Anna MouglalisDie Punkerin

© Gilles Marie Zimmermann

Ein paar Tage später treffen wir uns im Café „Rostand“ in St. Germain-des-Prés. Sie springt vom Rücksitz der Vespa ihres Freundes, des Pariser Kultregisseurs Samuel Benchetrit, zieht sich den Helm vom Kopf, fährt schnell durch ihre Haare, zupft ihr ausgewaschenes schwarzes T-Shirt zurecht und sagt dann als Allererstes: „Vor Karl hatte ich absolut keine Idee von Mode. Nie im Leben habe ich Shopping-Trips gemacht. Natürlich hatte ich einen Sinn für das Schöne, aber eigentlich ging es mir immer nur darum, dass es nicht wichtig ist, was man anzieht.“

Man glaubt es ihr auf der Stelle. Ehe sie mit Benchetrit in St. Germain zusammenzog, sah man sie oft in den Bars von Pigalle, sie stieg in H&M-Jeans und Chanel-Jacke von ihrem Moped und feierte mit Taxifahrern und den Huren des Quartiers spontane Partys. Genau das ist es, was Lagerfeld an Anna bewundert. Dass sie so etwas wie eine moderne Punkerin ist, wild und romantisch und ohne Berührungsängste. Perfekt für einen Modemacher, der Blasiertheit hasst, den nichts so langweilt wie die Langeweile und dessen letzte Haute-Couture-Kollektion so viel Energie ausstrahlt wie Rockmusik.

„Für mich macht er Outfits für moderne Amazonen,“ schwärmt Mouglalis. „Die Freiheit, die sich Karl bei der Auswahl von Materialien nimmt, ist unglaublich. Besonders faszinierend finde ich seine Jeans-Overknees. Die Leute aus den Chanel-Ateliers haben tatsächlich alte Jeans auf Flohmärkten gesucht und dann Stiefel daraus genäht. Ich weiß es, denn sie machen gerade welche für meine Maße.“ Und mehr will sie auch gar nicht über Lagerfelds Mode sagen, der Mann interessiert sie mehr: „Er ist der freieste und kultivierteste Mensch der Welt. Er verurteilt nichts und niemanden. Ich bewundere ihn!“