Fashion Week Paris Dominas auf High Heels und eine Prinzessin auf Inspirationssuche
Ein bisschen Sportlichkeit, Verruchtes im Domina-Stil und endlose Eleganz – Paris bewegt sich spielend zwischen den Extremen. Das gefällt nicht nur Hollywood-Stars, sondern auch Prinzessin Charlène.
Neue Designer und Gerüchte, Premieren und Abschiede – Paris hat seinem Ruf als schillernde Modemetropole alle Ehre gemacht. Mit einer Mischung aus Eleganz und Sportlichkeit geht die Fashion Week in der französischen Hauptstadt zu Ende. Welche Trends erwarten uns im nächsten Sommer?Einerseits gibt es etwas rundere Formen und eine feminine Silhouette. Verbunden ist dies mit Hommagen an die Eleganz der 50er und 60er Jahre. Andererseits scheint eine Sehnsucht nach „Arkadien“ zu herrschen, einer ruhigen und heiteren Mode mit leichten Entwürfen und einfachen Grundlinien. Kleine Blüten- oder Tapisseriemuster sowie ein leuchtendes Sonnengelb charakterisieren die Designs. Und drittens wenden sich viele Designer dem Thema Sportlichkeit und Beweglichkeit zu mit Kapuzencapes, plissierten „Tennis“-Röcken oder Shorts.
Unbeschreiblich weibliche Bikerqueens waren die Musen von Albert Elbaz´ Kollektion für Lanvin. „Ich möchte den Frauen Flügeln verleihen“, so der Designer im O-Ton zu einer Kollektion, die die Ultrafeminität als Leitmotiv vorgab. Seine nicht enden wollenden Kreaturen stelzten, pardon, schwebten demnach auch auf 15-Zentimeter-Mindestmaß-Absätzen über den Laufsteg. Domina lässt grüßen!
Getuschel um Phoebe Philo
Das Kontrastprogramm lieferte Phoebe Philo bei Céline (es wird gemunkelt, dass sie neben Marc Jacobs als eine der Anwärterinnen für die Dior-Nachfolge gut im Rennen ist), die den „Clean chic – less is more“-Look zur Perfektion (böse Zungen behaupten doch glatt bis zur Langeweile) beherrscht. Grün, Beige, Braun und Schwarz–weiß, selbstverständlich, lautete demnach auch die Farbpalette ihrer sehr perfekten, intelligenten und modernen Kollektion ohne unnötigen Showeffekt. Die hätte sicher auch Charlène, der frischgebackenen Prinzessin aus Monaco gefallen. Jil Sander und Helmut Lang waren wohl Paten.Charlène allerdings saß nicht bei Céline, sondern beim Schweizer Akris alias Albert Kriemler, der als ihr inoffizieller Haus– und Hofschneider gilt, in der ersten Reihe. Natürlich trug sie Akris, ein ärmelloses Agnello-Etuikleid in Taupe, das für diesen Tag von Albert Kriemler entworfen wurde, dazu eine Akris-Allegra-Bag in bronzefarbenem Leder.
Neue Designerin bei Rykiel und Altbewährtes bei Margiela
"Standing ovations“ gab es auch für April Crichton (den Namen wird man sich merken müssen), die ab sofort und hochoffiziell gemeinsam mit Nathalie Rykiel für Sonia Rykiels Kollektion verantwortlich zeichnet. Mousseline hat Strick verdrängt, die Rive-Gauche-Clièntele wird es trotzdem zu schätzen wissen. Sonia und ihre rote Mähne waren nicht weit: Die Königin der Strickkunst thronte in der ersten Reihe und überwachte das Geschehen mit sichtlich wohlwollendem – wenn auch leicht ängstlichem – Blick.„Work in progress“ lautete die Devise hingegen bei Martin Margiela: Der Meister des Understatements ließ seine Models in einer undefinierbaren beziehungsweise unvollendeten Atmosphäre – irgendwo zwischen Baustelle (schwarze Plastikplanen, Perserteppiche ) und Factory angesiedelt – defilieren. Kein Mannequin stolperte. Ein Wunder! Der Friseur hatte sich nämlich als Haarstyling zum Look den Pony in XL (also im besten Fall nasenbedeckend) ausgedacht. Mit anderen Worten: Hier wurde uns das „Making of“ der Kunst der Bekleidung vorexerziert!
Premiere für deutsches Label
Sie zeigten zwar außerhalb des offiziellen Schauenkalenders, aber es war doch ein sensationeller Schritt für das deutsche Modelabel Odeeh. Zum ersten Mal in Paris! Genauer gesagt in die Galerie Karsten Greve luden Jörg Ehrlich und Otto Drögsler mehr als 100 exklusive Gäste. Zu sehen bekamen Schauspielerin Pheline Roggan und die anderen in der Kollektion „No.5“ ein eklektisches Spiel aus Farben, grafischen Mustern und hochwertigen Stoffen. Die Entwürfe wirkten schlicht und dennoch glamourös – etwa eine goldbeige glänzende Kurzarmbluse zu bedruckten, leicht gerundeten Shorts oder ein skulptural geschnittenes königsblaues Kleid. Es war ein schönes leises Debüt für die beiden, die bisher in Berlin gezeigt hatten.Paris gilt in der Szene als äußerst schwieriges Pflaster. „Wir waren natürlich aufgeregt“, sagten Ehrlich und Drögsler nach der Schau. „Aber wir hatten auch das Gefühl, diesen Schritt jetzt tun zu müssen. Unsere Kundschaft wird internationaler. Da ist es besser, in Paris zu zeigen.“
Quelle: Doris Barbier-Neumeister & Kerstin Kotlar/ dpa




























