Bekleidungsriese VF CorporationDer Weltmeister aus der Provinz

Text: Michael Becker
© Bloomberg
Blick in den Nautica-Flagship-Store in New York

Nicht vielen Konsumenten ist der weltgrößte Klamottenkonzern VF Corporation (VF) bekannt. Dabei hat vermutlich jeder Produkte einer seiner Tochterfirmen im Schrank hängen. Unter dem Dach der VF-Holding tummeln sich drei Dutzend Bekleidungs- und Lifestyle-Unternehmen. Darunter Weltmarken wie Lee Jeans, Wrangler, The North Face, Fruit of the Loom und auch der Schuhspezialist Timberland.

Start als Handschuh-Hersteller in bescheidenem Rahmen

Nach Rekordwerten sah es bei der Firmengründung im Jahr 1899 ganz und gar nicht aus. Denn der Start des Handschuh-Herstellers unter dem Namen Reading Glove and Mitten Manufacturing Company nördlich von New York fand in einem größerem „Wohnzimmer“ statt – die paar Mitarbeiter werkelten in einer 30 Quadratmeter großen Fabrik, die für 60 Dollar im Monat angemietet war. Die Bekleidungsproduktion begann erst im Jahr 1919 mit Unterwäsche. Gut drei Jahrzehnte später ging das Unternehmen an die Börse. Aktuell ist es an der US-Technologiebörse Nasdaq notiert.

Heute gehört VF Corporation zu den „hidden champions“, den großen Unbekannten der Wirtschaftswelt. Traditionell im Jeansgeschäft zuhause, kam mit den Jahren Sportmode hinzu. Seit 2004 setzt das Management konsequent auf Lifestyleprodukte. Und konnte schnell punkten: Im Jahr 2007 übernahm VF die Marke 7 For All Mankind. Grund für die neue Ausrichtung: „Lifestyle-Marken werfen höhere Margen ab“, heißt es unverhohlen auf der VF-Website.

© Wrangler
Lana Del Rey in einer hoch geschnittenen Jeans von Wrangler

Im Jahr 2011 setzte der Konzern knapp 9,5 Milliarden Dollar um (gut sieben Milliarden Euro). Weltweit standen 58 000 Mitarbeiter bei dem Mode-Multi in Lohn und Brot.

Mangelndes Selbstvertrauen kann man dem VF-Management kaum nachsagen. Der Konzern-Slogan „We fit your life“ (ungefähr: „Wir statten dein Leben aus“) zeigt: Die Konzernherren aus Greensboro wissen, dass sie in der Topliga mitspielen. Und sie setzen sich ehrgeizige Ziele: Allein bis zum Jahr 2015 planen sie ein Umsatzplus von fünf Milliarden Dollar. Das entspricht einem Wachstum von gut 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2010.

Firmenkäufe am Fließband

Erst 1969 benannte sich die Reading Glove and Mitten Manufacturing Company in VF Corporation um und begann eine groß angelegte Einkaufstour. Im selben Jahr noch übernahm VF Lee Jeans. Wrangler und Jansport kamen 1986 zur Company. Damit stieß VF in neue Umsatzdimensionen vor und wurde mit einem Schlag der größte börsennotierte Bekleidungskonzern auf dem Globus.

© PR
Modell von Timberland

Im Jahr 2007 folgte die Übernahme des T-Shirt- und Unterwäsche-Herstellers Fruit of the Loom. Voräufiger Höhepunkt war der Kauf von Timberland im Sommer 2011. Für den Outdoor- und Schuhspezialisten blätterte VF zwei Milliarden Dollar hin.

Mittlerweile hält VF 35 Marken und gehört zu den 300 größten US-Konzernen. Im Modesegment kämpft VF mit den US-Multis The Gap sowie Levi Strauss & Co. um die Führung. Um die beiden Wettbewerber in Schach zu halten, setzt VF weiter auf eine Doppelstrategie: Neben organischem Wachstum sind auch in Zukunft Übernahmen eine Option.


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