Frühjahr/Sommer 2012: Kanye WestDer steile Weg zum Mode-Olymp

Text: Lisa Leinweber
Harder, better, faster, stronger
A model presents a creation by U.S. singer Kanye West as part of his Spring/Summer 2012 women's ready-to-wear fashion collection show in Paris

„Harder, better, faster, stronger“ – so lautet der Refrain der eingängigen Single „Stronger“ von Kanye West. Der Song spiegelt nicht nur den unbeschreiblichen Überlebenswillen des US-Rappers, sondern auch dessen persönliche Jagd nach Superlativen wider: Der beste Künstler, der noch dazu mit den schönsten Frauen schläft und nun zum gefeierten Designer wird. Kanye West machte mit seiner ersten Kollektion, die während der Fashion Week Paris gezeigt wurde, den nächsten Schritt auf dem Weg der kreativen Selbstverwirklichung. West stieß dabei auf gemischte Kritiken.

Seine Kreationen zeigten eine attraktive Melange aus New Yorker Straßen-Chic, laszivem Sexappeal und klassischen Schnitten – nicht zu gewagt und fast eine Spur vorhersehbar. Auch bei der Farbwahl hielt sich der 34-Jährige bewusst zurück und so bestimmten Schwarz, Weiß und Nude-Töne die Show. Wenige Male versuchte sich der Newcomer am allseits beliebten Colour-Blocking und spielte sogar mit Fell-Details, die bei vielen Designern schon in der Herbst-Winter-Kollektion zu sehen waren.

Hatte der sonst so selbstbewusste Rapper etwa respektvolle Achtung vor Mode-Göttern wie Karl Lagerfeld und wartete deshalb mit Prêt-à-porter-Mainstream auf?

© REUTERS
Allround-Talent Kanye West
Gemischte Kritik aus der Front Row

Im Gegensatz zu seinen Kreationen konnte die Gästeliste von Kanye West durchaus mit den ganz großen Shows mithalten. Neben zahlreichen Bloggern waren Ciara, Anna Wintour, Lindsay Lohan und Sänger Jared Leto anwesend. Designerin Silvia Venturini Fendi zeigte sich im Backstage-Bereich begeistert von dem Newcomer und gratulierte zu den Entwürfen. Auch die Sängerin Ciara zeigte sich gegenüber „Mtv.com“ verzückt: „Es war großartig. Alles war stark und sehr sexy.“

Andere wiederum urteilten jedoch weniger großzügig. So verriss das Mode-Ressort der „New York Times“ die neue Kollektion, da sie uninspiriert scheine und an vergangene Entwürfe von Balmain erinnere. Außerdem sei es schade, dass durch den Hype um West Jung-Talente wie Jean-Paul Lespagnard keine Chance hätten mit ihren kreativen Entwürfen ein größeres Publikum zu erreichen.