H/W 13/14: Interview mit Dimitri„Das viele Lob setzt mich schlimm unter Druck“

von AMICA Online Redakteurin
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© Mercedes-Benz Fashion Week Berlin
Designer Dimitrios Panagiotopoulos

Einen Designer wenige Tage vor der Fashion Week zu erreichen, zählt nicht zu den leichtesten Aufgaben. Dimitrios Panagiotopoulos ist einer von ihnen. Der Südtiroler mit griechischem Vater und italienischer Mutter gilt sogar als einer der beliebtesten bei der Berliner Modewoche. Nach einem Master in Fashion Design in Mailand sowie Arbeitsstationen bei Jil Sander, Hugo Boss und bei Vivienne Westwood, gründete er 2007 sein eigenes Label Dimitri.

Seit 2010 nimmt er an der Mercedes-Benz Fashion Week in Berlin teil. Routine ist die Show aber noch lange nicht. Knapp eine Woche vor der Präsentation der Herbst-Winter-Kollektion 2013/2014 geht es in seinem Leben turbulent zu. Nach halbstündiger Verspätung und der Entschuldigung „Stau“, hält Dimitrios Panagiotopoulos jedoch den Telefonhörer seines Meraner Ateliers in der Hand.

AMICA Online: Sie wirken außer Atem. Wie hoch ist der Stressfaktor dieses Jahr?
Dimitrio Panagiotopoulos: Definitiv sehr hoch. Ich wollte es mir diesmal eigentlich einfacher machen und meine Teile schon vorab nach Berlin schicken, anstatt sie von meinem Sitz in Italien aus persönlich mitzunehmen. Aber das bedeutet: Ich hatte auch ein paar Tage weniger Zeit. Heute habe ich mit meinem Team alle Pakete gepackt, muss aber am Samstag noch per Overnight hinterherschicken, was wir nicht fertig bekommen haben. Außerdem weiß ich nicht, ob meine Taschen wirklich ankommen.

Der Zauber Sibiriens
Dimitri, Herbst-Winter-Kollektion 2013/2014

Weshalb sollten sie nicht ankommen?
Weil mein Taschenproduzent mir gestern mitgeteilt hat, dass alle seine Mitarbeiter krank sind. Einer ist zum Glück heute zurückgekommen. Und ich bete zu Gott, dass ich bis Montag alle meine Taschen habe.

Sie überstehen die arbeitsreiche Zeit ohne Krankheiten?
Ja, ich halte in diesen Stresssituationen immer durch und funktioniere wie eine Maschine. Dafür werde ich nach der Show ganz still und bin in mich gekehrt, nachdenklich. Das meine ich gar nicht böse und verstehe selbst nicht, was mit mir passiert. Die Leute aber fragen sich wahrscheinlich „Warum ist der so frustriert?“

Andere Designer machen Luftsprünge nach der Show …
Ich nicht. Die ersten Schritte vom Catwalk in den Backstage-Bereich kann ich noch ein bisschen schmunzeln, aber dann denke ich „Oh Gott, es ist vorbei“.

Fallen Sie etwa in ein Loch, wenn Sie keine Arbeit haben?
Irgendwie schon, weil die Atmosphäre so ungewohnt ist, wenn ich nach Hause komme. Alles ist ruhig, das Atelier aufgeräumt. Der Unterschied zwischen der lauten Stadt und meinem kleinen, verschlafenen Örtchen im Meran kommt mir dann extrem vor.

© Mercedes-Benz Fashion Week
Ein Hauch von petrolfarbenem Chiffon. Dimitris aktuelle Kollektion entführt ins eisige Sibirien.

Trotzdem haben Sie sich entschieden, in Ihrer Heimat Südtirol arbeiten zu wollen und nicht in Berlin.
Weil man Mode doch noch mehr mit Italien in Verbindung bringt. Ich lasse auch hier produzieren. Und der Standort ist nicht schlecht, weil ich gleich lang nach Mailand und Berlin brauche. So kann ich mit beiden Ländern gut zusammenarbeiten. Ich zeige während der Fashion Week in Mailand meine Kollektion ja ebenfalls – aber nur in einem Showroom. An Berlin schätze ich, dass die Modewoche auch jungen Designern wie mir die Chance gibt auf dem Laufsteg zu zeigen.

Vermissen Sie eigentlich Ihre Zeit bei Vivienne Westwood in London?
Auf jeden Fall. Wenn ich mit meiner Firma umziehen wollte oder könnte, würde ich nach London gehen. Mein Praktikum bei Vivienne Westwood war ein absoluter Traum und sehr inspirierend. Sie kommt jeden Tag mit dem Fahrrad in ihr kleines Studio, begrüßt jeden Mitarbeiter persönlich. Ich bewundere sie für ihre tollen Corsagen!

Vivienne Westwood gilt als Extzentrikerin – im Gegensatz zu Ihnen. Wird Ihnen Tragbarkeit eigentlich wichtiger, je größer Ihr Label wird?
Allerdings. Man merkt, was sich gut verkauft und was nicht. Für mich war es schon immer wichtig tragbare Mode zu entwerfen. Ich möchte auch Frauen keine Trends aufdrücken, sondern ihre Persönlichkeiten unterstreichen. Bei der neuen Kollektion gehe ich noch einen Schritt weiter. Es kommt eine Jersey- sowie eine Kaschmirkollektion hinzu, damit ich auch preisgünstigere Teile für eine breitere Masse anbieten kann.

© Mercedes-Benz Fashion Week
Die traditionell sibirischen Allover-Ethnos-Muster hat Dimitri mit einer Mitarbeiterin erarbeitet, die zufällig aus Sibirien stammt.

Holen Sie während der Entwicklung der Kollektion auch Frauenmeinungen ein?
Ja, mittlerweile schon. Meine Freundin und meine Mutter werden dafür befragt. Natürlich auch meine drei Mitarbeiterinnen. Früher haben mich fremde Meinungen weniger interessiert. Vielleicht bin ich also unsicherer geworden? Dass meine aktuelle Frühjahr-Sommer-Kollektion bei den Kritikern so gut ankam, setzt mich jedenfalls schlimm unter Druck.

Ist Lob etwa keine Bestätigung?
Schon. Aber ich denke gleichzeitig: „Hoffentlich kann ich das toppen“. Und ich bin hin- und hergerissen zwischen „Das kannst du so nicht nochmal machen, ist doch langweilig“ und „Genau dafür stehst du, also greife es wieder auf“.

Was ist bei diesem innerlichen Disput diesmal herausgekommen?
Die Femininität, ganz typisch für mich, habe ich in der neuen Kollektion wieder aufgegriffen. Ich arbeite außerdem wieder viel mit Leder, Seide und drapierten Chiffon-Stoffen. Auffällig sind auch schmale Silhouetten, Pelze und schönen Farben von Grün- über Blau- bis hin zu Grautönen. Als Key-Elemente würde ich die Allover-Ethno-Muster auf den Jersey-Stücken bezeichnen.

Wovon haben Sie sich inspirieren lassen?
Von Sibirien und den typischen russischen Trachtenmustern. Fasziniert hat mich diese Gegend schon lange, weil sie die Kälte des Winters widerspiegelt. Eine Mitarbeiterin kommt zufällig aus Sibirien und hat mir Fotos der Landschaft und Frauen gezeigt. Mit ihr habe ich die Prints erarbeitet.

Interview mit Dimitri - Seite 2

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