Tierische und tollkühne TreterTote Maulwürfe und andere irre Schuhe

von AMICA Online Redakteurin J'adore les Parisiennes!
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Kuhfüße, Knarren, Kunsthaar

Von Plastik zur Plastik ist es oft nur ein kurzer Weg. Diese Schuhe sind vielleicht nicht tragbar, aber formvollendete Kunstwerke. Die Highlights der Schuhausstellung!

Wenn Schuhe zu Skulpturen werden, ist der Sprung vom Kleidungsstück zur Kunst vollzogen. Der ist oft gar nicht weit. Alexander McQueen kreierte in seiner Karriere Heels, die sich geformt aus Seeungeheuern statt in den Meeresgrund in schwindelerregende Höhen schraubten, manchmal verzichtete der Schöpfer trotz XL-Plateau vorne ganz auf den Absatz oder verpasste den Schuhen im Geisha-Stil gleich zwei.

Für Models auf den Laufstegen werden solch himmelhochragende High Heels oft zu Stolperfallen. Stars wie Victoria Beckham und Lady Gaga dagegen haben sie als ihr Markenzeichen etabliert. Letztere ist auch eine der wenigen, die sogar Schuhe, die jede andere Frau als untragbar betrachten würde, anzieht.

Beispielsweise schlüpfte die preisgekrönte Sängerin für den Videodreh zu „Born this way“ in die „Double Boots“ mit zwei Spitzen von Kobi Levi. Darauf ist der israelische Schuhdesigner ganz besonders stolz. „Es war großartig sie an ihr zu sehen“, sagte Levi. Um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren, entwirft Levi eine ganz reguläre Damenkollektion neben den schrägen Schuhskulpturen. Zu sehen sind diese Kreationen des Absolventen der „Bezalel academy of art & design“ in Jerusalem nun auch in der Ausstellung „Starker Auftritt – Experimentelles Schuh-Design“. Dort treffen die Stiefel auf seine berühmten Bananenschalen-Schuhe oder den aus einem nackten Frauenkörper geformten Pumps.

So lässt die aktuelle Ausstellung des Grassi Museums für Angewandte Kunst in Leipzig vielleicht neben vielen Frauen auch ein paar Männer in den Schuhhimmel träumen. Zusammen mit der Niederländerin Liza Snook, der Gründerin eines Virtuelles Schuhmuseum - Virtuelles Schuhmuseum hat Kuratorin Sabine Epple mehr als 150 skurrile Schuhe aus 27 Ländern zusammengetragen. Ganz unterschiedliche Materialien kommen zum Einsatz. Neben Leder und Holz finden sich Modelle aus Keramik, Glas oder Tieren. Gänsehaut-Momente bescheren dem Betrachter die Treter aus toten Maulwürfen, ein Schmunzeln entlocken die süßen Maus-Pumps oder die mit Schimpansengesichtern geschmückten Chucks.

Diese stammen aus den kreativen Händen von Gwen Murphy. Die Künstlerin sieht in jedem alten Schuh ein anderes Gesicht. „Manche sehen aus wie Monster, manche wie Ladys, manche wie Clowns oder Frösche“, sagte Murphy. Oder eben Affen. Seit 2005 produziert die Amerikanerin die Skulpturen, die sie „Foot Fetish“ nennt. Was angefangen hat mit den abgetretenen Ankle-Boots ihrer Freundin, ist zu ihrer Leidenschaft geworden. Murphy haucht gebrauchten Schuhen neues künstlerisches Leben ein.

Noch ein Hauch Lady Gaga liegt in der Schuhausstellung im Raum: Das Label Ben Naäm widmete der Sängerin eine Kreation mit gelbem Zickzack-Schaft, auf dessen Plateau sich applizierte Spielzeugfiguren tummeln. Tierisch gefährlich wird es mit den „Cowgirl“-Schuhen von Iris Schieferstein, die einen Huf mit Pistolenabsatz paart.

Eines ist sicher: Diese Schuhe sind nichts für den Alltag. Weil das britische Model Tara Palmer-Tomkinson ein ähnliches Modell, nämlich ihre Chanel-Schuhe mit Pistolenabsatz, in ihrer Tasche durch die Flughafenkontrolle bringen wollte, war sie in Zürich festgehalten worden. „Das sah bei der Durchleuchtung nicht gut aus“, twitterte die 41-Jährige zum Foto der Killer-Heels. Die irren Schuh-Skulpturen der Ausstellung sind jedenfalls alle sicher nach Leipzig gelangt.

Ausstellung:
Starker Auftritt – Experimentelles Schuh-Design
Grassi Museum für Angewandte Kunst
Johannisplatz 5-11
04103 Leipzig
www.grassimuseum.de

Öffnungszeiten:
28. März bis 29. September 2013
Dienstag bis Sonntag, Feiertage 10 bis 18 Uhr