Trachten-NewsPimp my Dirndl

von AMICA Online Redakteurin
Alle Infos zu Veronika: oder folge mir auf
© Privat
Judith Nemec beim Dirndl-„Pimpen'

Entschlossen greift sie in eine der kleinen Plastiktüten, zieht eine handvoll Haken heraus und legt sie auf das Mieder. Hände in die Hüften, nachdenklicher Blick. „Oder doch lieber diese hier?“, fragt Judith Nemec und plaziert filigranere daneben.

„So gefällt es mir besser“, sagt sie: „Das Dirndl ist so schön, da passt die kleinere Version. Und dann dieses Band dazu. Was meinst Du?“

Ich stimme zu. Erstaunlich, wie sehr sechs kleine Haken und ein Schnürband mein Dirndl verändern. Aber kein Wunder, hier ist ein Profi am Werk: Vor drei Jahren gründete die Designerin zusammen mit Natascha Wiebking das Accessoires-Label „Westwaerts“ und verleiht seitdem auch bayerischen Trachten ein neues Gesicht.

„Pimp my Dirndl“ nennt sich diese Aktion. Ganz nach dem Vorbild der amerikanischen Auto-Tuning-Serie „Pimp my Ride“ werden von Ende August bis zum letzten Wiesn-Tag jede Saison rund 40 Dirndl aufgemotzt. Tendenz steigend.

© Privat
Pimpen bis zur Individualität

Schnell hat sich herumgesprochen, was hinter den Schaufenstern des Ladens „Ju:,did“ im Münchner Westend passiert.

„Inzwischen hat jede Münchnerin mehrere Dirndl im Schrank hängen und günstige Stangendirndl sehen sehr ähnlich aus. Deshalb wächst der Wunsch nach Individualität“, erklärt sich Judith Nemec ihren Erfolg.

Wie sie auf die Geschäftsidee kam? „Zuerst habe ich nur mein eigenes Dirndl von Jahr zu Jahr verändert. Das kam so gut an, dass ich es schließlich für meine Kundinnen anbot“, so die 30-jährige.

© Privat
Gepimptes Dirndl mit Karo-Schürze von Westwaerts. Dazu: Tasche aus Vintage-Trachtenhut
Von schlicht bis speziell

Unter ihren Dirndl-Kundinnen sind ältere, traditionsbewusste Frauen genau wie junge Trend-Setterinnen. Und: „Viele von Ihnen sind Wiederholungstäterinnen“, erzählt Judith: „Zuerst sind sie etwas vorsichtig, aber irgendwann bringen sie dann sogar das Erbstück der Mutter zum Runderneuern.“

Die meisten von Ihnen wählen nach ausführlicher Beratung Ausschnitt- und Armlochverzierungen für je 16,90 Euro. Aber auch Stoffblumenapplikationen (ab 19,90 Euro) sind beliebt. Ansonsten bietet die Designerin Initalien- und Perlenstickereien (ab 19,90 Euro), Haken- und Schnürsysteme (ab 24,90 Euro), Spitzensäume im Unterrock-Look (26,90 Euro) und Rocktaschen (15,90 Euro) an. Neu sind dieses Jahr Fellborten für den Ausschnitt.

© Privat
Die Boutique „Ju:,did“ im Münchner Westend
Schürzen, Dirndl-Taschen & Co.

Wer noch kein Dirndl besitzt, kann bei Judith übrigens gepimpte Second-Hand-Trachten erstehen. Von „Westwaerts“ gibt es seit diesem Jahr Umstandsmoden-Kleider im Dirndl-Style und Taschen aus umgenähten Vintage-Hüten. Auch Karo-Schürzen mit Alpenpanorama-Print, bedruckte Armbänder oder Blütenbroschen werden angeboten.

„Die Arbeit mache ich total gerne“, schwärmt Judith Nemec: „Weil ich mich dabei so richtig austoben kann.“

Ich staune über ihr großes Angebot, bin aber schon mit dem Schnürsystem zufrieden. In drei Tagen kann ich mein Dirndl abholen – rechtzeitig zur Wiesn also. Und es kann gut sein, dass ich nächstes Jahr wiederkomme ...

[Ju:,did]
Ligsalzstr. 32
im Münchner Westend
Tel.: 089-17929517
www.westwaerts-design.de