Interview mit Leila Yavari von StylebopSo werden die Trends entdeckt!

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So werden die Trends entdeckt!
Interview mit Leila Yavari von Stylebop - So werden die Trends entdeckt!

Leila Yavari ist auf den Fashion Weeks in Paris, New York, London und Mailand eine beliebte und außerordentlich gut aussehende Modeberühmtheit, die sehr gerne von Bloggern und Paparazzi fotografiert wird.

Heute arbeitet die hübsche Brünette als Fashion- und Art-Director sowie als Trendscout für den Münchner High-Fashion Onlineshop Stylebop - Shop.

Leila wurde 1978 in Teheran geboren und siedelte aufgrund der angespannten politischen Verhältnisse im Alter von einem Jahr nach Los Angeles, Kalifornien, über.

Dort besuchte sie die Highschool, studierte Kulturtheorie und Wirtschaftspolitik.

Danach verdiente sie sich ihren Lebensunterhalt als Model und Schauspielerin bevor sie 2008 nach Paris umzog und im Showroom von Chloé als freie Stylistin arbeitete.

Dabei ergab sich ein Kontakt zu Stylebop.com und so wurde sie 2010 erstmals als freie Stylistin für eine Fotoproduktion von Stylebop gebucht.

Im Interview lässt Leila Yavari Einblicke hinter die Kulissen des High-Fashion-Onlineshops blicken.

AMICA Online: Sie sind als Fashion- und Art-Director für das Magazin des Shops tätig und als Trendscout für den Onlineshop. Was bedeutet das?
Leila Yavari: Mein Job ist es den Einkauf mit unserer visuellen Kommunikationsstrategie und unserem Online Magazin abzustimmen. Das beinhaltet das Besuchen der Fashion-Shows, das Aufspüren neuer Trends sowie die Betreuung unseres Online Magazins und der Fotoproduktionen.

Wie kann man sich Ihren Alltag vorstellen?
Ein typischer Arbeitstag von mir sieht folgendermaßen aus.

6 Uhr: Ich stehe auf und mache Yoga.

7 Uhr: Ich frühstücke ausgiebig und lese die „International Herald Tribune“.

8 Uhr: Ich komme im Büro an und beginne den Tag mit dem Beantworten von E-Mails.

9:30 Uhr: Besprechung mit dem Redaktionsteam, bei der wir die Themen der kommenden Ausgaben, Interviews mit Designern und Layouts besprechen.

11 Uhr: Treffen mit unserem Produktionsmanager um kommende Shootings zu besprechen und über Locations, Models, Haare, Make-up und Fotografen zu entscheiden.

12 Uhr: Skype Telefonkonferenz mit unseren Editorial-Teams in London und New York.

13 Uhr: Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen: Ich sammele meine Eindrücke aus Kunst, Musik, Architektur, Mode und Film an Moodboards.

14:30 Uhr: Ich verbringe den Nachmittag mit dem Styling-Team um Looks für die nächsten Editorials zu kreieren.

16:30 Uhr: E-Mails schreiben und die letzten Meetings des Tages abhalten.

19:30: Ich mache mich auf dem Weg zum Flughafen.

22:00 Uhr: Ich fliege nach New York, London, Mailand, oder Paris zu Fashion-Shows oder nach LA, Sidney, Kappstadt oder Miami auf der Suche nach neuen Trends.

„Trendscout“ das klingt recht impulsiv, aber Sie entscheiden über den wirtschaftlichen Erfolg einer ganzen Saison. Welche Eigenschaften bringen Sie für diesen ungewöhnlichen Job mit?
Natürlich ist ein gewisser „Instinkt“ eine der grundlegenden Eigenschaften, über die ein Trendscout verfügen sollte. Jedoch ist eine Recherche über Modegeschichte und die zeitgenössischen kulturellen Entwicklungen ebenso erforderlich, um ein Gefühl dafür zu bekommen, was kommende Saison wichtig sein wird. Um auf dem Laufenden zu bleiben besuche ich kulturelle Veranstaltungen, Modenschauen, Musik-Festivals, und Kunstausstellungen. Die Tatsache, dass ich auf vier verschiedenen Kontinenten gelebt habe, gibt mir die Möglichkeit zu verstehen wie die Modeströmungen in verschiedenen Kulturkreisen angenommen werden.

Kommt es in Ihrem Job auch auf Erfahrung an? Studieren kann man „Trendscout“ ja direkt nicht?
Egal wie viele Bücher ich lese und wie viele Events ich besuche – die Chance gehabt zu haben mit Profis wie Hannah MacGibbon oder Paolo Reservisi zu arbeiten, hat mich definitiv geprägt. Sie bei ihrem Handwerk zu beobachten, hat mir gezeigt wie wichtig es ist, eine eigene Sichtweise zu entwickeln.

Woher bekommen sie die Informationen über neue Labels und über neue Trends?
Durch Magazine oder auf Fachmessen informiere ich mich über die neusten Marken und Trends. Außerdem bin ich in Kontakt mit modebewussten Freunden aus der ganzen Welt und frage sie, was sie zur Zeit gerne tragen. Aber die beste Inspirationsquelle liefern mir Leute auf der Straße, die auffällig gekleidet sind – ich spreche sie einfach an und frage, woher sie das eine oder andere Teil haben!

Haben Sie schon mal eine Fehl-Prognose erstellt?
Man kann als Trendscout nicht immer alles richtig vorhersehen – man muss auch dazu bereit sein, Risiken einzugehen.

Die gehypten Labels im Netz sind ja nicht unbedingt die, die sich am besten verkaufen – das sind vermutlich lang anhaltende Basics, oder?
Aus Sicht des Einzelhändlers machen Trends etwa 50 Prozent des Gesamteinkaufs aus. Der Händler muss sowohl die modernen Teile der Saison als auch tragbare, modische Stücke für den Alltag liefern. Darüber hinaus müssen Online-Händler die verschiedenen kulturellen Faktoren einkalkulieren sowie globale Wetterbedingungen.

Was waren die Bestseller der vergangenen Herbst-Winter-Saison?
Die letzte Kollektion von Raf Simon für Jil Sander hat sich sehr gut verkauft. Außerdem waren die Schuhe und Handtaschen von Valentino sehr beliebt.

Was werden die wichtigen Trends für den Sommer 2013?
Extreme Kontraste: Manchmal geht es bei einem perfekten Styling einfach nur um Schwarz und Weiß. Die Schlüsselkomponenten der eleganten Einfachheit sind hierbei Schnitt und Form, wie bei dem Cream-Black-Colorblock-Kleid von Jil Sander.

Grafisch/Geometrisch: Schauen Sie über den Tellerrand hinaus und wagen Sie sich an neue geometrische Muster heran – von Rauten bis hin zu grafischem Gitterwerk – lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf! Kombinieren Sie auffällige Teile mit cleanen Stücken, zum Beispiel schmale Strickteile mit Bikerjacken, wie die schwarze Jacke von Fausto Puglisi.

Accessoires aus Plexiglas: Die neuen Accessoire-Träume sind aus Plexiglas! Diese flachen Sandalen von Givenchy vereinen Retro-Charme mit futuristischem Elementen zu einem der raffiniertesten Teile der Saison.

White Out: Der Trend geht dieses Jahr zurück zu klarem Weiß. Die besten Beispiele sind modern, clean und architektonisch, wie das Top von Hakaan.

Sheer Paneling: Transparenz war ein großes Thema auf den Laufstegen. Es bringt eine raffinierte Leichtigkeit zu den skulpturalen Formen dieser Saison.

Die modernsten und tragbarsten Stücke haben eine grafische Form, wie dieser Blazer von Prabal Gurung.

Neo-Minimalismus: Der Minimalismus, mit seinen feinen Formen und seiner stromlinienförmigen Eleganz, ist zurück. Diese Valentino-Clutch mit silbernen Details ist der Inbegriff des unauffälligen Luxus.

60er-Jahre Modernismus: Die Reinheit des Modernismus wurde für diesen Frühling mit klaren Formen und skulpturalen Volumen neu interpretiert. Die Designer haben sich von Design-Größen wie Mies van der Rohe und Eames bezüglich der Primärfarben und der geraden Linien, inspirieren lassen. Ein Beispiel dafür ist das Bauhaus inspirierte Kleid von Michael Kors.

Haben Sie eine Lieblingsmarke bzw. einen Lieblingsdesigner?
Ich bin momentan verrückt nach allem von Valentino.

Die Zeit der Fashion Weeks ist mit Sicherheit recht anstrengend. Sie reisen viel, sind in Paris, New York, Mailand, London und München. Wie erholen Sie sich davon?
Ein Tag im Aiyasha Spa in München ist mit seiner Zen-inspirierten Einrichtung und den aufmerksamen Mitarbeitern eine tolle Möglichkeit zu entspannen. Leider habe ich nicht die Zeit um auf die Malediven oder nach Bali zu fliegen um mich zu erholen, aber das wäre natürlich auch schön.

Quelle: amici