Einfluss der Star-TattoosWird die Göttin unter Rihannas Brust zum Trend?

Auch unter den Stars sind Tattoos ein großer Trend

Nach tagelangem Rätselraten – Rihanna war beim Verlassen eines Tattoo-Studios gesichtet worden – ist klar: die ägyptische Schutzgöttin Isis ist nun Teil ihres Körpers. Sie schwingt ihre Flügel über die komplette Breitseite ihrer Brust und soll Rihanna an ihre vor wenigen Monaten verstorbene Großmutter erinnern. Unter einem Twitter-Bild der Tätowierung schrieb die Sängerin: „Göttin Isis – vollkommene Frau – Vorbild für künftige Generationen #Gran Gran Dolly – immer in und auf meinem Herzen #1love.“

So wird Rihannas Haut zusehends bemalter. Im Juni hatte sie der Öffentlichkeit eine Falkenverzierung am rechten Fuß gezeigt. Zu ihren Tattoos gehören außerdem Sterne im Nacken, ein Kreuz am Schlüsselbein und eine Pistole hinter dem Ohr. Doch sie ist nicht der einzige Star, der Tinte und Nadel verfallen ist. David Beckhams Arme etwa sind Komplett-Kunstwerke, Angelina Jolie besitzt mittlerweile geschätzt 15 Tattoos und auch schon Teenie-Stars wie Miley Cyrus (ihr neuester Spruch von 16 Stück stammt aus einer Rede des ehemaligen US-Präsidenten Theodor Roosevelt) und Justin Bieber (er ließ sich jüngst eine Krone auf dem Schlüsselbein verewigen) sind große Fans der permanenten Körperbemalungen.

Und da Stars eine Vorbildfunktion haben, färbt ihre Liebe zur Körperfarbe auf die Masse ab. „Seitdem die Stars Tattoos tragen und diese stolz präsentieren, ist die Nachfrage nach Tattoos stark angestiegen“, so Michael Frey, Vereins-Pressesprecher der „Deutschen Organisierten Tätowierer“. „Die vielen bekannten Stars suggerieren, dass Tattoos gesellschaftlich anerkannt sind“, so Frey. Das senke die Hemmschwelle und bislang feige Tattoo-Fans, trauten sich ihr gewünschtes Motiv stechen zu lassen.

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Am stärksten, bemerkt der Tätowierer, wirke sich der Einfluss der Stars auf Jugendliche aus. Hier zähle offenbar nicht nur die Idee, sondern auch die Identifikation mit dem Star. Sie orientierten sich an den Mustern, welche die Promis tragen. „Viele junge Mädchen wollen von mir beispielsweise einen Notenschlüssel hinter dem Ohr, wie Sarah Conner ihn hat“, erklärt Frey. In solchen Fälle sei es für ihn jedoch ganz wichtig Grenzen zu ziehen. Da Jugendlichen nicht einschätzen könnten, welche Folgen ein Tattoo an derart expliziten Stellen haben könne. Außerdem werde häufig auch deutlich, dass die Kunden lediglich dem Trend hinterherlaufen, anstatt sich über das Tattoo ernsthafte Gedanken zu machen.

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Beliebte Letterings und peinliche Fehler

Die sogenannten „Letterings“, also Wörter, Zahlen und Sprüche sind, so weiß Michael Frey, zurzeit besonders im Trend. David Beckham trägt beispielsweise den Namen seiner Frau Victoria auf dem Arm, Angelina Jolie die Koordinaten der Geburtsorte ihrer Kinder. Durch diese Tattoos lassen sich Lebenseinstellungen und Emotionen zeigen. Auffällig: Viele derartige Tattoos sind in anderen Sprachen gewünscht, damit sie nich für alle verständlich und noch persönlicher sind. Das birgt aber auch Gefahren.

„Übersetzungen sind häufig eine peinliche Fehlerquelle und manche Schriften sind auch für uns Tätowierer schwer zu kopieren“, sagt Frey. So steht auf David Beckhams Haut beispielsweise auf Hindu eigentlich „Vihctoria“ statt „Victoria“. Hayden von Panettiere ließ sich „Vivere senza rimipianti“ stechen (zu Deutsch: „Leben ohne Reue“), obwohl es eigentlich „Vivere senza rimpianti“ heißen müsste. Es hat sich also ein extra „i“ dazu gemogelt. Ein weiterer Trend bei Letterings sind laut Frey die Namen der Lieblinge. Es mag ja sehr nett sein, die Großeltern, Eltern und Kinder auf dem Körper zu verewigen, „den Namen seines Partners zu verwenden ist jedoch riskant“, warnt Frey. Abschreckende Beispiele gibt es auch in der Promiwelt. Angelina Jolie musste sich „Billy Bob Thornton“ nach der Trennung von ihrem Ex-Mann wieder mühsam entfernen lassen. Auch Heidi Klum wird täglich durch den stilisierten „Seal“-Schriftzug auf ihrem Unterarm an ihren Ex-Partner erinnert.

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Sogar in den oberen Gesellschaftskreisen schien der Tattoo-Trend angekommen, als Bettina Wulff, Ehefrau des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff, die Flammen auf ihrem rechten Oberarm offen und selbstbewusst auch bei öffentlichen und offiziellen Anlässen zur Schau stellte. Jedoch: Nach viel Aufregung darum, versteckte sie es später und blieb die Ausnahme. An den Kunden in seinem Studio „Wilde 13“ in Esslingen bemerkt Frey, dass in der High Society Tätowierungen immer noch als Tabu gelten. „Die wenigen Geschäftsleute, die hier auftauchen, bringen ihr Diensthemd mit, um verdeckte Stellen für ihre Tattoos zu finden“, erklärt Frey. Dies belegt auch eine Studie des Emnid-Instituts im Auftrag der „Bild am Sonntag“, die besagt, dass heutzutage in der Gruppe der 30- bis 39-Jährigen fast ein Viertel tätowiert ist (23 Prozent). Jedoch heißt es in den Ergebnissen auch: „Je ärmer, desto tätowierter“. Bei Menschen, die mit weniger als 1000 Euro netto auskommen müssen, geben 16 Prozent an, sie seien tätowiert. Unter Leuten mit 2500 Euro und mehr liegt der Anteil der Tattoo-Träger bei nur 8 Prozent.“

Die Modebranche allerdings ist Fan der permanenten Körperbemalungen. Sie sind bei Models längst kein Tabu mehr, sondern wie beispielsweise beim dänischen Topmodel Freja Beha Erichsen gern gesehene Markenzeichen auf den Laufstegen dieser Welt. Der bekannte, ganzkörpertätowierte Rick Genest, alias Zombie-Boy, wurde nach diversen Catwalk-Jobs auch für einen Make-up-Werbefilm gebucht und für eine Kampagne des traditionellen Schmuck-Labels Ehinger-Schwarz 1876 stand eine stark Tätowierte Modell. Im Moment sind Letterings, Sternchen & Co. eine Art Zeichen. „Ich gehöre zum Club der Coolen“, scheinen sie zu sagen.

Michael Frey erklärt: „Tattoos waren nie wirklich ein Ausdruck der Rebellion, sondern viel mehr ein Ausdruck von Zugehörigkeit. Der bekannte Anker, welchen sich auch Lady Gaga kürzlich stechen ließ, steht so beispielsweise für die Mitgliedschaft bei der Marine“. Das Anker-Tattoo avanciert mittlerweile zum Trend bei Frauen, weil es die Vorstellung eines muskulösen Seemanns und damit ein Augenzwinkern hervorruft. Ägyptische Göttinnen haben ebenfalls gute Chancen auf eine Karriere als Lieblingsmotiv. Dass schon irgendwo auf der Welt ein Mädchen mit Lady Gagas oder Rihannas Foto in einen Tattoo-Laden rennt, ist gut möglich.