Lustobjekt Was wir lieben

31.08.2007

 

Lustobjekte – viele denken, wir lassen uns nun über nackte Haut, Männer und andere Obsessionen aus. Und weil wir diese Erwartung bislang enttäuscht haben, stelle ich hier mal meinen exemplarischen Mann der Männer und seine Vorzüge vor: Ken.
Text: Claudia Casagrande
© AMICA
Innere Werte sind quasi „nice to have“, aber allein das reicht mir eben auch nicht zum Lieben. Und so großzügig die Natur die momentan angesagten Gene auch an Einzelne verteilt haben mag, ohne Pflege reicht das nicht aus. Mattel, also Mami und Papi von Barbie, hat sich das zu Herzen genommen und Barbie vor Jahrzehnten einen gepflegten jungen Herrn zur Seite gestellt, der sich nicht verstecken muss. Seine definierte Muskulatur an Brust und Armen gleicht den fehlenden Bauchnabel aus (kleine Fehler machen sympathisch – so ist auch Mr. Perfekt ein wenig unsicher). Und die Haare sind, je nach Herstellungsdatum, mal kürzer, mal länger.

Denn hier liegt das große Manko des Pärchens: Tränenreich haben wir bereits vor 20 Jahren festgestellt, dass Barbie nach einem flotten Kurzhaarschnitt die Haare nicht mehr nachwachsen. Kens Kopfbedeckung ließ sich zu Anfang gar nicht bearbeiten – noch nicht mal nach Playmobil-Fasson abnehmen. Doch jetzt, als Surfer-Dude, ist das blauäugige Babe mit einer Haartolle ausgestattet, die nicht drei Stunden lang gepflegt werden muss. Der Mann ist schön und macht keinen metrosexuellen Bohai.
© AMICA Online
Hinzu kommt ein Detail, das mir momentan sehr wichtig ist: Wenn er so in Shorts halbnackt vor mir steht, stehen keine weichen, fisseligen Achselhaare hervor, sondern er ist unter den Armen nackig. Genau so soll es sein. Zugegeben, Babypopo-Look am ganzen Körper spricht auch mich nicht erotisch an, darum hat mein neues Ken-Püppchen Bart und Brustbehaarung zum Aufkleben. Hier ist jetzt Abstraktionsvermögen gefragt: Das auf den wahren Mann übertragen bedeutet, ein Mann sollte sich an Bart, Kopf und sonstiger Behaarung nicht verkünsteln, aber trimmen in irgendeiner Hinsicht muss sein.

Zugegeben, die Vorstellung der Firma Braun, die mir den Ken mit Klebebart zukommen ließ, dass Herz- und Palmwedelformen aus Brust- respektive Barthaar stilvoll wären, sei in Frage gestellt. Aber eines haben die Haarschneideexperten sehr wohl richtig erkannt: Männer sollten (wie auch wir Frauen) an einigen Stellen die Haare in Form rasieren oder vollkommen entfernen. Und genau hier haben Herren den Vorteil, dass sie abwechseln können – den Bart mal in Seemans-Manier rasieren, dann nur am Kinn oder auch vollkommen entfernen. Und das Trimmen dürfen sie ruhig auch mal an der Brust ausprobieren und unter den Achseln als Selbstverständlichkeit in ihr Beauty-Ritual einbinden. Bei Ken gerät die Klebepartie ab und an etwas zu prollig, aber die Aussage transportiert das Männchen ganz gut: Nackte Haut ja, doch nicht überall – wenn dann noch ein Fitzelchen Fantasie dazukommt, zeigen auch wir mehr, gell Barbie?
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