Hollywood-LikeVon Sharon bis Tina

Die prominenten Gäste
60. Filmfestival Cannes - Lagerfeld und Kruger

Aber: Schon ein paar Minuten später wird sich niemand mehr für Steven Tyler interessieren. Ein Platz in der ersten Reihe ist noch frei. Roberto Cavalli steht zigarrerauchend abseits vom Getümmel und gibt launige Interviews. Bis seine Frau Eva ihn mit den Worten: „Sie kommt!“ am Arm in den Backstagebereich zieht.

„Sie“ ist Sharon Stone in einem mit Pythonmuster bedruckten Trenchcoat. Eine ekstatische Unruhe macht sich unter den Backstage-akkreditierten Fotografen breit, und man hört nichts anderes mehr als „Sharon“-Rufe. Sharon lacht und gibt sich leicht hysterisch. Zu alledem hat sie einen Schlafzimmerblick. Da hatte man sich doch mehr anmutiges Diventum, mehr Hollywood-Grazie erwartet.

Alle werden jetzt gebeten, den Backstagebereich zu verlassen. Zeit also, seinen Platz für die Show einzunehmen. Ungefähr 20 Bodyguards stellen sich im Spalier am Bühnenausgang auf. Und dann, als alle sitzen, betritt Sharon die Bühne. Sie schreitet zu ihrem Platz wie zu ihrer Krönung, hat jetzt eine riesige Sonnenbrille auf und winkt elegant mit der linken Hand, halb wie Mariah Carey (mit gespreizten Fingern), halb wie die Queen (mit absoluter Kontrolle über ihren Oberarm).

Sehr hollywood-like. Sie musste sich erst noch schnell die Divenmaske aufsetzen. Die Show beginnt, die Cavalli-Kollektion ist eine lässige Mischung aus „Denver Clan“-Chic und John-Wayne-Attitüde. Danach geht es für Sharon Stone zum obligatorischen Designer-Gratulationsfoto. Auf dem Weg dorthin haucht sie jemandem ein aussagekräftiges „It was marvellous“ zu.

Die Bodyguards haben mittlerweile schon Schweißperlen auf der Stirn, genauso wie die Fotografen. Steven Tyler trottet lässig hinterher. „Schöne Sachen – aber ich würde sie nicht anziehen“, scherzt er, glücklich darüber, sich auch mal zu Wort melden zu können. Kurz darauf steigen beide in ihre Limousine – 30 Sekunden später sind sie verschwunden. Und mit ihnen das Chaos.

© Reuters

So funktionieren mehr oder weniger alle Mailänder Shows. Und niemand hat das Star-System mehr verinnerlicht als Giorgio Armani. Keiner scheint mehr Stars zu seinen treuen Fans zu zählen als er. Zu seinen Schauen kommen regelmäßig die hübschesten Fußballer, italienische Filmgrößen wie Ornella Muti und Superstars wie Leonardo DiCaprio und George Clooney. Das liegt erstens an seinem Status als ungekrönter König von Mailand und zweitens an seiner Nichte Roberta, die sich um gute Beziehungen zu den Celebrities bemüht. In diesem Jahr gehört Tina Turner zur Top-Besetzung auf der Gästeliste.

Dass Armani der eigentliche Erfinder der Symbiose zwischen Stars und Mode ist, beweist er am Abend mit der Eröffnung seiner Retrospektive: Stundenlang steht der durch eine Erkältung angeschlagene Meister am Eingang und lässt sich mit jedem halbwegs bekannten Menschen fotografieren. Dabei ist er schon so gut wie auf dem Weg nach Los Angeles: für seine Haute-Couture-Show vor der Oscar-Verleihung, bei der es eigentlich nur eine Reihe gibt – und zwar die erste. Halb Hollywood wird sich hier versammeln.

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Von Sharon bis Tina