FamilienclansFluch & Segen

Gunter Sachs ist jetzt verwundert. Fast ein wenig ärgerlich. So eine blöde Frage: Ob er sich je schlecht dabei gefühlt habe, nicht wie die Vorfahren fleißig bei Opel und im Kugellagerwerk geschuftet, sondern das süße Leben des Jetsets ausgekostet zu haben?

Sachs steht in seinem Atelier in der Nähe von München, inmitten der berühmten Warhols und Bardot-Porträts. Setzt ein teilnahmsloses Gesicht auf, das eigentlich Pfff! sagen will, aber doch Empörung verrät: Was für ein Klischee! Unrecherchierte Unterstellung! Hat doch gerade er, der große Sachs, die ganze Welt beeindruckt. Erst im Schweiße seines Angesichts in der Firma gearbeitet und dann auch noch als Mathematiker, Fotograf, Astrologe, Kunstsammler und, na ja, auch als Superplayboy reüssiert. Ein Vermögen multipliziert, St. Moritz mehr oder weniger erfunden, 1000 Rosen auf die Bardot regnen lassen. Was denn noch? Nein, Gunter Sachs ist nicht bloß aus dem Schatten seiner Vorväter herausgetreten. Er hat mit seiner persönlichen Größe den Seinen – um im Bild zu bleiben – eine regelrechte Sonnenfinsternis hinterlassen.

Klare Diagnose: typischer Dynastien-Spross. Es ist nicht einfach, Abkömmling eines Hauses zu sein, das gleich eine ganze Armee an Machern und Vorbildern hervorgebracht hat. Als vor wenigen Wochen Friedrich Karl Flick starb und dadurch auch von seinen ausgezahlten Neffen Mick und Muck die Rede war, wurde wieder einmal klar: Wer in einer Familie aufwächst, in der Ölgemälde das Familienfotoalbum ersetzen, hat zwangsläufig eine schwierige Selbstfindungsphase zu überstehen.