Nach der Konzernpleite 2009Megha Mittal bringt Escada auf Erfolgskurs

Text: Michael Becker
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Topmodel Linda Evangelista 1997

Mitte Juli 2012 gab Escada-Chef Bruno Sälzer Auskunft zum laufenden Geschäftsjahr. Stolz teilt er mit: „Die ersten fünf Monate waren gut, der Umsatz liegt innerhalb der Erwartungen, das Ergebnis ist sogar besser als gedacht.“ Der Absatz werde wohl um 20 Millionen auf 320 Millionen Euro steigen, erstmals seit der Pleite im Jahr 2009 seien Gewinne möglich, so der Escada-Boss.

Damit gibt der Modehersteller aus Aschheim bei München nach drei Jahren Durststrecke wieder ein Lebenszeichen von sich. Der Weg zu alter Größe ist aber noch weit: Anfang der 90er-Jahre hatten die Aschheimer doppelt so hohe Umsätze, wie sie jetzt für 2012 angepeilt sind.

Die Anfänge in den 70ern

1976 gründeten das Ex-Model Margaretha Ley und ihr Gatte Norbert in München den Vorläufer des Modeunternehmens Escada.

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Der Name stammt von einem irischen Rennpferd, auf das die Leys erfolgreich gewettet hatten. Im Jahr 1978 kommt die erste Kollektion „Escada – Sportliche Eleganz“ auf den Markt. Das Unternehmen hat hohe Ziele: Es ging um nichts weniger als die „Demokratisierung der Haute Couture“.

Dazu boten die Münchner exquisite Stoffe sowie „exzellente Passformen und Verarbeitung zu bezahlbaren Preisen“. Um den Geldbeutel der Kundinnen zu schonen, sollten die farblich aufeinander abgestimmten Produkte „über mehrere Saisons hinweg kombiniert werden“.

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Auf dem Singapurer Fashion Festival

Escada entwickelt sich stürmisch, 1986 geht der Konzern an die Börse, die Leys behalten das Gros der Anteile. Mit dem Investorengeld bauen sie das Unternehmen aus, 1990 startete die Parfum-Sparte. Escadas Design trifft den Nerv der Zeit: Glanz und Glamour lautet die Devise. Die zahlungskräftige Kundschaft schätzt Paillettenkleider, Samtjacken, Goldknöpfe, intensive Farben und aufwändige Strickdesigns. Umsätze und Gewinne erreichen immer neue Höhen. Die Produktpalette wächst: Den Anfang macht spektakuläre Abendmode, später folgen Lederaccessoires, Modeschmuck, Schuhe und Taschen.

Escada sonnt sich im Erfolg: Models wie „Claudia Schiffer, Linda Evangelista, Cindy Crawford, Naomi Campbell, Nadja Auermann“ präsentieren die Kollektionen auf dem Laufsteg. Im Geschäftsjahr 1991 setzt die Marke rund 1,4 Milliarden D-Mark um, also gut 710 Millionen Euro. Selbst in Hollywood hat das Label Erfolg: Kim Basinger empfängt ihren Oscar in einem Satinkleid der Münchner.

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Früher Tod der Chefin

Doch bereits 1992 wendet sich das Blatt: Chefdesignerin Margaretha Ley stirbt mit nur 56 Jahren. Einige Zeit kann sich Escada gegen den drohenden Abstieg stemmen: Der neue Kreativchef Brian Rennie sorgt ab 1994 für tragbarere Kollektionen und er führt die einfachere Linie Escada Sport ein, die ein jüngeres Publikum ansprechen soll. Vorher konnte Escada vor allem bei der gesetzteren Kundschaft punkten.

Bruno Sälzer kommt im Juni 2008 als neuer Vorstandschef, nachem sich die Tchibo-Erben Michael und Wolfgang Herz mit zehn Prozent an Escada beteiligen. Sälzer hat nach sechs Jahren als Hugo-Boss-Vorstandschef exzellente Branchenerfahrungen. Seine erste Aufgabe ist es, den Absatz anzukurbeln. Dazu senkt er die Verkaufspreise und streicht die Produktplatte zusammen.

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Escada Sport

Zu spät: Margaretha Leys Tod hat den Wachstumstrend gebrochen, hinzu kommt eine lahmende Wirtschaft Mitte der 90er-Jahre. Nach Jahren des Abwärtstrends zieht die Escada AG im Sommer 2009 die Reißleine und stellt Insolvenzantrag. Zuvor war der Versuch gescheitert, Käufer einer Unternehmensanleihe zu einem Forderungsverzicht in Höhe von 120 Millionen Euro zu bewegen.

Die Börse - Der Kurs der Escada-Aktie, im März 2001 zum Höchststand von 38 Euro gehandelt, notiert bei nur noch 80 Cent.

Modekonzern - Die Seite 2 von Escada

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