Ausstellung Hard Rock CoutureWenn Madonnas Bustier auf Reisen geht

von AMICA Online Autorin
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© Hard Rock
Das berühmte Bustier von Madonna. Seit einem Konzert 1990 ist es aus der Reihe der extravagantesten Outfits aller Zeiten nicht mehr wegzudenken.

Michael Jackson lebt wieder auf, Madonna scheint einem ganz nah zu sein. Während man das goldene Bustier betrachtet, sieht man die Pop-Queen mit knallrotem Lippenstift und Marylin-Frisur förmlich vor sich performen, auf einem ihrer Konzerte des Jahres 1990. Wie neu funkelt der goldene Stoff hinter der Glasvitrine. An der Lederjacke des King of Pop hingegen sind schon leichte Gebrauchsspuren zu erkennen, die vielleicht vom Videodreh zu seinem Hit „Beat it“ stammen, der das Einzelstück unvergesslich machte. Gibt man sich den Unikaten ein paar Momente lang hin, spürt man förmlich das Scheinwerferlicht, fühlt sich gänzlich in die Welt der Popstars versetzt.

Im Münchner Hard Rock Café liegt Glamour in der Luft: Die Ausstellung „Hard Rock Couture – Music inspired Fashion“ macht nach Berlin in der bayerischen Metropole Statio und zeigt die berühmtesten Bühnenoutfits der Musikbranche. Madonnas berühmtes Bustier, das Schuljungen-Outfit von AC/DC-Star Angus Young oder den Ganzkörperanzug von Queen-Star Freddie Mercury: Der Großteil der Ausstellungsstücke hat viele Jahre, wohl aber nur einen einzigen Auftritt hinter sich. Die 20 Outfits der Ausstellung stellen allerdings nicht mal einen Bruchteil der zur Verfügung stehenden Kleidungsstücke dar.

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Ausstellungskurator und Hard-Rock-Historiker Jeff Noland wählte aus 77 000 Outfits die Top 20 aus.

Wie Ausstellungskurator Jeff Noland AMICA Online im Interview verrät, wählte er aus 77 000 Stücken die größten Hingucker aus: „Am wichtigsten war mir, dass vom ‚Classic Rock‘ bis zu modernen Looks alles dabei ist und die Stücke von historischer Bedeutung sind.“ Der Hard-Rock-Historiker ist absolut zufrieden mit seiner Auswahl, wüsste aber auf Anhieb noch andere Outfits, die er gern sein Eigen nennen würde.

„Ich würde so gern das berühmte Fleisch-Kostüm von Lady Gaga (momentan in der Rock and Roll Hall of Fame ausgestellt) mit ins Programm nehmen, es sieht einfach spektakulär aus! Und Katy Perry, sie trägt immer so wunderbare Cake-Kostüme, in denen sie einfach zauberhaft aussieht. Nur, die wären für eine Vitrine wahrscheinlich zu groß“, schwärmt Noland von den Looks der beiden Pop-Prinzessinnen und erzählt uns weiter, wie er die einzelnen Outfits ergatterte: „Die meisten Stücke kamen unter einem sozialen Aspekt als eine Art Spende in unser Repertoire. Das Madonna-Bustier wurde beispielsweise bei einer Auktion versteigert und dann für die Ausstellung zur Verfügung gestellt.“ Shakira revanchierte sich mit einem ihrer Bühnenoutfits für die Unterstützung seitens Hard Rock, hatte dieses intensiv auf ihre Hilfsorganisation „Pies Descalzos“ (zu Deutsch: „Barfuß“) aufmerksam gemacht, die in Kolumbien Schulen errichtet. Andere Stücke fragte Noland initiativ an. Von der Idee der Ausstellung begeistert, sagten die Stars nicht „nein“.

Musik macht Mode
Hard Rock Couture - Music Inspired Fashion

So oder auf vielen weiteren Wegen entstand nach und nach eine Ansammlung wahrer Modeschätze. Ein geballter Haufen Extravaganz sozusagen, hinter dem allerdings auch „Für“ und „Wider“ stecken: Für (Musik-)Stars ist es inzwischen ungeschriebenes Bühnen-Gesetz, von Auftritt zu Auftritt nicht nur Performance, sondern auch Look zu verändern, bisherige Outfits zu übertrumpfen und in Sachen Mode die Nase immer ganz vorn zu haben. Muss eine Lady Gaga aber jeden Auftritt den Fashion-Vogel abschießen, mit Fleischkostüm oder vermummt als Entführungsopfer schockieren?

Definitiv nicht, sagt Münchner Ausstellungsleiterin Heidi Dentzer. „Das Auge isst zwar mit und jeder Künstler inszeniert sich geschickt selbst, denn das gehört zur Bühnenshow. Doch Selbstinszenierung muss zur Person passen, darf weder aufgesetzt sein, noch nur um der Provokation Willen passieren.“ Letzteres Gefühl vermittelt vor allem Pop-Queen Madonna, die sich lieber knochig und sehnig trainiert, um in knappen Outfits einigermaßen ansehnlich zu wirken, als „durchsichtig und kurz“ auf der Kleiderstange einfach mal der jüngeren Generation zu überlassen. Elton John bezeichnete sie dafür als „Rummelplatz-Stripperin“. Und obwohl die 54-Jährige wegen ihres Jugendwahns und für ihr Alter unpassendem Kleidungsstil immer wieder von Promi-Nachrichtenportalen (unter anderem „Promipool.de“ oder „Promiflash.de“) an den Pranger gestellt wird, würden auch aktuelle Outfits der Sängerin ihren Platz in der Ausstellung finden. „Ich finde, sie kann diese Outfits ohne weiteres noch tragen und bewundere ihre Art, sich modisch immer wieder neu zu entdecken“, begründet Dentzer ihre Sympathie für die Pop-Diva und deren modische Metamorphosen. Es sei ja nicht so, wie bei Elvis, der für die Outfits seiner letzten Auftritte eindeutig zu dick war, fügt die Münchnerin noch lachend hinzu.

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Katy Perry im Glitzerfieber. Die Sängerin trug dieses Outfit zu einem ihrer Konzerte.

Wie authentisch ihre Kostüme die eigene Persönlichkeit widerspiegeln, betonen während der Ausstellung bereitwillig zwei andere Damen: Eden und Lilly of the Valley, zwei Mitglieder der ehemaligen Musikgruppe „Sinderellas“ kamen zur Eröffnung der Hard-Rock-Couture-Ausstellung. Zusammen mit drei weiteren Mitgliedern der Gruppe erobern die „Sinderellas“ inzwischen als Burlesque-Tänzerinnen Hamburg, ein Métier, in dem gerade das Bühnenkostüm eine entscheidende Rolle spielt. Im Interview erzählen sie AMICA Online von ihrer persönlichen Auffassung der Thematik „Musik macht Mode“.

Die Kleider der Gruppe sind Eigenkreationen, Inspirationsquelle sind oft die ganz Großen unter den Musikerinnen. „Wir lassen uns modisch stark von erfolgreichen Musikern inspirieren. Erst kürzlich habe ich ein Kleid entworfen, zu dem mich Lady Gagas verrückter Stil inspiriert hat. Ich liebe ihren Geschmack“, sagt Lilly of the Valley AMICA Online. Spricht man die beiden aber auf Kollegin Dita von Teese an, scheinen sie nicht begeistert zu sein, betonen sie doch immer wieder, dass die Burlesque-Ikone zwar Türen geöffnet habe, aber keineswegs (modisches) Vorbild der Gruppe sei. „Sie kleidet sich sehr klassisch. Wir kleiden uns eher so, wie man Burlesque in der Vogue darstellen könnte“, so Eden.

Ob Burlesque-Tänzerin oder Popstar, lebendig oder Legende, junger oder alter Hase im Showgeschäft: Fest steht, dass die Outfits der Stars weltweit Trends setzen. Die Symbiose zwischen Musik und Mode stellt die Ausstellung im Hard Rock Café München dar, bevor es weiter auf Tour geht. Und auch wenn das fleischige Lady-Gaga-Kostüm erst einmal nicht zur Verfügung steht, lässt sich ja vielleicht Katy Perry bei einem Cup Cake zu einer Outfitspende überreden.

Ausstellung:

Hard Rock Couture – Music inspired Fashion
Hard Rock Café München
Platzl 1
80331 München
Website: Hard Rock Café - Hard Rock Café


Öffnungszeiten:
Bis 24. März 2013
Montag bis Sonntag: 10 bis 24 Uhr