Alexandra Neldel zu „Vermächtnis der Wanderhure“„Heute geben Menschen Beziehungen zu schnell auf“

von AMICA Online Redakteurin J'adore les Parisiennes!
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„Das Vermächtnis der Wanderhure“
Das Vermächtnis der Wanderhure, Alexandra Neldel

Wenn sie eine Zeitreise machen würde, würde Alexandra Neldel am liebsten einen Stopp in allen Epochen machen. Neugierig darauf, was es dort zu entdecken gäbe. Denn eigentlich ist die 36-Jährige gar kein Mittelalter-Fan. Trotzdem schlüpfte die Schauspielerin zum dritten Mal in die Rolle der „Wanderhure“. Marie von Hohenstein bezeichnete sie als die intensivste Rolle, die sie bisher gespielt hat. Und das Fernsehpublikum liebt sie ebenso. Schon der erste Teil fesselte im September 2010 knapp zehn Millionen Zuschauer, gut acht Millionen waren es bei der zweiten Folge im Februar 2012. Um Leidenschaft und Leid der Marie geht es auch in „Das Vermächtnis der Wanderhure“ (13. November, Sat.1, 20.15 Uhr).

Dieses Mal stellen sich Steppenkrieger und die intrigante Mätresse des Königs, Hulda von Hettenheim (Julie Engelbrecht) in ihren Weg. Für Marie von Hohensteins Mann Michel (Bert Tischendorf) geht es in den Krieg gegen die Tataren. Währenddessen lässt ihre Gegenspielerin sie zusammen mit ihrem neugeborenen Sohn entführen. Den möchte sie dem König als ihren eigenen und damit Thronerben unterschieben.

Im Interview mit AMICA Online verriet Alexandra Neldel, wie es für sie war plötzlich Mutter zu sein, warum sie keine Angst hat, ewig den Stempel der „Wanderhure“ zu tragen und was ihr bei Partnerschaften heutzutage wichtig ist.

Die Looks von Alexandra Neldel
Mercedes Benz Fashion Week 2012 - Mercedes-Benz und Vogue Fashion Night in Berlin am 04.07.2012

AMICA Online: Welche Szene im dritten Teil der „Wanderhure“ war die größte schauspielerische Herausforderung?
Alexandra Neldel: Den größten Respekt hatte ich tatsächlich vor der Geburt. Das haben wir auch noch in einem düsteren Kellergewölbe gedreht. Eine schreckliche Atmosphäre. Ich war angekettet und musste spielen, wie Marie ganz allein das Kind zur Welt bringt.

Sie selbst haben ja noch keine Kinder. Wie haben Sie sich auf die Szene vorbereitet?
Ich habe eine Freundin, die gerade ein Baby bekommen hat. Die hat mir zuerst alles ganz ausführlich erzählt, wie das ist mit den Wehen, Schmerzen und allem. Ganz zum Schluss erst meinte sie: ‚Aber ich hatte ne PDA’ (lacht). Eigentlich habe ich das ganz instinktiv gespielt. Als Frau hat man diese Gefühle in sich, denke ich.

Wie haben Sie sich als Mutter gefühlt?
Wir hatten ja zwei Filmbabys. Ein ganz kleines für die Rolle gleich nach der Geburt. Und eines für die Monate danach. Es war schon ein komisches Gefühl den ganzen Tag mit einem fremden Baby auf dem Arm herumzulaufen. Deswegen bin ich auch immer wieder zur Mutter hingegangen, um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung ist. Es war mir wichtig hier Vertrauen zu schaffen.

Womit wir gleichzeitig bei der Tragik der Geschichte wären, weil der kleine Sohn Marie entrissen wird ...
Ja genau. Marie hatte so viel erreicht. Sie hatte um ihre Liebe gekämpft, sie hatte sich ihre Position in der Gesellschaft wieder erobert und nun ein Kind bekommen. Sie leidet extrem und es ist unglaublich, wie viel dieser Frau in einer so kurzen Lebensspanne widerfährt.

© SAT.1/TV 60/Jiri Hanzl
Alexandra Neldel in „Die Rache der Wanderhure'

Wie schaffen Sie es dann nach so viel Verzweiflung an einem Drehtag wieder Alexandra Neldel zu sein?
Da habe ich das Glück, dass ich das nicht mit nach Hause nehme. Ich stehe morgens als Alexandra auf und gehe als Alexandra ins Bett, dazwischen sind die Dreharbeiten. Um abzuschalten, brauche ich kein bestimmtes Ritual. Mit den Kostümen lege ich auch meine Rolle ab.

Die Kostüme spielen in diesem historischen Set ja ohnehin eine wichtige Rolle ...
Die Kleider und überhaupt das Verkleiden machen für mich einen großen Teil der Schauspielerei aus. Es war mir wichtig, dass alles authentisch ist.

Sie sagten in einem anderen Interview, dass vor allem die Schuhe dazu beitrügen, wie man sich bewegt. Stimmt das für die „Wanderhure“?
Auf jeden Fall. Darum musste auch dieses Accessoire bei der „Wanderhure“ passen, obwohl man die Schuhe oft nicht gesehen hat. Nur beim zweiten Teil habe ich einmal dicke Stiefel druntergezogen, weil es einfach so kalt war.

© dpa / Britta Pedersen

Eine große Rolle spielen auch die Intrigen, die gesponnen werden. So wie Hulda von Hettenheim Maries Sohn für ihre Zwecke einsetzen möchte. Sind Ihnen ebenfalls schon Intrigen begegnet – vielleicht nicht in dieser extremen Form?
Das ist gut, dass Sie das ergänzt haben. In diesem Ausmaß sowieso nicht. Aber auch sonst nicht.

Wie würden Sie reagieren, wenn Sie hinter so eine Täuschung kommen würden?
Das kommt ganz darauf an, um wen und was es geht. Wenn es in einer Situation wäre, in der ich überhaupt nicht damit rechne und es um jemand ginge, der mir sehr nahe steht, wäre ich sicher sehr enttäuscht.

Sind Frauen da gefährdeter als Männer?
Nein, ich denke nicht, dass Intrigen spinnen eine besonders weibliche Eigenschaft ist. Obwohl man das in unserer Branche den Klischees nach vielleicht erwarten könnte, habe ich das bisher nie erlebt.

Wenn wir schon bei Frauen sind. Was haben Sie von ihrer Filmrolle Marie gelernt?
Das ist immer schwierig zu beurteilen für mich. Ganz klar steckt schon viel von mir in Marie und ich spielediese Rolle von ganzem Herzen. Allerdings weiß ich nicht, ob ich immer so beherzt aufbegehren würde gegen all das Unrecht. Da wünsche ich mir manchmal – so tough wie sie zu sein.

Ihre Fans wünschen sich ja unbedingt einen vierten Teil, den es allerdings nicht geben wird. Wie groß sehen Sie die Gefahr den Stempel der „Wanderhure“ zu tragen?
Da sehe ich eigentlich gar kein Problem, weil immer wieder etwas Neues kommt. Lange war ich die Lisa Plenske aus „Verliebt in Berlin“. Dann kam die „Wanderhure“, eine Rolle, die ich sehr gerne gespielt habe und bei der ich sehr viel in meiner Schauspielerei entdecken konnte.

Wie hoch war denn der Quotendruck nach den beiden so erfolgreichen Teilen?
Ich habe mich da gar nicht unter Druck gesetzt. Denn ich habe schlicht und einfach das Beste gegeben, das Team hat alles getan und jetzt ist alles abgeschlossen, sodass ich ohnehin keinen Einfluss mehr darauf habe. Wir wissen, dass wir etwas Tolles produziert haben und hoffen, dass es die Zuschauer genauso sehen.

Gebannt verfolgt haben sie jedenfalls als großes Thema der Filme die bedingungslose Liebe zwischen Marie und Michel. Haben Sie schon Ähnliches erlebt?
Vielleicht ... Nun muss man aber sagen, dass die Beziehung zwischen den beiden schon etwas ganz Besonderes ist. Da reiht sich ja eine Ausnahmesituation an die andere. Wenn wir heute auf solche Zerreißproben gestellt würden, hielten die meisten Beziehungen das wahrscheinlich gar nicht mehr aus.

Fehlt uns diese Bedingungslosigkeit heutzutage?
Tatsächlich geben die Menschen heutzutage zu schnell auf oder denken sich, das ist mir zu kompliziert oder es kommt vielleicht etwas Besseres. Ich finde, wir sollten mehr um einander kämpfen.

Sie haben einmal gesagt, man sollte an die Liebe auf den ersten Blick glauben ...
Unbedingt. Man sollte immer an die Liebe auf den ersten Blick glauben und ihr eine Chance geben.

Was braucht es, damit aus der Liebe auf den ersten Blick mehr wird?
Nun, man sollte miteinander sprechen und sich kennenlernen. Möglicherweise. (lacht)

Könnte nicht schaden ja. Was müsste denn der Vater Ihrer zukünftigen Kinder mitbringen?
Da habe ich nicht wirklich ein Schema im Kopf. Optisch sowieso nicht. Es muss alles zusammenpassen. Am wichtigsten ist für mich, dass er mir Respekt entgegenbringt.

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