TrendsSo leben wir morgen!

von AMICA Online Redakteurin
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© Getty Images/HBM
Lidewij Edelkoort bei der Konferenz „DLD Women“ in München

Lidewij Edelkoort lebt nicht heute, sondern in der Zukunft. Denn die Holländerin ist Trend-Forecasterin. Sie sagt großen Firmen wie Gucci, LOréal, Shiseido oder Nissan voraus, wie sich die Bedürfnisse und Interessen der Menschen in den nächsten Jahren verändern werden – ökonomische Begebenheiten immer im Blick. Sie erklärt: „Es gibt keine Kreationen ohne Vorwissen“. 2003 nahm das US-Magazin „Time“ sie wegen ihres großen Ansehens sogar in die Liste der 25 einflussreichsten Menschen der Modeindustrie auf.

Bei der Konferenz „Digital Life Design Women“, kurz „DLD Women“, von Hubert Burda Media, verriet Lidewij Edelkoort anderen innovativen Frauen, wie sich die Gesellschaft ihrer Vorstellung nach entwickelt, welche Kleider wir tragen werden und was sich sonst noch verändern wird.

© Disney
Szene aus dem Disney-Film „Alice im Wunderland'
Alle im Wunderland

Sich in eine andere Realität hineindenken à la „Alice in Wonderland“ – das wollen wir laut Edelkoort in Zukunft immer mehr. Surreal und kreativ soll die Welt sein, verkörpert etwa durch Lampen mit Spitzenüberzug oder Stühle im Kuchendesign.

In Japan gehen Jungs heute bereits in Clownsanzügen in die Schule, Mädchen als Prinzessinnen. Und: Gelb ist das neue Pink!

© Mercedes-Benz Fashion Week
Kleider wie Wolken

Kleidungsstücke und Möbel werden zu Erweiterungen des Körpers. Das heißt: Materialien passen sich dem Körper an, sind flexibel und kaum noch als Fremdkörper zu spüren. Auch der technologische Fortschritt spiegelt sich in futuristischen Kreationen wider.

Luftleicht muten die neuen Kleider an. Transparenz und Leichtigkeit, wie wir sie bereits auf den Laufstegen sehen, spielt eine wichtige Rolle. Werden wir am Ende gar keine Kleider mehr tragen?

© REUTERS
Das Tier im Menschen

Bereits in Li Edelkoorts Online-Community „Trendtablet.com“ wird deutlich: Die Rubrik „Tiere“ ist am beliebtesten. Hier wird am meisten kommentiert, hier laden ihre User die meisten Fotos hoch. Und auch in der Mode verkaufen sich Animal-Prints von Schlange über Feder bis hin zu Raubkatze großartig.

Die Bindung zu Tieren wird sich noch verstärken – sodass wir selbst instinktiver handeln und so extrem mit ihnen kommunizieren, dass wir beinahe schon telepathische Fähigkeiten entwickeln.

Lokale Herstellung

Weil die Produktion in China immer teurer wird (die Transportkosten sind in den letzten Jahren bereits stark gestiegen), produziert man vermehrt im eigenen Land. Das macht die Konsumgüter teurer, aber auch hochwertiger. Vier-Euro-Bikinis verschwinden vom Markt!

© Colourbox.de
Urbane Bauern

Die Grenzen zwischen Stadt und Land verschmelzen. Städte werden immer grüner, auf Dächern pflanzen die Menschen Felder und Gärten an. Das hat Auswirkungen auf Designs: Farmhäuser inspirieren die Architektur, alte Gebrauchsgegenstände wie Holzöfen oder einfache Holzhocker stehen wieder in Wohnungen.

Dass Essen direkt mit Gesundheit verknüpft ist, wird den Menschen immer klarer. Sogar Anbieter von Lebensversicherungen geben Trend-Booklets zum Thema in Auftrag.

© Colourbox.de
Zurück zur Handarbeit

Stricken, das ultimative Symbol für Handarbeit, ist bereits ein großes Thema. Und generell wird Handwerkskunst beliebter. Auch Eigenimprovisation bestimmt das Design. Das heißt, der Konsument wird in den Designprozess involviert, indem er zum Beispiel einen weichen Sessel in Form kneten muss.

© Charles Vögele
Die Schwestern Penélope und Mónica Cruz arbeiten zusammen. Sie entwarfen zum Beispiel gemeinsam eine Kollektion für das Label Charles Vögele
Familiensache

Aktuell gibt es viele Geschwister und Familien, die zusammen in einem Unternehmen arbeiten. Dieser Trend verstärkt sich. Dadurch müssen wir wieder lernen, uns mehr mit anderen Menschen auseinanderzusetzen. Den Bruder per E-Mail zu feuern? Nicht möglich!

Großeltern und Enkelkinder kurbeln in den nächsten Jahren die Wirtschaft an. Die Jungen helfen den Älteren mit Internetangelegenheiten, die Älteren investieren. So machen sie etwa gemeinsame Urlaube.

Schon jetzt gibt es einen Mini-Baby-Boom. In Zukunft werden es die Männer sein, die ihre Frauen früh zu Kindern drängen. Und sie kümmern sich um den Nachwuchs. „Seit ungefähr zwei Jahren sehe ich, wie sehr viele von ihnen mit ihren Kindern auf der Straße“, so die Trendforscherin. Die Familie wird insgesamt immer wichtiger.

Zusammen stark

Auch Gruppenarbeit prägt sich aus. Die Arbeit mit Studenten einer Modehochschule zeigte Lidewij Edelkoort: Sie wollen nicht mehr alleine arbeiten. Der eine zeichnet, der andere sucht Stoffe aus und der Dritte näht. Menschen widmen ihre individuellen Fähigkeiten dem Wohl der Gruppe.

Jeder tut das, was er am besten kann. So sollten laut Edelkoort auch Unternehmen besetzt sein. Das wäre ein ganz neues System in der Gesellschaft ohne Pyramide. Trotzdem wird das Individuum, der Star, nicht aussterben. Er wird nur viel härter arbeiten müssen, um akzeptiert zu werden.

Geschlechterrollen

Ein weiterer Trend: „Girlfriend Business“. Junge Mädchen brauchen keine Vorbilder wie die Figuren in der Serie „Sex and the City“ mehr.

Angeregt durch die Vernetzung im Internet treffen sie sich in kleinen Gruppen zwei bis drei Mal wöchentlich und pflegen eine sehr enge Beziehung. Einen festen Partner benötigen sie daher nicht unbedingt.

Der Archetyp des Mannes verändert sich jedoch auch. Junge Männer entdecken vermehrt ihre weibliche Seite. Der neue Vorbild ist schlank und romantisch und interessiert sich sehr für Mode. Muskeln sind out!