Pro und ContraDürfen Frauen Lederhosen tragen?

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Die einen tragen sie, weil sie bequem ist. Die anderen, weil sie sie sexy finden. Und wieder andere, weil sie sich in der traditionellen Tracht unwohl fühlen – die Lederhose für Frauen. Doch auf der Münchern Wiesn findet das nicht jeder gut. Eine Alternative zum Dirndl, ja oder nein? Eine Streitfrage!

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CONTRA Lederhosen – von Veronika Schaller

Frauenlederhosn, insbesondere minikurze, stecke ich in eine Schublade mit glitzernden Dirndlschürzen aus Tüll oder schwarzen Carmenblusen. Aber nicht in meine!

Sie werden häufig von Menschen getragen, die „Maaaas statt Massss“ sagen (ist auch verwirrend mit dem „ß“), die Wiesn für eine überdimensionierte Karnevalsparty halten und schlimmstenfalls die Grünflächen neben der Bavaria für das schönste Bett. Eine waschechte Bayerin wie ich es bin, bleibt ihrem traditionellen Waschdirndl treu. Oder besser gesagt ihren fünf Waschdirndln. Zur Erläuterung: Die pflegeleichte Baumwollvariante der Tracht diente früher Bäuerinnen als Arbeitskleidung.

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Heute trägt man Dirndl zur Wiesn-Zeit ganz selbstverständlich auch bei der Arbeit im Büro. Aber nur, um anschließend schnellstmöglich Spaß zu haben und dabei gut auszusehen. Denn kein Kleidungsstück formt die Figur ähnlich vorteilhaft. Auch wenn ich vor meiner „Hüttn“ nicht gerade Doppel-D-„Holzstapel“ auftürmen kann – sobald ich mit viel Luftanhalten mein Mieder geschlossen habe, denke ich zufrieden „Hallo, Wespentaille!“. Mit dem schwingenden Rock vor dem Spiegel fliegen auch Erinnerungen mit. Schunkelnde Freunde auf der Bierbank, geschenkte Lebkuchenherzen, klirrende Krüge, der Duft gebrannter Mandeln. Mein Herz klopft vorfreudig.

Nach lebenslangem Dirndltragen sehe ich immer noch Altrosarot. Oder Himmelblau. Oder Flaschengrün mit Blümchenmustern. Ich bin so verliebt in meine Kleider, dass mich der Flirt mit Lederhosen überhaupt nicht reizt. Obwohl … an Männern sind die ja schon ziemlich sexy.

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PRO Lederhosen – von Lisa Leinweber

Ich hab nun wirklich genug davon. Genug von den entsetzten Blicken meiner Freundinnen und dem amüsierten Schmunzeln meines Freundes, wenn ich ihnen stolz von meiner neuesten Anschaffung erzähle. Ja, ich stehe dazu. Ich habe es gewagt, mir im Land der Weißbiere und Trachten eine echte Hirschlederhose zu kaufen – und finde sie fabelhaft! Ein Dirndl in Lederhose, warum eigentlich nicht?

Sie ist sämisch gegerbt, unfassbar weich und hübsch bestickt. Nein, ich fühle mich sexy und ziemlich hip in diesem rustikalen Stück bayerischer Geschichte – das kann mir niemand ausreden.

Solange ich außerdem den Kampf gegen die Dellen an meinen Oberschenkeln erfolgreich bekämpfe, bin ich mir sicher, ziemlich lang eine Freude an meiner Krachledernen zu haben. Schließlich macht sie jeder Bier- und Fettfleck noch urtümlicher und individueller. So lautet nun auch meine Devise: Lass die Lederhose leben! Denn seien wir ehrlich meine Damen, spätestens nach der zweiten Maß Bier ist im engen Dirndl Flachatmung angesagt.

Bevor nun ein falsches Bild von der Lederhosenträgerin im Allgemeinen (und von mir im Besonderen!) aufkommt, muss klar gestellt werden: ich hätte genug Oberweite für ein Dirndl, bin für den Erhalt des generischen Maskulinums, lasse meine Wasserflasche gerne von meinem Freund tragen und bin definitiv keine Power-Emanze. Wer sagt außerdem, dass man in der Lederhose, kombiniert mit einem schönen Trachtenmieder, nicht ebenfalls sexy wirkt? Meinem Freund ist das übrigens nach einem langen Blick auf meine Beine auch klar geworden …