Franzi Müller läuft für Chanel, Hugo, KleinGestatten, Germany’s wahres Topmodel!

von AMICA Online Redakteurin
Alle Infos zu Veronika: oder folge mir auf
Franzi Müller auf den internationalen Laufstegen

Sie hat gelernt an den unmöglichsten Stellen zu schlafen. Den Pullover zu einem zweitklassigen Kissen gefaltet, liegt sie nachmittags auf Hinterzimmerböden. Als Wohnzimmer dient Franzi Müller das Flugzeug, maximal zwei Tage am Stück verbringt sie in ihrer Heimat Berlin Köpenick. Dann geht es weiter zum nächsten großen Job. Vergessen sind die kleinen Lichtpunkte im Fernseh-Casting-Kosmos: Am Scheinwerferhimmel der internationalen Fashion Weeks gilt die 20-Jährige als neuer Shooting-Star.

Mit 35 Buchungen legte sie in diesem Jahr laut ihrer Agentur „Seedsmanagement“ das zweitbeste Prêt-à-Porter-Debüt weltweit hin. Nur die Dänin Nadja Bender kam auf eine größere Anzahl. Doch Franzi Müller hatte sich in New York auch exklusiv Calvin Klein verpflichtet. Als wichtigstes Model eröffnete sie die Show des Designers im Februar 2012. Und gerade lief sie bei den Haute-Couture-Schauen in Paris für große Häuser wie Chanel, Dior oder Valentino.

AMICA Online traf die außergewöhnliche Schönheit an ihrem Kleiderständer backstage vor der Hugo by Hugo Boss Show in Berlin (sie war extra eingeflogen worden) und sprach mit ihr über den Preis des Erfolgs, Modelfreundschaften und vermeintliche Hunger-Diäten.

AMICA Online: Wie haben Sie den Start ins Model-Business erlebt?
Franzi Müller: Nach meinem Einstieg ging alles sehr rasch. Ich modele ja erst seit vier Monaten. Dass ich gleich zu Beginn die Calvin-Klein-Show bei der Fashion Week New York eröffnet habe, war mein Durchbruch. Von da bin ich direkt zur Londoner Modewoche weitergeflogen. Und seitdem stecke ich mittendrin.

Und wie ist es in der Mitte?
Sehr tough und anstrengend. Aber man lernt unheimlich viel über sich selbst.

© Seedsmanagement/Elina Kechicheva

Was haben Sie denn über sich erfahren?
Daheim war alles schön, einfach und behütet. Ich bin zur Schule gegangen und habe mich sonst um nichts gekümmert. Aber durch den Beruf bin ich ganz schnell erwachsen geworden, weil ich zusehen musste, dass ich klarkomme. Oft denke ich „puh das hat jetzt nicht geklappt, da muss ich noch an mir arbeiten“. Ich habe gelernt meine Grenzen auszureizen.

Wie hart das Geschäft ist, erfährt die Öffentlichkeit ja in Castingshows wie „Germany’s next Topmodel“, oder?
Nein, „Germany’s next Topmodel“ hat nichts mit der Realität zu tun. Aber das ist okay, weil die Macher wahrscheinlich gar nicht den Anspruch haben die Realität abzubilden. Sie wollen einfach nur unterhalten und viele Leute wollen unterhalten werden. In Wirklichkeit ist der Job viel schwieriger.

Weil man ständig zu Castings rennen muss?
Zum Glück ist das bei mir nicht der Fall, weil ich meist direkt gebucht werde. Bei Calvin Klein habe ich zum Beispiel einen Tag vorher den Anruf bekommen, dass sie mich haben wollen und schon war ich dabei. Hart daran ist, dass ich manchmal drei Tage hintereinander im Fugzeug bin und alleine auf Hotelzimmern sitze.

© AMICA Online/Veronika Schaller
Neben ihrem Kleiderständer: Franzi Müller im Backstage-Bereich von Hugo by Hugo Boss

Sind Sie eher ein Gesellschaftsmensch?
Auf jeden Fall. Ich bin gewöhnt, immer viele liebe Menschen um mich zu haben. Daher geht mir die Einsamkeit oft auf die Nerven. Da muss ich mich erst noch reinwuseln.

Wie bekämpfen Sie das Heimweh?
Am Anfang saß ich allein vor meinen Laptop und habe versucht über Skype den Kontakt zu Freunden und Verwandten zu halten. Aber die Taktik ging nicht auf. Das machte mich noch frustrierter, weil ich einfach nicht vor Ort war. Mittlerweile habe ich gemerkt, dass es dolle hilft, sich mit anderen Models anzufreunden. Weil sie das gleiche durchmachen wie du selbst. Die sind auch immer alleine und freuen sich, wenn sie mit jemandem rumhängen können.

Findet der berühmte Zickenkrieg also gar nicht statt?
Nein, gar nicht. Natürlich kommt man wie überall nicht mit jedem aus der Branche klar. Aber mit den Unsympathischen muss man ja nicht befreundet sein. Ein paar Mädchen, die ich immer mal wieder treffe, sind richtig gute Freundinnen geworden.

Model-WGs mit sechs gut aussehenden Frauen in einem New Yorker Loft sind ein Männertraum. Gibt es die wirklich?
Tatsächlich teilen sich Models oft eine Wohnung. Ich hatte nie das Pech, dass ich gleich mit fünf oder sechs Mädchen zusammen leben musste. Das stelle ich mir ziemlich anstrengend vor. Aber ich habe oft eine Mitbewohnerin. In New York waren es sogar zwei.

© AMICA Online/Veronika Schaller

Wie kann man sich das Model-Zusammenleben vorstellen?
Es wird viel über Probleme geredet, weil man sich gegenseitig versteht. Ob es darum geht, dass man die Familie vermisst oder dass der Freund mit der Distanz nicht klarkommt. Ich finde richtig gut, dass wir alles teilen können. Wir gehen zum Beispiel zusammen einkaufen oder Eis holen ...

... Sie essen Eis?
Natürlich (lacht). Ich esse auch Schokolade und Gummibärchen. So wie jedes andere Model auch. Die Vorurteile, dass wir auf alles verzichten, stimmen nicht. Das Thema wird einfach immer gerne ausgeschlachtet.

Und wie halten Sie dann bitte Ihre Figur?
Das klingt jetzt kitschig, aber es ist angeboren. Als Model muss man einfach von Haus aus einen guten Knochenbau haben. Außerdem versuche ich gesund zu essen. Was nicht heißt, dass ich nur noch Salat futtere – auf Dauer verliert der seinen Geschmack. Im Endeffekt esse ich alles, ertränke mein Essen aber zum Beispiel nicht in Soße.

Wie sieht es mit Sport aus?
Viele Mädchen machen Yoga, aber das ist nicht mein Ding. Ich mache lieber normale Workout-Übungen.

Aus welchem Grund üben Sie eigentlich diesen harten Beruf aus?
Ich mag, dass ich als Model wahnsinnig viel erlebe. Von der Welt habe ich jetzt schon mehr gesehen als meine Eltern.

Stört es Sie, dass Models oft eher wie Kleiderständer behandelt werden?
Viele Leute in der Branche geben sich echt Mühe. Sie sind der Grund, warum Models lange durchhalten. Andere sehen gar nicht mich, sondern nur die Klamotte. Obwohl ich das nicht gut finde, kann ich es verstehen. Weil durch ihre Hände schon zehn Millionen andere Mädchen gegangen sind. Warum sollten Sie also ausgerechnet für mich noch Zeit haben?

Franzi Müller - Seite 2

1
Gestatten, Germany’s wahres Topmodel!