It-BagsVerliebt in Taschen

Text: Julia Adler, Julia Werner

Handschmeichler

Flache Schuhe für den Notfall, Telefonnummern und Tictac, ein paar Muscheln vom letzten Urlaub, unbezahlte Strafzettel, Lippenstift und Ersatzlippenstift … Eine Tasche birgt alle Geheimnisse einer Frau – und doch kann sie nichts für sich behalten. So pragmatisch ihre eigentliche Funktion (Dinge befördern), so mystisch ihre (Signal-)Wirkung. Frauen erkennen einander an ihren Taschen, denn sie sind ein Statement – über Sehnsüchte, Stimmung und Status der Trägerin: „Wer will ich heute sein?“ Und kein anderes Accessoire, kein Gürtel, kein Tuch, noch nicht mal ein Paar Manolos verleihen schneller und unkomplizierter Glamour als die richtige Tasche. Eine Louis Vuitton macht selbst ein ramponiertes T-Shirt gesellschaftsfähig. Eine Yves Saint Laurent kennt keine Problemzonen. Und eine Vintage-Gucci von 1978 fühlt sich fast noch sexier an als der Liebhaber selben Jahrgangs.

Voller Bedacht also und niemals zufällig wählen wir morgens aus und packen jeden Tag aufs Neue die 237 für das Leben unerlässlichen Sachen von einer Lieblingstasche in die andere. Vieles verschwindet in Untiefen, manches – nicht alles – taucht wieder auf. Verständlich, aber nicht wichtig: Männern ist der Griff in eine Frauentasche so unheimlich wie der in einen Käfig exotischer Insekten.

Frauen sind süchtig nach Handtaschen – und die Luxuskonzerne ihre Dealer. Manche behaupten sogar, dass die Prêt-à-porter nur noch Beiwerk ist, um Accessoires zu präsentieren; die z.B. bei Gucci 87 Prozent des Umsatzes ausmachen. Alle sechs Monate beginnt der Wettstreit der Labels um die begehrteste It-Bag aufs Neue. Und wir sprechen auch nicht mehr über „meine Chloé-Tasche“.

Jetzt sagen wir: „Heute nehme ich meine ,Roxanne‘ mit.“ Julia, Ramona, Venezia – Taschen werden von Designern getauft und von der Besitzerin beim Namen genannt. Nur ein weiteres Detail, das die tiefe Liebesbeziehung zwischen Trägerin und Tasche unterstreicht. Nein, Taschen trägt man nicht, man setzt sie – und damit sich – in Szene. Dazu sollte man natürlich alle Stylingfallen elegant umgehen. Deshalb die wichtigsten Fragen zur artgerechten Haltung von It-Bags: