Axel Bosse „Ich will nicht wie Til Schweiger sein“
Bereits vier Alben hat der Sänger Bosse veröffentlicht. Mit AMICA Online sprach er darüber, wie es sich anfühlt trotzdem noch als Newcomer zu gelten und warum Til Schweiger ihn langweilt.
Text: Markus Kastenhuber
Axel Bosse wartet auf den großen Durchbruch seit er 17 ist. Mit seinem aktuellen Album „Wartesaal“ schafft er es nun endlich raus aus dem Wartesaal. Der Braunschweiger wird am 29. September seine Heimat Niedersachsen beim Bundesvision Song Contest vertreten. Zusammen mit Anna Loos, bekannt als Sängerin der Band Silly, wird er seinen neu aufgelegten Song „Frankfurt Oder“ vortragen.Auf der Bühne stand der heute 31-Jährige schon zu Schulzeiten. Mit einem Hit schaffte es seine Band „Hyperchild“ damals sogar in die Top 80 der Charts. Nach „kreativen Differenzen“ machte Axel Bosse solo weiter – als Bosse. Drei Alben veröffentlichte der Sänger, aber kommerzieller Erfolg blieb aus. Bis jetzt. Denn „Wartesaal“ schaffte es auf Platz 16 der Album-Hitliste. Wie er mit all dem Ruhm nun umgeht, als Vater Familie und Job unter einen Hut bringen will und warum er nicht wie Til Schweiger sein möchte, verriet Bosse im AMICA-Onnline-Interview.
AMICA Online: Nach vier Alben gelten Sie immer noch als Newcomer. Ist das nicht frustrierend?
Axel Bosse: Mich stört das überhaupt nicht. „Wartesaal“ hat ja auch Newcomer-Qualitäten, nur deshalb spielen jetzt Radiosender meine Lieder, die zuvor mit Bosse nichts anfangen konnten. Meine Musik ist nun in Sphären vorgedrungen, die sie noch nie zuvor erreicht hatte.
© Universal Music
Bosses Album Wartesaal hat es auf Platz 16 der deutschen Charts geschafft
Für mich und meine Band hat sich nichts geändert. Ein unerfolgreiches Album benötigt genauso viel Arbeit wie ein erfolgreiches Album. Das einzige, wo ich eine Veränderung feststellen kann ist bei den Konzerten, die jetzt ausverkauft sind, weshalb wir jetzt auch in größeren Hallen spielen. Es macht jetzt mehr Spaß, denn ich weiß, wie vielen Leute meine Musik gefällt.
Ihre Musik – was ist das? Was steckt hinter Axel Bosse?
Bosse ist ja mein Nachname. Ich bin Sänger und schreibe Texte, die ich dann vertone. Bei jedem Album behalte ich mir vor, zu entscheiden, wie ich das vertone. Ich habe eine feste Band, die aus acht wechselnden Personen besteht. Obwohl ich für das Kreative zuständig bin, wäre ich ohne diese Menschen nichts.
Sie versuchen also, sich bei jedem Album neu zu erfinden, weiter zu entwickeln. Wie beschreiben Sie Ihre letzten vier Platten?
Mein erstes Album war meine musikalische Pubertät – Kraut und Rüben. Danach kam das Live-Album als Momentaufnahme. In sieben Tagen haben wir es eingespielt. Das dritte Album Taxi habe ich bewusst mit nur einem Produzenten in einer kleinen Wohnung in Köln aufgenommen. „Wartesaal“ ist dem dritten Album am ähnlichsten. Gespickt mit Fremdinstrumenten ist es tanzbarer und experimenteller. Ich will ja nicht wie Til Schweiger sein.
Was haben Sie gegen Til Schweiger?
Er spielt immer die gleiche Rolle, das würde mich langweilen. Für mich ist es einfach wichtig, nicht immer dasselbe zu machen.
„Bands sind wie Beziehungen“
© Universal Music
Mit 16 gründete ich mit ein Paar Freunden die Band „Hyperchild“. Weil wir schnell kleine Erfolge verbuchten, einen Plattenvertrag an Land zogen und sogar Chartplatzierungen erreichten, schmiss ich die Schule, um nach Berlin zu gehen. Leider hat sich die Band schnell zerschlagen und aufgelöst. Ich bin dann nach Spanien gegangen. Zurück nach Deutschland kam ich mit einer Handvoll Songs und gründetet daraufhin Bosse.
War die Trennung von „Hyperchild“ schwer für Sie?
Bands sind wie Beziehungen. Wenn es nicht mehr funktioniert, ist man am Ende erleichtert, wenn es vorbei ist, selbst wenn es weh tut. Wir konnten uns nicht mehr in die Augen sehen, deshalb war dieser Schritt notwendig.
Danach sind Sie nach Spanien gegangen. Was hat Ihnen die Zeit bedeutet?
Ich musste einfach raus aus Berlin, ich war genervt. In Spanien habe ich Pools geputzt und meinen Kopf frei bekommen. Die Zeit war wichtig für mich, um das Geschehene zu verarbeiten und wieder zu mir zu finden.
Zurück in Deutschland dann der Start der Solo-Karriere. Wie haben Sie genau angefangen?
Ich habe eine Band gesucht. Ich kannte noch ein Paar Jungs von früher als ich mit „Hyperchild“ oft auf Festivals gespielt habe, wo ich Bekanntschaft mit anderen Musikern gemacht habe, die ich einfach angerufen und gefragt habe, ob sie mit mir Musik machen wollten.
War das kein Risiko, flüchtige Bekannte für eine Band zu verpflichten?
Ich kannte sie ja bereits gut. Außerdem wusste ich, dass wir gut zusammenarbeiten würden, weil wir uns als Musiker verstehen.
Ist es also wichtiger, auf einer musikalischen Ebene zu harmonieren als auf einer menschlichen?
Überhaupt nicht, denn wenn man auf Tour ist, verbringt man keine Zeit mit Musikern, sondern mit Menschen. Deshalb würde ich dem arroganten guten Trommler den sympathischen mittelmäßigen jederzeit vorziehen.
Rock'n'Roll-Vater
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Bosses aktuelle Single: Wartesaal"
Das hat viel mit Organisation zu tun, aber eigentlich ist das gar nicht so schwer. Wenn ich mein Jahr mit dem meines Nachbarn, einem Grafikdesigner, vergleiche, sehe ich meine Tochter zu 70 Prozent häufiger als er. Ich arbeite nur drei Tage die Woche, von Montag bis Donnerstag habe ich frei und kann dann voll für meine Tochter da sein.
Was ist Ihnen im Moment wichtiger – ein guter Musiker oder ein guter Vater zu sein?
Ich bin beides und mir ist beides wichtig. Ich versuche alles so familienfreundlich wie möglich zu gestalten, aber ich kenne meine Prioritäten. Wenn ich die Wahl hätte zwischen drei Wochen Urlaub mit meiner Tochter oder einem Konzert bei Rock am Ring, würde ich den Urlaub wählen.
Ihre Eltern haben Sie immer unterstützt, selbst als sie die Schule geschmissen haben. Werden Sie bei Ihrer eigenen Tochter auch so locker sein, oder wünschen Sie Ihr eher eine traditionellere Laufbahn?
Ich wünsche ihr alles, worauf Sie Lust hat. Ich denke, ich bin ein recht entspannter Vater.
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