Schönheits-Expertin kritisiert GNTM„Heidi Klum lebt in einer Porno-Kitsch-Welt“

von AMICA Online Redakteurin
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Ob glamourös auf dem roten Teppich, verführerisch als Engel bei Victorias Secret oder sexy im Bikini – Heidi Klum inszeniert sich immer perfekt. Nun ja, fast immer.Eigentlich haben Supermodel Heidi Klum und die Philosophin Rebekka Reinhard gar nicht so wenig gemeinsam. Beide beschäftigen sich von berufswegen mit dem Thema Schönheit. Heidi Klum sucht bei „Germany's next Topmodel“ nach den schönsten Mädchen Deutschlands. Und auch Rebekka Reinhard sucht nach Schönheit - allerdings aus philosophischer Sicht. Die Autorin hat sich in ihrem Werk bereits damit beschäftigt, ob Platon Prada tragen würde. Ihr aktuelles Buch „Schön!“ widmet sich, na klar, ebenfalls dem guten Aussehen. Nur, dass sie darunter etwa komplett anderes versteht als Heidi Klum. Mit AMICA Online sprach Reinhard über Klums Rolle als „Wächterin“ der Schönheit bei „Germany's next Topmodel“, den gesundheitlichen Zusammenbruch des Supermodels zu Beginn der aktuellen GNTM-Staffel und darüber, warum sich Heidi Klum auf Fotos immer wieder auszieht.

AMICA Online: Sie haben Heidi Klum in einem früheren Interview als „unattraktiv“ bezeichnet. Wieso? Sie sieht doch eigentlich ganz gut aus …
Rebekka Reinhard:
Sie steht für eine kalkulierte, perfekte Schönheit. Das hat absolut nichts mit Anmut zu tun. Bei ihr lässt nichts auf eine innere Schönheit schließen. Deshalb ist sie nicht attraktiv.

Wie geht es Ihnen dann, wenn Sie die aktuelle Staffel von „Germany’s next Topmodel“ einschalten?
Ich empfinde diese Frau als beinhart. Ich denke da besonders an die Szene im Krankenhaus, die sie mit Schüttelfrost zeigte. Trotzdem stellte sie laut klar, dass sie natürlich wieder arbeitet, sobald es irgendwie geht. Sie baut sich damit selbst die Rolle eines moralischen Vorbilds auf. Aber wie echt ist dieses Vorbild? Wer ist Heidi Klum überhaupt? Das weiß keiner.

© REUTERS
Viele haben Heidi Klum dann ja auch vorgeworfen, ihren Zusammenbruch für die Quote inszeniert zu haben …
Das kann ich mir vorstellen. Aber bei ihr kann man immer nur spekulieren: Was ist Sein? Was ist Schein? Schon die Tatsache, dass viele eine Inszenierung des Zusammenbruchs für möglich halten, zeigt, wie gering Heidi Klums Glaubwürdigkeit ist. Das wirkt einfach komisch. So als sollte um jeden Preis die Botschaft vermittelt werden: Die Model-Mama macht auch tapfer weiter, wenn sie schon fast am Abkratzen ist.

Heidi Klum ist also falsch?
Wir sehen eine Medienmarke und keine authentische Person. Sie suggeriert jungen Teenie-Mädchen: Gutes Aussehen führt zu einem guten Selbstwertgefühl und zu einem guten Leben. Das finde ich schon gefährlich.

Heidi Klum darf ja gewissermaßen entscheiden, wer und was schön ist. Wie hat sie das geschafft?
Ihre Autorität besteht natürlich darin, dass sie eine wahnsinnig erfolgreiche Geschäftsfrau ist. In dieser Branche rund um die Schönheit, die von Männern ja oft belächelt wird, hat sie es wirklich weit gebracht. Ganz neutral finde ich das schon bewundernswert. Und trotzdem glaube ich, dass sie ihre Rolle als Entscheiderin gar nicht mal besonders gut ausfüllt. Dem einen Mädchen gibt sie den Tipp arroganter zu sein, die andere soll jugendlicher wirken, die Dritte soll relaxt sein und die Vierte soll seltsame Sachen machen. Wirkliche Kriterien für das Schöne hat Heidi Klum also gar nicht. Sie gibt keine Orientierung, was Schönheit wirklich bedeutet.

© Peter Lindbergh
Autorin Rebekka Reinhard ist Doktorin der Philosophie
Trotzdem schalten Unmengen Menschen jede Woche bei „Germany’s next Topmodel“ ein. Was reizt uns daran?
Die überwiegende Zielgruppe sind junge Mädchen. Wir leben in einer Bildkultur und junge Mädchen, die in dieser Kultur aufgewachsen sind, haben schon mit der Muttermilch aufgesogen, dass der Schein und die Hülle alles sind. Die Sendung ist für sie eine Gebrauchsanweisung für die Selbstvermarktung. So geht’s! So geht das Leben! So geht der Erfolg!

Ist das etwas Gutes?
Als Philosophin finde ich das eher gefährlich. Junge Mädchen sind mitten in der Identitätsfindung. Was Heidi Klum ihnen zeigt, ist Folgendes: Du bist ein gutes Mädchen, wenn du Porno verkörperst, wenn du nichts an hast, wenn du ein Vamp bist. Wenn sie das allzu ernst nehmen, kann das fatale Auswirkungen auf ihr Selbstbild haben.

Auf den Plakaten zur Show zeigt sich Heidi Klum ja auch oben ohne. Und in der Model-Villa, in der die Kandidatinnen leben, hängen Nacktbilder von ihr. Warum diese Freizügigkeit?
Ich spekuliere jetzt mal: Heidi Klum ist ja gerade 40 geworden. Ich denke, das ist so ein letztes Aufbäumen. Sie weiß: Jetzt ist es dann bald zu spät, sich nackig zu machen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, wieso Nacktheit bei „Germany's next Topmodel“ so wichtig ist.

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„Heidi Klum lebt in einer Porno-Kitsch-Welt“