allzeit-It-Bags, ihre Blazer unter Insidern als die bestgeschnittenen.

Ihr Erfolgsgeheimnis? Passion und Einfühlungsvermögen. „Meine Leidenschaft ist es, Frauen anzukleiden und psychologisch zu verstehen, was sie brauchen und was sie wollen; was sie fühlen wollen, wenn sie meine Kleidungsstücke tragen“, so die Künstlerin und Geschäftsfrau. Während der kreativen Phase fasst sie Stoffe an, um zu sehen, wie sie sich auf der Haut anfühlen, und wie sie sich an unterschiedlich proportionierten Körpern verhalten. Ihre Teile sollen zu Lieblingsstücken werden und zeitlos sein.

© Getty Images for Peek & Cloppenburg
Eine Kreation von Nachwuchstalent Ioana Ciolacu Miron
Eine große Herausforderung. Die größte jedoch hat sich schon zu Beginn ihrer Karriere gestellt: stylische vegane und möglichst grüne Mode zu produzieren. „Zu Beginn jeder Kollektion denken mein Team und ich darüber nach, welche Stoffe wir nutzen möchten, und wie wir sie nachhaltig, aber in einer guten Qualität produzieren lassen können“, so McCartney. Das sei jedoch nicht leicht. Viele Fabriken kämen aus ökologischen Gründen nicht in Frage, andere aus wirtschaftlichen. „Es ist sehr viel teurer, Alternativen für Leder zu finden, als einfach Leder zu benutzen“, erklärt sie. Ausruhen darf sie sich nie.

Der Gewinnerin des „Designer for Tomorrow Awards“, Joana Ciolacu Miron, gibt Stella McCartney so auch mahnende Worte mit auf den Weg. „Die Modeindustrie ist schonungslos. Ohne Talent und ohne Leidenschaft kommt man nicht sehr weit“, erklärt die Designerin. „Aber wenn du hart genug arbeitest, dann kannst du es auch schaffen!“