Anleitung für den Berliner Lässig-LookParka statt Polohemd und nie zu perfekt

[kein Linktext vorhanden]Unkonventionell, lässig, kreativ – die Stadt, in der Modemutige sich voll entfalten können. Ganz egal, ob deutsche oder internationale Designer, Fotografen oder Models, sie alle lieben Berlin und die Menschen dort für ihren ungezwungenen Look. Dass während der Fashion Week die Kameras auch gerne Streetstyles einfangen, ist nur ein weiterer Beweis. Das Geheimnis dahinter ergründete Angelika Taschen zusammen mit Alexa von Heyden für ihr Buch „Der Berliner Stil“.

„Die neue Berlinerin pickt sich aus dem internationalen Modegeschehen die besten Stücke raus und kreiert damit den für die Stadt typischen Anti-Chic“, so beschreibt Angelika Taschen die Frauen der deutschen Metropole. Die Verlegerin ist, wie so viele andere, keine waschechte Berlinerin, sondern hat ihre Liebe zur kreativen, pulsierenden Stadt an der Spree erst in den vergangenen Jahren entdeckt. Zuvor lebte Taschen während des Studiums in Heidelberg, später beispielsweise in Los Angeles.

Die ganz einfache Erklärung, warum Modeschöpfer und Künstler Berlin so lieben, liefert Angelika Taschen auf jeder Seite ihres neuen Buches. Oder kurz zusammengefasst: „Hier kann sich jeder immer wieder neu erfinden.“ Für alle, die noch ein paar Inspirationen für den Kleiderschrank brauchen, hat sie zusammen mit der Mode-Journalistin und Bloggerin einen modischen Leitfaden parat. Die Berlinerin charakterisiert sie mit Schlagworten: Sie liebt das Unfertige und Blogs, mag keine großen Logos, ist natürlich schön, unterstützt kleine Boutiquen und lokale Designer. Um das gewisse Etwas für ihren Look zu finden, stöbert die Berlinerin für ihr Leben gern auf Flohmärkten und in Vintage-Läden. Selbstverständlich verraten die beiden Fashionistas in mehreren Kapiteln, wo hierfür die besten Adressen zu finden sind.

Weg mit Möchte-Gern-Sexy-Kleidern

© Sandra Semburg/Knesebeck Verlag
Unterhaltsam zählen die Autorinnen auf den übrigen Seiten auf, was frau für den lässigen Look zu tun und zu lassen hat. Unbedingt aus Ihrem Repertoire verbannen sollten Sie unter anderem Möchte-Gern-Sexy-Kleider, witzige Schuhe, nassgefilzte Hüte oder Totenköpfe. Viel entscheidender ist es für die Berlinerin authentisch zu sein, Sonnenschutz zu verwenden, gut zu essen und zu schlafen. Auch der Tipp „Denken Sie sich sexy“ hat etwas für sich. Zitiert wird Françoise Sagan, die sagte: „Ein Kleid hat keinen Sinn, solange es Männer nicht dazu animiert, es Ihnen vom Leib zu reißen.“ Dazu schadet literarischer Input nicht. Denn eine geistreiche Frau wirke jung und sei niemals langweilig, findet Angelika Taschen.

Welche Teile gehören also unbedingt in den Kleiderschrank? Parka, Jeans, Blazer, Strickpullover, Lederjacke, weiße Bluse und Sneaker. Klingt erst einmal nicht spektakulär. Das Stil-Geheimnis verbirgt sich in den Details. Deswegen servieren die Autorinnen zu allen Basics die richtigen Kombi-Partner, No-gos und Upgrade-Ideen. So ist der Parka „das vielleicht wichtigste Basic-Teil“ und muss unbedingt von müdem Olivgrün sein. Die Röhrenjeans geht eigentlich immer, also am besten in Dunkelblau, Mittelblau und Schwarz besorgen. Damit die weiße Bluse nicht madamig daher kommt, berlinert die Trägerin im Oversize-Schnitt. Die besten Beispiele zeigen Berlinerinnen wie die Designerin Livia Ximénez-Carillo von Mongrels in Common oder Johanna Kühl und Alexandra Fischer-Roehler von Kaviar Gauche direkt daneben.

Für den typischen Berliner Stil ist Eines am wichtigsten. Vermeiden Sie alles, was dieser Devise widerspricht: „Seien Sie nonchalant“, erklärt Taschen. „Dazu gehört entspannt bleiben und nicht zu viel an sich rumfummeln und allzu perfekt sein wollen.“ Im Übrigen ist damit jede Frau gut beraten, die den unkonventionellen Twist für ihren Stil sucht – jenseits von sportlich und spießig.

 

Die wichtigsten No-gos in der Übersicht:

© Sandra Semburg/ Knesebeck Verlag
'Der Berliner Stil' von Angelika Taschen mit Alexa von Heyden, Knesebeck Verlag
Funktionsbekleidung: „bunte Allwetterjacken, Trekking-Sandalen mit Klettverschluss und Hosen, die man dank eines Reißverschlusses in Shorts verwandeln kann“

Panty Line: „Es gibt nahtlose Unterhosen aus Mikrofaser, die sich nicht abzeichnen.“

Push-up-BH: „Brauchen Sie nicht, Berlin ist keine Busenstadt.“

Zu viel Bling-Bling: „Wenn Sie beim Gehen klimpern, haben Sie überdekoriert.“

Omas Ansteckbrosche: „wirkt trutschig“

Perlenschmuck: „In Berlin sind ‚Perlhühner‘ gar nicht angesagt.“

Piercing: „Bis auf die Ohrlöcher sollte, man wie ich finde, an keiner Stelle des Körpers Metall in der Haut stecken haben.“

Zu nackig: „Wer sich in Berlin […] im Tiergarten nackt sonnt, kann vom Ordnungsamt ein Knöllchen kassieren.“

Gürtel mit Designer-Logo: „Niemand wird Sie wegen eines goldenen ‚H‘ unter Ihrem Bauch besonders interessant finden.“

Fakes: „Wer auf solche Begleiter setzt, stellt öffentlich zur Schau, dass er weder Ahnung von Mode noch von Qualität hat.“

Paschmina-Stola mit Fransen: „billiger Abklatsch“

Cowboy-Boots: damit „gilt man ganz schnell als Fatzke“

Bunte Strumpfhosen: „verhunzen jedes Outfit“.

Parkas und Jacken: „mit ‚Hauptstadt-Adel‘-Schriftzug auf dem Rücken“

Polohemden: „die mit hochgestelltem Kragen“



keko