Vom DDR-Model zur Modebloggerin„Modeln in der DDR war total unglamourös“

© Modische Maschen
Ein weiteres Titelbild aus DDR-Zeiten
Doch mit der Wende kam das Aus für Kossiwakis Karriere als Fotomodell. Sie zog nach Wiesbaden um – und startete auch dort einen Versuch als Model, stellte sich bei einer Agentur vor. „Die Frau dort sagte: Hast du einen Job, Mädel? Ich meinte: Ja, ich arbeite bei der Sparkasse“, erinnert sie sich lachend. „Darauf sie: Dann bleib da.“

Doch ganz von der Modebranche lassen, das konnte Anja Kossiwakis nicht. Ihr Traum: einmal bei einer Fashion Week dabei sein. Also schrieb sie die Designer an. „Ich habe ihnen davon erzählt, dass ich in der DDR gemodelt habe, wie umglamourös das damals war und dass ich so gerne einmal eine richtig große Show sehen möchte“, sagt sie. „Dann bekam ich tatsächlich mehr und mehr Einladungen zugeschickt.“

© Anja Kossiwakis
Anja Kossiwakis trifft Stars wie Jessica Chastain.
Erstmal besuchte Kossiwakis die Schauen nur zum Spaß, postete Fotos auf Facebook. Doch die Lokalpresse wurde auf sie aufmerksam und machte Anja Kossiwakis kurzerhand zur Modejournalistin. Auch ihren eigenen Modeblog Anjas Lookbook hat sie gestartet, veröffentlicht dort ihre Fotos der Modenschauen und Streetstylebilder. Ihr größter Erfolg bisher: der Besuch der Pariser Modewoche – und die Treffen mit den ganz großen Stars. „Anna Wintour, Carine Roitfeld und viele andere waren da. Wenn ich jetzt Modemagazine durchschaue, sage ich: Okay, kenn ich, kenn  ich, kenn ich.“

Doch wie ist die als so böse bekannte Anna Wintour wirklich? „Als wir uns das erste Mal getroffen haben, hatte sie einen schlechten Tag und ist zusammengeduckt an uns vorbeigeschlichen“, erzählt Kossiwakis und zeigt zum Beweis das entsprechende Foto aus ihrem iPad. „Aber bei der Chanel-Show war sie gar nicht so böse und hat sehr nett gelacht.“

© Anja Kossiwakis
So glamourös geht Anja Kossiwakis zu den Modenschauen.
Einen Traum hätte Anja Kossiwakis aber noch: Sie möchte noch einmal für ein professionelles Shooting vor der Kamera stehen. Notfalls würde sie dafür wie zu DDR-Tagen auch nochmal in die Abraumhalde klettern. „Ich habe sogar mal an ,Germany’s next Topmodel‘ geschrieben, ob sie nicht auch mal so ein einfaches Shooting machen wollen. Man muss ja nicht immer wirklich in die Karibik fliegen“, sagt sie und macht sich lachend mit ihrer Kamera zur nächsten Modenschau auf. „Die sollten die Mädels einfach in die Jugendherberge packen und dann geht’s ab auf die Abraumhalde. Hat damals ja auch funktioniert.“

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„Modeln in der DDR war total unglamourös“