Prêt-à-Porter 2007Feinstaub und Flatterkleider

Und das nicht nur sprichwörtlich – bei der Show des Luxushauses schienen tatsächlich viele der verärgerten Journalisten in Rot getaucht. Tatsächlich hatten rote Farbpigmente, die effektvoll von einer auf dem Laufsteg stehenden Leinwand herabrieselten, sich überall im Zelt als feiner Staub verteilt. Manch einer zog mit einem Störgefühl davon.

Hermès
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Und das, obwohl Hermès-Designer Jean Paul Gaultier zuvor eine der schönsten Schauen der Saison gezeigt hatte. Mit atemberaubender Raffinesse setzte er das Thema Indien um, zeigte silbrig glänzende Maharaja-Jacken zur fließenden Hose, Umhang und Sikh-Turban, weiße Jodhpurs zu Reiterstiefeln aus Echsenleder, Tuniken aus Leder mit Stickereien aus gebürstetem Metall oder hochelegante Tropenkostüme in Khaki. Für den Abend verkürzte er den indischen Sari zu einem lockeren Oberteil und verpasste ihm dazu eine knapp knielange Hose.

Das Störgefühl blieb also, doch lag es nicht nur an der Peinlichkeit, als eigentlich stylisher Redakteur nun mit Kainsmal aus dem Defilee zu spazieren. Es lag sicher auch an der ohnehin schon gedämpften Stimmung, die kurz vor Schluss nach acht Tagen Modemarathon unter den müden Besuchern herrschte.

Louis Vuitton
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90 Schauen der Damenkollektionen für Frühjahr/Sommer 2007 waren in Paris auf insgesamt neun Tage verteilt. Und man musste bis zum Ende ausharren, denn am letzten Tag warteten noch Highlights wie die Schau von Marc Jacobs für Louis Vuitton auf die Besucher.

Zudem ist Paris zur Zeit der wohl wichtigste Schauenort der Welt. Die französische Hauptstadt versammelt zahlreiche erstklassige Namen: Neben Chanel, Saint Laurent, Dior oder Gaultier gelten Häuser wie Lanvin, Dries van Noten, Balenciaga, Chloé oder Nina Ricci als Muss für Modebegeisterte. Ein Mammutprogramm!

Doch leider schien es einigen Top-Designern in dieser Saison an Inspiration zu mangeln. Bei der Masse wichtiger Schauen muss ein Defilee ein starkes Statement setzen, um anzukommen. Wie schwierig dies ist, zeigte etwa das Defilee von Chloé am Samstag.

Chloé
A model presents a creation by Swedish designer Paulo Melim Andersson for Fashion house Chloe as part of his Spring/Summer 2008 ready-to-wear fashion collection in Paris

Designer Paulo Melim Andersson muss sich von seiner umjubelten Vorgängerin Phoebe Philo absetzen. Er lag eigentlich im Trend, schwelgte wie andere in Chiffon, Flatterkleid und Farbe. Doch seine ätherisch wirkenden Entwürfe wiederholten sich allzu sehr.

Zwar markierten anders als sonst die Pariser Schauen zwei klare Trends – zum einen die Hinwendung zu lockeren bunten Entwürfen mit Hippie-Touch, zum anderen eine strenge architektonisch inspirierte Linie -, doch wohl gerade deswegen mangelte es an begeisternder Vielfalt.

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Feinstaub und Flatterkleider