Das war die elfte Fashion Week BerlinPleite für Nackt-Micaela und luftige Seidenkleider

Ein Hauch Sommer

Es begann mit Urlaubsgefühlen in Form von bunten Streifen. Sie fanden sich auf der Einladung wieder, auf Sitzkissen und schließlich auf Bikinihöschen der Models. Mit dem Auftakt zur elften Mercedes-Benz Fashion Week Berlin demonstrierte die Escada-Eigentümerin Megha Mittal wieder einmal, dass sie das Label erfolgreich gerettet hat. Die Schwiegertochter eines indischen Stahlmagnaten legt großen Wert darauf die Wurzeln des Labels zu wahren. Sie sagt: „Berlin ist sehr wichtig für Escada Sport, weil Deutschland die Heimat der Marke ist. Ich bin sehr stolz, dass wir die Fashion Week eröffnen.“

Wer zu ihrer Show wollte, musste allerdings erst einmal zum Zelt finden. Viele Taxifahrer chauffierten ihre Gäste zielsicher zum Brandenburger Tor. Dorthin, wo das Mercedes-Benz-Zelt in den vergangenen beiden Saisons aufgebaut worden war. Doch das „Nomadenzelt“ – zuvor war es am Bebelplatz beheimatet – musste sich vom 3. bis zum 7. Juli 2012 aufgrund der Fanmeile zur Fußball-EM wieder einen neuen Platz suchen und wurde in etwa drei Kilometern Entfernung an der Siegessäule aufgeschlagen. Bestes Verkehrsmittel bei chronischem Taximangel übrigens: das Leih-Fahrrad vom Kiosk.

Schlicht sinnlich

Doch nicht nur für Taxifahrer ist die Fashion Week eine lukrative Zeit. Sämtliche Hotels sind ausgebucht, sodass sogar Unternehmensberatungsmanager in Sechsbettzimmern von Jugendherbergen nächtigen müssen – wenn sie spontan in die Stadt kommen. Eine Hotelkette wirbt bereits während der Modewoche mit dem Slogan: Buchen Sie jetzt schon Ihr Zimmer für die nächste Bread & Butter. Rund 250 000 Besucher bringen jede Saison 120 Millionen Euro Umsatz. Weil nebenbei auch die Messen Bread & Butter, Premium sowie Show & Order internationales Publikum anziehen.

Anziehen werden die Designer ihre Kundinnen im Sommer 2013 besonders feminin. Der Trend „fließende Kleider mit asymmetrischen Säumen“ aus gewaschen transparenter oder normaler Seide, hält weiter an. Ob bei Kilian Kerner oder Michael Michalsky. Stoffblumen sprossen bei Unrath und Strano sowie Marcel Ostertag auf den Kreationen. Kaviar Gauche formte die edlen Stoffe wieder einmal zu bauschigen Röcken, hielt sich insgesamt schlichter als üblich. Gerne werden bekannte Muster verfremdet und wie durch ein Kaleidoskop betrachtet. Bei Kaviar Gauche waren dies Bienenwaben, bei Schumacher Blumenmuster, bei Escada Batik-Optiken. Als Inspirationsquelle dienten häufig südliche Länder. Lena Hoschek etwa brachte das farbenfrohe Totenfest Mexikos mit Folkloremustern auf den Laufsteg, Escadas Farben stammten aus Guatemala und eine Reise nach Portugal lieferte Dawid Tomaszewksi die Idee zur Kollektion. Er kombinierte aufwendig geknüpfte Makramee-Stücke mit fließenden Stoffen.

Hunkemöller's Secret

Neonfarben – die aktuellen Must-haves sämtlicher Moderedakteurinnen – fanden sich auf dem Laufsteg in den Kollektionen von Kilian Kerner und Frühjahr/Sommer 2013: Marc Cain - Exotische Premiere verzaubert Knuppe und Flint wieder. Erstmals veranstaltete letzteres Label eine Modenschau in Berlin – Offsite im luxuriösen Hotel de Rome – zuvor war es immer nur auf der Düsseldorfer Messe CPD vertreten gewesen. Heike Makatschs persönliches Highlight war die Show von Kaviar Gauche. „Ich mochte die neuen Gelb- und Grüntöne der Kollektion. Damit hat das Label mal wieder eine neue Facette gezeigt“, strahlte die Schauspielerin. Auch den holländischen Unterwäschehersteller Hunkemöller zog es diese Saison in die deutsche Hauptstadt, weil er große Expansionspläne hierzulande hat. Als Star-Model schwebte für ihn Interview mit Sylvie van der Vaart - „Löchrige Baumwollschlüpfer trug ich nur als Jungfrau“ in sexy Dessous über den Laufsteg, unter den großen Augen deren Mannes, dem holländischen Nationalspieler Rafael van der Vaart. „Der ist so nervös wie sonst ich, wenn er auf dem Platz steht“, verriet die schöne Moderatorin im Gespräch mit AMICA Online. Und: „Er ist ein richtiger Mann und mag es, wenn ich ihn mit Strapsen überrasche.“

Romantisch statt erotisch verzückte Schumacher seine Gäste: Mit dem schönsten Aftershow-Event. Unter weißen Sonnenschirmen, auf Decken und Kissen, genoss auch Schauengast und Topmodel Frühjahr/Sommer 2013: Schumacher - Picknick mit Laptop und Lily Cole ein Sommerpicknick.

© Mercedes-Benz Fashion Week
Sie lässt keine Gelegenheit aus, sich in knappen Fummeln zu präsentieren: Nackt-Model Micaela Schäfer bei der Fashion Week im Juli 2012

Doch etwas fehlte dieses Mal während der Modewoche: Liebling Leyla Piedayesh präsentierte nicht ihre neueste Lala-Berlin-Kollektion. Stattdessen lud sie nur ausgewählte Gäste zu einer kleinen Cocktail-Party. Die Kollektion sei nicht fertig geworden, munkelten die einen. Sie wolle Geld sparen, die anderen. Von PR-Seite hieß es, die Deutsch-Iranerin werde ihre coole Strickmode diese Saison in Paris präsentieren.

Jedenfalls läuft sie dort nicht Gefahr, dass Micaela Schäfer ihre Show crasht. Die Ex-„Germany’s next Topmodel“-Ex-„Dschungelcamp“-Kandidatin kam gewohnt leicht bekleidet in einem Flecht-Bikini zur Show von Lena Hoschek und wurde in die vierte Reihe verbannt. Peinlich, für einen „Promi“. Bei Marcel Ostertag lief sie dann zwar über den roten Teppich, schaffte es aber nicht einmal in die Show. „Wenn dieses Nacktmodel noch einmal kommt, schickt sie weg – Befehl des Designers“, wies der Ober-Security die Türsteher an. Wenigstens hatte sie kurz zuvor ihren Moment-of-Fame bei einer Underground-Show in der Berliner U-Bahn bekommen.

Fashion Week Zusammenfassung - Seite 2

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Pleite für Nackt-Micaela und luftige Seidenkleider