Streetstyle-Buch des „Facehunter“Die Welt als Catwalk

von AMICA Online Redakteurin
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Streetstyle-Fotos eines Reisenden
Facehunter - Die Welt als Catwalk

Dass der Leser dieses Buch in den Händen hält, grenzt laut Yvan Rodic an ein Wunder. Denn als er während seiner Weltreise vom gefährlichen Rio ins behütete Oslo kam, stahlen Diebe seinen Schatz aus dem Hotelzimmer, seine Arbeit, sein Herzblut: den Laptop. Sämtliche Fotoreihen aus den vergangenen Jahren verlor der Streetstyle-Fotograf an einem Tag. Doch Zollbeamten ging sein Mac ins Netz, IT-Experten konnten den Großteil der Daten wiederherstellen.

Daten, die dokumentieren, wie sich die Streetstyle-Fotografie gewandelt hat. „In der ersten romantischen Zeit meines Blogger-Daseins als Facehunter musste ein Streetstyle-Fotograf stundenlang durch die Straßen flanieren, um lohnende Motive zu finden“, schreibt er im Vorwort seines Bildbandes „Facehunter – Die Welt als Catwalk“. „Inzwischen ist die Streetstyle-Fotografie, die früher eine Graswurzelalternative zum Mainstream der kommerziellen Modemedien darstellte, selbst ein Geschäft geworden – ein Wandel, der sich deutlich in der hart umkämpften Szene auf den jährlichen Modewochen widerspiegelt, wo Hunderte von ‚kreativ‘ Gekleideten um die Aufmerksamkeit der ‚Street-Fotografen‘ und Modeblogger buhlen.“

© Yvan Rodic
Titel: Facehunter – Die Welt als Catwalk

Text und Fotos: Yvan Rodic

Verlag: Prestel, 2013

Preis: um 20 Euro

Es ist kein Zufall, dass der Pionier – er startete Facehunter.org 2006, gilt neben „The Sartorialist“ Scott Schuman als weltweit einflussreichster Streetstyle-Blogger, von ihm vor die Linse genommen zu werden ist eine Auszeichnung in der Modewelt – hier die Worte kreativ und Fotografie in Anführungszeichen setzt. Auch wenn ihn Streestyles immer noch interessieren, hat er sich vom Hype abgewendet und weiterentwickelt. „Es geht mir nicht mehr darum nachzuvollziehen, was Modeleute in anderen Modeleuten auslösen, sondern wie das Leben die Menschen inspiriert“, erklärt der gebürtige Schweizer. Auf seiner Seite Yvanrodic.org stellt er Bilder seiner neuen Passion, dem Reisen, online.

Um herauszufinden was die Kreativität der Leute auf der ganzen Welt antreibt, setzte sich Yvan Rodic 146 Mal ins Flugzeug, verbrachte dort 616 Stunden und besuchte 32 Städte. Von New York über Reykjavík, Seoul, Tokio, Los Angeles, Warschau und Mumbai, bis hin zu Buenos Aires, Melbourne und Amsterdam. Aber ohne Reiseführer versteht sich, sondern geleitet von Einheimischen.

© Yvan Rodic
'The Facehunter“ Yvan Rodic in New York

Was dabei herauskam und sich zwischen den – leider kleinformatigen – Buchdeckeln befindet, ist wahrlich wunderbar. Zu sehen ist etwa eine Frau mit züchtiger Schluppenbluse und wildem Leo-Mantel vor dem Mailänder Dom. Zwei Mädchen mit Denim-Shorts, die sich an der Küste von Sydney umarmen. Eine wild geschminkte Isländerin beim Feiern. Genauso wie ein Hund, der aus einem Beiruter Fenster sehnsüchtig auf die Straße schaut, ein Streetart-Wandbild in Istanbul oder ein Neonreklameschild in Berlin.

Man erfährt, dass New Yorks Hektik die Stadt so fotogen macht und dort jeder täglich einen Modekrieg mit allen anderen führt. Dass es in Island viele coole Bands gibt und die Isländer selbst ausgesprochen gerne feiern. Dass Yvan Rodic die brutale Betonarchitektur im Kontrast zum atemberaubenden tropischen Urwald São Paulos fasziniert oder dass Batumi in Georgien der exotischste Ort ist, den er je besucht hat – mit türkisblauem Wasser, großartiger Streetart und Touristenattraktionen im Stile Dubais.

Übrigens, die deutsche Hauptstadt ist für ihn einer der liberalsten Orte Europas: „Ein großer Spielplatz, der keine Grenzen und keine Struktur zu haben scheint.“

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