Methode 1Die Tauschparty

© Ziska Thalhammer
Auf ins Gedränge! Tauschparty in der Münchner Glockenbachwerkstatt
Wie funktioniert’s?
Diverse Locations deutschlandweit veranstalten in regelmäßigen Abständen Tauschpartys. Dabei ist das Prinzip immer dasselbe: Gegen mitgebrachte Kleidung erhält man „Tauschpunkte“ und sucht sich dafür neue Kleidungsstücke. Das einzige benötigte Geld ist meist ein sehr kleiner Eurobeitrag als Eintritt. Große Summen wie zur Jagd auf dem Flohmarkt können getrost zuhause gelassen werden. Auf der Website Klamottentausch.net sind die aktuellen Termine von Tauschpartys in verschiedenen deutschen Städten zu finden.

Erfahrungsbericht:
Ich besuche die Tauschparty in der Glockenbachwerkstatt in München. Je nach Art (Bluse, Rock, Accessoires…) und Hersteller (Nike-Schuhe bringen mehr Tauschpunkte als ein H&M-Top) erhält man Tauschpunkte. Drei Euro beträgt der Eintrittspreis. Ein Betrag, den ich gerne verschmerze.

Dann geht das große Tauschen los: Auf Kleiderstangen, Tischen und am Fenster werden die Einzelteile präsentiert. Achtung: Menschen mit Berührungsängsten und Platzangst sollten sich eine Tauschpartybesuch lieber zwei Mal überlegen. Die Situation gleicht der in einem überfüllten Hühnerstall: Als ich mich um Punkt zwölf Uhr brav in die Schlange einreihe, weiß ich kaum, wie es um mich geschieht. Die Türen zu den Räumen mit den Klamotten öffnen sich und das überwiegend weibliche Publikum stürmt herein, als wäre Popstar Robbie Williams zur Autogrammstunde anwesend. Auch in den Tauschräumen geht es kaum angenehmer zu: Gierig grapschen Hände um mich, schon nach knapp zehn Minuten hat sich das Schlachtfeld ziemlich gelichtet.

© Ziska Thalhammer
Je nach Kategorie kosten die Einzelteile eine bestimmte Anzahl an 'Tauschpunkten'. Bargeld? Fehl am Platz.
Dabei ist wirklich alles: Schuhe, Taschen, Schmuck und Kleidung in den verschiedensten Größen und Zuständen. Tatsächlich werde ich fündig und kralle mir schnell eine cremefarbene Oversized-Bluse mit Pünktchen-Muster und einen Rock mit Rosenprint. Das Schicksal meint es auch gut mit mir: Beides in der passenden Größe. Meine selbst mitgebrachten Teile sehe ich zu Beginn der Veranstaltung für wenige Minuten. Kaum einmal umgedreht sind sie dann auch schon verschwunden.

Ein positiver Aspekt: Gegen Ende habe ich noch Tauschpunkte übrig. Sie verfallen nicht und so freue ich mich auf die nächste Tauschparty, zu der ich - so entspannt es in dieser Sache möglich ist - ohne eigene Kleiderspende kommen kann. Guten Gewissens können die übrigen Kleider dort gelassen werden, denn diese werden nach Ende der Veranstaltung der Münchner Diakonie gespendet. Für mich hat es sich gelohnt: Ich habe viele Teile losbekommen, die ich im Laufe der Veranstaltung auf den Armen der freudestrahlenden Neubesitzerinnen gesichtet habe und selbst zwei Schmuckstücke ergattert. Geld machen kann man bei dieser Variante eindeutig nicht. Dafür guten Gewissens ungeliebte Kleidungsstücke loswerden, über die sich andere freuen und zu neuen Teilen ganz ohne Bargeld kommen.

Allerdings war es mir für den vom Frühstück prallgefüllten Magen und einen Samstagmorgen, der ja eigentlich eher der Erholung dienen sollte, doch etwas zu überfüllt und chaotisch. Wiederkommen werde ich trotzdem, aber das nächste Mal mit robusten Schuhen – die haben im Wühltisch-Getümmel so manchen Tritt abbekommen...