Lustobjekt Was wir lieben
26.11.2007
Hatte ich schon erwähnt, dass ich das Haus selten ohne meinen MP3-Player verlasse? Die kleine Musikmaschine ist jedenfalls immer mit auf Tour, weil man sich nur so ein bisschen Freiraum in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln verschaffen kann und mein Leben immer einen Soundtrack braucht.
Text: Melanie Gutbier
© Ministry of Sounds
Jill Scott ist eigentlich schon eine alte Bekannte im VIP-Bereich meines Players, denn die Lady ist eine echte Dichterin. Und Wortkünstler, die auch beim Sound keine Abstriche machen, haben bei mir sowieso einen Stein im Brett. Auf ihrem neuen Album „The Real Thing. Words and Sounds Vol. 3“ (Ministry of Sounds) begleitet Jill Scott einen durch sämtliche Gefühlswelten.
Mal säuselt sie mir honigsüß ins Ohr (Crown Royal), mal wettert Miss Scott ordentlich los (Hate On Me). Es ist nicht zu überhören, dass die Vorzeigedame des Nu Soul sich auskennt zwischen den Höhen und Tiefen des Lebens und dabei so vielseitig klingt, wie es in der R&B-Ecke sonst selten zu hören ist.
© Nils Rodekamp/Four Music
Die rumänischen Wurzeln klingen selbstbewusst in den meisten Songs durch und das macht den Sound so einzigartig: Balkan Pop meets R&B mit einer Prise Dancehall geht erstaunlich gut auf und klingt nach langen, ausschweifenden Partynächten. Aber Miss Platnum fordert nicht nur ziemlich laut und schrill Essen (Give me the Food), Luxusautos (Mercedes Benz) und Ehemänner (Come Marry Me), sie beherrscht auch die verhaltenen Töne, die von Sehnsucht und Schmerz erzählen.
In Gesellschaft dieser beiden Geschichtenerzählerinnen mit Substanz bin ich also derzeit umtriebig. Denn Musik muss meiner Meinung nach wie das wahre Leben sein: mal weich, mal tough und insgesamt gefühlsecht.
Lustobjekt
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