Fashion Week ParisHedi Slimane beeindruckt mit Saint-Laurent-Debüt

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Smoking-Girls bei Saint Laurent Paris
A model presents a creation by French designer Hedi Slimane as part of his Spring/Summer 2013 women's ready-to-wear fashion show for French fashion house Saint Laurent Paris during Paris fashion week

Es war wohl die Schau der Schauen: Das Comeback des Franzosen Hedi Slimane als neuer Kreativkopf des Hauses Saint Laurent in der Pariser Prêt-à-porter-Woche. Das Ganze schien nahtlos an die Zeiten anzuknüpfen, als Hedis Defilees in der Fashion-Szene wie eine Art kultische Handlung angesehen wurden.

Auch nach fünf Jahren Modeabsenz gelang es Slimane, eine beachtliche Zahl von Designerkollegen anzuziehen.

Marc Jacobs und Vivienne Westwood, Alber Elbaz, Azzedine Alaïa sowie Diane von Furstenberg waren gekommen, um die Saint-Laurent-Kollektion für Frühjahr/Sommer 2013 anzusehen. Aber auch Pierre Bergé gehörte zum Publikum, Lebens- und Geschäftspartner des 2008 gestorbenen Yves Saint Laurent. Neben ihm saß zur einen Seite Saint Laurents einstige Muse Betty Catroux, zur anderen Valérie Trierweiler, Lebensgefährtin des französischen Präsidenten, die eigentlich sonst keine Schauen besucht.

Beeindruckend wie die Gästeliste wirkte die Inszenierung. Man hatte ins imposante Grand Palais eingeladen, doch statt in den großen Kuppelsaal wurden die Gäste über nüchterne Treppenfluchten in einen schwarz ausgekleideten Raum mit simplen Holzbänken geführt. Das erhöhte die Spannung noch. „Ich bin so glücklich, diese Schau sehen zu dürfen“, sagte Schauspielerin Jessica Chastain. Ein anderer Gast sprach von einem „historischen Moment“.

Dann öffnete sich die schwarze Decke, und eine Flut von Scheinwerfern erleuchtete den Laufsteg. Zu wummernden Klängen erschien die neue Saint-Laurent-Frau. Slimane hat früher nur Männermode entworfen, doch schnitt er seine Anzüge dabei so scharf und schmal, dass auch Frauen sie anzogen. Ähnlich konturiert erschien die auf der Hüfte sitzende Hose des Abendsmokings, mit dem er startete. Verkürzt dazu die auf Figur geschnittene Jacke mit betonten Schultern.

Slimane buchstabierte andere Schlüsselelemente des Saint-Laurent-Stils neu: den Transparentlook, die Safari-Jacke, die schwingenden Gipsy-Kleider oder die Bikerjacke. Doch fügte der in Los Angeles lebende und vorwiegend auch arbeitende Designer kalifornische Coolness hinzu – etwas Hippiehaftes, Rockiges und gleichzeitig auf erotische Weise Subversives. „Dark Glamour“ schien die Devise: Die meisten Entwürfe waren in Schwarz gehalten, mit einigen Glitzerelementen. Auf dem Kopf trugen die Models große Schlapphüte – sie erschienen wie selbstbewusste mondäne Jet-Setterinnen.

© dpa / Hendrik Ballhausen
Karl Lagerfeld winkte nach seiner Show ins Publikum.

Nach dieser starken Inszenierung, die polarisierte – von Alber Elbaz und Salma Hayeks einhelligem „Wunderbar“ bis zur Bemerkung „Modischer Obstsalat“ eines Kritikers – hatten es die weiteren Schauen in punkto Aufmerksamkeit nicht leicht. Karl Lagerfeld allerdings bringt Hype für andere nicht aus dem Konzept. Zudem hat er sehr früh Slimanes Talent erkannt und ihn gefördert. Der Modezar zeigte sein Defilee für Chanel am Dienstag wie gewohnt im Kuppelsaal des Grand Palais. Mit Jennifer Lopez, die im kurzen Rüschendress und mit ihrer kleinen Tochter an der Hand hereinschritt, hatte er einen wirklichen Superstar im Publikum.

13 sich langsam drehende Windräder auf einem Laufsteg aus nachgebildeten Solarzellen bildeten die Kulisse. Deren blausilberne Gitterstruktur kehrte auf einigen Entwürfen wieder: als glitzerndes schulterfreies Kleid, als Bolerojacke aus Tweed oder als Hosenanzug mit kurzer Jacke. Viele der A-förmigen, teils schenkelkurzen Kleider wirkten wie vom Wind sanft aufgeblasen. Federn an Chiffonkleidern oder aufgestickte Motive in Form der Spielwindräder für Kinder sowie radförmige Taschen nahmen das luftige Motiv auf. Karl als Klimaaktivist? Wohl eher nicht. Politisch, hieß es, sollte diese Schau nicht sein. Möglicherweise hat Lagerfeld irgendwann kürzlich einfach ein Photovoltaik-Unternehmen besichtigt.

Quelle: dpa
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