Gruselige GestaltenSo dürr wären von Designern gemalte Frauen in echt

von AMICA Online Autorin
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Eine Modelagentur sorgt mit verstörenden Bildern von ausgezehrten Magermodels für Entsetzen. Und genau das ist das Ziel: Die Kampagne „Du bist keine Skizze“ soll die Modebranche zur Vernunft bringen. Sichtbare Knochen sind bei Fashion Shows ein gewohnter Anblick. Doch immer wieder gibt es Initiativen, um den Size-Zero-Wahn der Modebranche zu beenden. Jüngster Vorstoß im Kampf gegen die Dürr-Diktatur: Star Models, eine Agentur aus Brasilien, erschreckt mit einer Anti-Magersucht-Kampagne. Die Macher zeichneten Fashion-Skizzen in Proportionen, in denen auch Designer üblicherweise zeichnen. Anschließend bearbeiteten sie Modelfotos mit Hilfe von Photoshop so lange, bis ihre Maße eins zu eins zu den gezeichneten Frauen passten.

Das Ergebnis ist ein schockierendes Abbild dessen, was manche Designer immer noch als schön erachten: ausgezehrte Kleiderständer, Haut und Knochen in engen Kleidern, Zahnstocher in High-Heels, Gestalten, wie aus einem Horrorfilm. Die Bilder vermitteln die Botschaft: „Sag Nein zu Magersucht! Du bist keine Skizze“. Sollte das der Standard sein, den die Modeindustrie vorgibt?

Zumindest bei gesunden Mädchen und Frauen dürften die Bilder Entsetzen hervorrufen. Allerdings fürchten Kritiker derartiger Kampagnen, dass sie bei Magersüchtigen genau das Gegenteil auslösen könnten. Unter einen Bericht des Internetportals „Buzzfeed“ schrieb etwa eine Userin: „Damit werden Mädchen, die bereits von einer Essstörung betroffen sind, dazu inspiriert, so dünn zu werden, wie auf den Bildern“. Ein anderer Leser findet, dass die Fotos Magermodels sogar eher glorifizieren.

 

© AFP
Das Model Isabelle Caro wog nur noch 25 Kilogramm
Die Schock-Kampagne, realisiert von der brasilianischen Werbeagentur „Revolution“, ist nicht die erste, die sich gegen das Credo „Dünn, dünner, am schönsten“ wendet. Im Jahr 2007 sorgten Plakate des italienischen Labels Nolita mit dem magersüchtigen Model Isabelle Caro für einen weltweiten Skandal. Sie posierte nackt, zeigte ihren extrem knochigen Körper, ihre gespenstisch wirkenden Gesichtszüge, ihren Kampf gegen die Magersucht – sie wollte andere Mädchen abschrecken. Drei Jahre später starb sie an Unterernährung, mit nur 28 Jahren.

Caro steht bis heute stellvertretend für viele Frauen und Männer mit Essstörungen und für das Infragestellen eines zweifelhaften Schönheitsideals. Trotzdem leiden noch immer vor allem Frauen an dem Zwang, immer dünner werden zu wollen.

Nach Schätzungen ist international etwa ein halbes bis ein Prozent der Bevölkerung von Magersucht betroffen. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher liegen. Zehn Prozent der Betroffenen sterben sogar an den Folgen der Krankheit.