Der Catwalk wird zum DogwalkMode für Hunde: Wenn Gassigehen zur Modenschau wird

Wenn das Fell nicht mehr ausreichend gegen Kälte schützt, greifen viele Hundehalter inzwischen zum Mäntelchen für ihre Tiere. Die sehen putzig aus und sind praktisch - aber nicht immer empfehlenswert.Die Laufstegschönheiten tragen mal schicke Outdoor-Jäckchen, mal trendige Strickpullover - und sie haben vier Pfoten. Früher war sie eher eine Ausnahme, heute ist Winterbekleidung für Hunde in Deutschland längst angekommen. Und zwar nicht nur bei den kleinen Schoßhündchen, deren Bäuche dem gefrorenen Erdreich so bedenklich nahe kommen. Auch Besitzer von hüfthohen Wachhunden greifen Experten zufolge immer häufiger zum Wintermantel. Der Catwalk wird zum „Dogwalk“.

„Sie mag das. Sie wackelt dann immer so mit ihrem Hinterteil“, sagt Adrianne Straub über ihre Hündin Donna. Die Kurzhaardackel-Dame steckt in einem schwarz-rot-grauen Strickoberteil, Hosenträger inklusive. Ein angedeuteter Rock akzentuiert den Hüftschwung. Straub hat die Kreation selbst gestrickt. Ebenso jene für ihre zwei weiteren Dackel, mit denen sie an der Hamburger Alster unterwegs ist. „Wir haben auch gekaufte Mäntel, aber dafür ist es noch nicht kalt genug“, sagt Straub. Die Tiere seien so nah am Boden, da sei ein Kälteschutz schon sinnvoll.

Wer sich in Fachgeschäften umhört, erfährt, dass viele Hundebesitzer ähnlich denken. Sandra Neuwerck hat deshalb gerade neue Pullover bestellt. „Sobald es kälter wird, kommen viele Kunden“, sagt die Filialleiterin von „V.I.Pets“ im noblen Hamburger Stadtteil Rotherbaum. Wer möchte, kann hier für eine Kombi aus wärmender Weste und Regencape schon mal mehr als 300 Euro auf den Tisch legen. „Der Markt hat mittlerweile eine große Bandbreite“, erklärt Neuwerck.

Stadt-Hunde sind Kälte nicht mehr gewohnt

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Hund Pepsi trägt Mäntelchen
Noch etwas neuer sei, dass auch größere Hunde mit Winterkleidung ausstaffiert würden. „Mode spielt dabei gar nicht so eine große Rolle. Es soll vor Nässe und Kälte schützen.“ Ihr eigener Hund Jamali, ein prächtiger Rhodesian Ridgeback, habe daher von Anfang an einen funktionalen Mantel bekommen. Bei Rassen ohne wärmende Unterwolle im Fell sei das sinnvoll.

Auch Tina Rudolf vom Stuttgarter Laden „Stilhund“ bestätigt: „Das mit den größeren Hunden hat so in den vergangenen drei Jahren angefangen.“ Ähnliches berichtet Ulrike Schubert von der Hundeboutique „Dogs an der Kö“ in Leipzig. Wohl auch ein Grund: Viele Hundebesitzer lassen ihre Lieblinge mittlerweile während der Arbeit professionell betreuen. Und in vielen Hundetagesstätten seien Mäntel Pflicht, egal ob kleiner Vierbeiner oder mächtiger Jagdhund.

Udo Kopernik, Sprecher des Verbandes für das Deutsche Hundewesen in Dortmund, erklärt: „Wir haben es da mit einem gesellschaftlichen Wandel zu tun.“ Hundekleidung habe es aber im Grunde schon immer gegeben - Stichwort Dackeldecke. „Es liegt eher daran, dass die Hunde die Städte erobert haben“, sagt Kopernik. Mehr Zeit in beheizten Wohnungen bedeute weniger Anpassung an den kalten Winter. Und Rassen ohne Unterwolle seien eben auch „weniger isoliert“. In bestimmten Fällen hält er die Mäntel für angebracht.

Mode für große Hunde: „XXL plus reicht für ein kleines Pony“

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Schaufensterpuppe mit vier Pfoten
Tierschützer betrachten den Trend zum Hundemantel zurückhaltend. „Der Mantel sollte eher die Ausnahme als die Regel sein“, sagt Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund. Solche Sonderfälle seien Hunde mit kurzem Fell, Krankheiten oder hohem Alter. Dass hinter der Mode für den Vierbeiner auch eine starke Industrie steckt, sei klar - immerhin gebe es mehr als fünf Millionen Hunde in Deutschland. „Bei gesunden Hunden reicht das Fell in der Regel aber aus“, sagt Tünte.

Teil dieser Industrie ist Geraldine Schmidt, Geschäftsführerin von „Bigdog24“ im bayerischen Walchensee. Mit der Firma vertreibt sie die Marke „Stock+Stein Wear“. Und verspricht: Die genutzte Wärmewattierung sei schon bei arktischen Expeditionen zum Einsatz gekommen. Ihr teuerstes Modell schlägt mit 299 Euro zu Buche. In Sachen Qualität muss sich Hund bei Outdoor-Jäckchen nicht mehr hinter seinem Herrchen verstecken. Womöglich hat er es sogar schon überholt - auch was die Auswahl angeht. „Wir bieten 14 verschiedene Größen an“, sagt Schmidt. „Die größte Größe ist „XXL plus“. Das reicht für ein kleines Pony.“



kma
Quelle: dpa