Interview mit Orfafa-Gründerin„Öko-Mode braucht schärfere Kontrollen“

von Amici Ich bin Jahrgang 76, Mama von zwei kleinen Mädels und liebe Mode!
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© ptivat
Martina Jordan mit ihrer eineinhalbjährigen Tochter Ana
Sie lebt in Rio de Janeiro, hat zwei Kinder und ihr eigenes Business: Martina Jordan gründete zusammen mit Aline Wendscheck Orfafa, einen Onlineshop für Organic Fair Fashion.

Die Berliner Seite Orfafa bietet neben dem Onlineshop eine Mode-Community für alle, die schöne Kleidung lieben – und für die Schönheit untrennbar mit Fairness und ökologischem Bewusstsein verbunden ist. Im Angebot befinden sich derzeit circa 7000 Teile von 100 engagierten Labels, die Bekleidung für Männer, Frauen und Kinder fair produzieren. Im Interview mit AMICA Online spricht sie über ihre Beweggründe für Orfafa, die Philosophie von Biomode und ihre Ziele für den eben gestarteten Shop.

AMICA Online: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, mit Orfafa eine Online-Plattform für Organic Fair Fashion, zu gründen?
Martina Jordan:
Ich habe mich schon lange über die Missstände in der Modebranche geärgert. Vor etwa einem Jahr stand ich vor der Situation wie es beruflich weitergehen sollte und ich begann eine Recherche zum Thema Fair Fashion. Vielmehr erkannte ich,  dass es bislang noch keine Online-Plattform inklusive Onlineshop gab, diese tollen Labels und die Leute, die prinzipiell gerne faire, giftfreie, umweltfreundliche Mode tragen möchten zusammenzubringen. So entstand die Idee eine Plattform zu schaffen, die das zerstreute Angebot an fairer Biomode auf einer Seite bündelt und auf der sich die Interessenten austauschen können.

Bei Orfafa gibt es neben Damen- und Männermode auch Green Fashion für Kinder. Wie wird das von den Kundinnen angenommen?
Das Feedback der Mütter ist sehr gut. Wer sich einmal mit dem Thema Schadstoffen in Kleidung auseinandergesetzt hat, der möchte seinen Kindern erst Recht keine so giftige Sachen mehr anziehen. Und meist haben die Mütter einen Mann oder Freund, der dann auch gerne eine Biojeans und ein paar Shirts hätte.

Welches ist Ihr Lieblingslabel?
Nur eines auszuwählen fällt mir schwer. Ich mag People Tree sehr gerne. Mir gefallen vor allem die etwas retro-inspirierten Teile. Das Label produziert ausschließlich mit Kunsthandwerkern nach Fair Trade Prinzipien. Dieses Jahr habe ich außerdem Monkee Genes für mich entdeckt. Die britische Marke stellt absolut coole Bio-Jeans her – in allen knallbunten Farben, die man sich nur wünscht. Bei den Kinderlabels mag ich das dänische Label Green Cotton sehr gerne.

© Screenshot Orfafa
Im Angebot des Onlineshops Orfafa befinden sich derzeit circa 7000 Teile von 100 engagierten Labels.
Ihnen ist soziale und ökologische Verantwortung sehr wichtig. Wie schaffen Sie es, diese in Ihrem unternehmerischen Handeln umzusetzen?
Bei der Auswahl der Modellabels achten wir genau darauf, dass sie nicht nur behaupten fair und umweltfreundlich zu produzieren, sondern schauen genau hin. Wir haben eine Kriterienliste erarbeitet, die für User auf unserer Seite veröffentlicht ist. Hauptsächlich orientieren wir uns an Siegeln wie zum Beispiel dem Global Organic Textile Standard (GOTS) oder sehen nach ob eine Modellabel Mitglied einer glaubwürdigen Sozialstandardinitiative wie der Fair Wear Foundation ist. Auch bei der Auswahl anderer Geschäftspartner achten wir darauf, dass diese umweltfreundlich und fair agieren. Wir haben zum Beispiel ein „grünes“ Webhosting-Unternehmen gewählt, bei dem unser Server mit Ökostrom läuft.

Wie sieht Ihre Zukunftsvision für sozial und ökologisch verantwortungsvolles Wirtschaften aus? Was müsste sich dafür noch dringend ändern?
Sehr viel. Ich denke, der Wandel muss von beiden Seiten kommen: Einerseits ist es wichtig, dass jeder versucht sein eigenes Verhalten und auch den eigenen Konsum möglichst verantwortungsbewusst zu gestalten. Auf der anderen Seite muss es Unternehmen erschwert werden, ausbeuterisch und umweltzerstörend zu produzieren. Das heißt ganz konkret, dass in vielen Fällen Gesetze verändert werden oder Kontrollen und Strafen verschärft werden müssen. Das heißt hier ist die Politik gefragt. In vielen Fällen ist die nationale Politik machtlos und die Staaten müssten untereinander Übereinkünfte treffen, um die Wirtschaft besser zu regulieren und Menschen und Umwelt freundlicher zu gestalten.

Was ist Ihr nächstes großes Ziel für Orfafa?
Wir sind ja gerade erst am Anfang. Im Moment arbeiten wir hart daran, unsere Plattform erst einmal bekannt zu machen. Wir freuen uns sehr über jede Rückmeldung und versuchen die Plattform, so weiterzuentwickeln, dass sie für Leute, für die Mode schön und gut sein sollte, zu einem Ort des Austauschs wird. Wir möchten gemeinsam mit unseren Usern zeigen, dass bio- und faire Mode toll aussieht und für jeden Stil etwas dabei ist.