Die Mode aus „Der große Gatsby“So machen Sie den Glamour-Look der Flapper nach

von AMICA Online Redakteurin
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[kein Linktext vorhanden]Kleider spiegeln den Geist einer Epoche wider, sie unterstreichen Persönlichkeiten, transportieren Emotionen. Wer etwa an die Goldenen Zwanziger denkt, dem schwingen Fransenkleider durch den Kopf. Kein Wunder also, dass die Mode auch in der neuen Verfilmung von F. Scott Fitzgeralds Roman „Der große Gatsby“ aus dem Jahr 1925 eine Hauptrolle spielt.

 

Von „Eskapismus“ spricht die Kostümdesignerin des opulenten Streifens, Catherine Martin, im Interview mit „Zeit Online“: „[Nach dem Krieg] fragten sich die Überlebenden: Was haben wir getan? Wofür? Die Menschen, wie sie auch im Gatsby vorkommen, reagierten darauf, indem sie tanzten und die Füße komisch nach oben kickten, exzessiv lebten und versuchten, der Erinnerung zu entkommen.“

 

Zu den Schlüsselelementen des, zum Tanzen gemachten, Jazz-Looks gehören die typischen Kleider der „Flapper“ - der „flatternden“ jungen Frauen mit revolutionär kurzen Haaren und aufmüpfigem  Auftreten. Statt Korsett trugen sie verkleinernde BHs, Charleston-Dresses fielen ihnen im locker weiten Schnitt am Körper hinab, gaben den Blick frei auf Knie und hatten tiefe, auf Hüfthöhe, angesetzten Taillen. Bei jeder Bewegung flogen Volantssäume oder Fransen durch die Luft.

 

Außerdem wichtig für den überbordenden Glamour: Glitzer, Glitzer, Glitzer, auch in Form von Kopfschmuck. Die Kino-Accessoires, wie das „Savoy-Stirnband“, wurden vom Edel-Juwelier Tiffany & Co. entworfen – nach Originalvorlagen aus den 20er Jahren. „Als Baz Luhrmann beschloss, den Film zu drehen, kam er zu Tiffany, eben weil wir einen sehr großen Einfluss auf die Mode im „Jazz Age“ hatten“, erläutert eine Firmensprecherin.

 

Außerdem ziehen sich Art-Déco-Muster über Kleider, mit Statement-Schmuckstücken sind Hälse, Arme und Finger beladen, Federboas addieren Sex-Appeal. Die vielen Perlenketten sind schon bei Fitzgerald Symbol für Vergänglichkeit und kommen auch im Film zum Einsatz um die Wankelmütigkeit der Zuneigung zu zeigen.

 

Wow-Stücke für den 20ies-Look
Art-Decó-Muster trifft funkelnde Stickereien. Cocktailkleid von New Look, um 45 Euro. Über Newlook.com
Als modische Befreierin der Frauen zu dieser Zeit gilt eigentlich Designerin Coco Chanel. Die Filmemacher entschieden sich jedoch bei der Ausstattung für das Modehaus Prada. „Damals kamen mehrere Designerinnen erstmals mit völlig ungewohnten Entwürfen groß heraus: die französischen Schwestern Callot, Jeanne Lanvin, Coco Chanel. In diese Reihe passt Miuccia Prada gut“, begründet Catherine Martin die Wahl. „Miuccias Entwürfe zeichnen sich ebenfalls durch Modernität aus und treffen damit den Kern von Fitzgeralds Roman – nicht durch übertriebene Realitätsnähe“.

 

Und genau das ist es, was den Stil von „Der große Gatsby“ gerade so begehrenswert macht. Statt alles originalgetreu abzubilden, mixt der Film den Stil der Zeit mit Elementen anderer Äras. Zum Beispiel mit einem 50er-Jahre-Dekolleté oder einer Palazzohose. Dadurch betont die Kostümdesignerin auch die Charaktere. Hauptfigur Daisy Boucharan, gespielt von Carey Mulligan, etwa glaubt “Das Beste, was ein Mädchen in dieser Welt sein kann, ist ein schönes, albernes Ding“, und ist laut Martin „mit ihrem Look eher dem vergangenen Jahrhundert verhaftet.“ Wie im Buch trägt sie Lavendel und Spitze, sieht mehr nach 1912 als nach 1922 aus.

 

Doch die Hosenträgerin, ihre Freundin Jordan Baker, ist Profi-Sportlerin sowie Party-Girl und so fortschrittlich, dass sie bereits Kreationen der 30er-Jahre anzieht. Zum Beispiel eine rückenfreie, bodenlange Robe.

 

© ZDF
Maggie Siff und Jon Hamm in der Serie 'Mad Men'
Fashion-Liebhaber der Jetzt-Zeit sind aber eher wie Daisy. In ihre Kleiderschränke wird dank „Der große Gatsby“ wieder die Vergangenheit Einzug halten. „Gerade die Accessoires wie Ketten, Handschuhe oder Pelze aus dieser Zeit haben sich in der letzten Saison sehr gut verkauft“, heißt es vom Deutschen Modeinstitut. „Auch die Kollektionen für Winter 2014/15 zeigen eindeutig, dass viele Designer wie Lanvin oder Gucci wieder den Blick nach hinten gerichtet haben.“

 

Dass Filme und Serien die Mode stark beeinflussen, kennen wir bereits vom Kleinen Schwarzen im 60er-Jahre-Film "Frühstück bei Tiffany". Die Serie „Sex and the City“ löste Anfang der Nullerjahre einen Manolo-Blahnik-Hype aus, durch „Mad Men“ wurde die Liebe zur 60er-Jahre-Mode neu entflammt, Luxusmarken wie Chloé oder Chanel ließen sich vom Ballett-Thriller „Black Swan“ inspirieren. Nun also die 20er-Jahre.

 

Warum uns die Nostalgie so fasziniert? Auch darauf hat Catherine Martin eine Antwort. „Heute kann jeder irgendwie gekleidet auf die Straße gehen, aber jeder strebt nach Authentizität. Deswegen lieben wir Vintagemode, weil wir die Vorstellung einer zugehörigen Geschichte für sehr wichtig erachten.“ Und auch wer nicht das nötige Budget für ein Prada-Kleid à la Hollywood um 8000 Euro hat, kann den Glamour-Look der 20er-Jahre schön achstylen. Inspirationen von günstig bis luxuriös gibt es in unserer Bildergalerie!

 

mit Material von dpa