Bildband zu Kate MossUngezähmt, naturschön und gerne nackt

von AMICA Online Redakteurin
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Bilder aus Kate Moss' Karriere
Kate Moss in

Ein Buch – auch wenn es zeigt, was war – bedeutet nicht das Ende. „Es ist keine Biographie. Ich will keine Rückschau, weil ich nicht das Gefühl habe, als wäre für mich alles schon erledigt“, stellt Kate Moss gleich am Anfang des neuen Bildbandes „Kate Moss“ klar. Deshalb sind die Fotos darin auch nicht chronologisch geordnet. „Ich liebe meinen Job, weil es nie das Gleiche ist. Nie die gleiche Inszenierung, nie der gleiche Fotograf, nie die gleichen Leute. Es ist immer wieder was anders dabei. Mir geht es definitiv um Menschen“, so Moss weiter.

Mit Einnahmen von rund neun Millionen Dollar im Jahr gilt sie nach Gisele Bündchen laut „Forbes“ als bestbezahltes Model der Welt. Sie gehört außerdem zu den Top 100 der einflussreichsten Promis und hat große Werbe-Deals mit Longchamp, Mango, Rimmel und Vogue Eyewear abgeschlossen. Auch für den großen Catwalk engagieren die Designer sie als Highlight: Bei der Präsentation der Frühjahr-Sommer-Kollektion 2012 von Louis Vuitton begeisterte sie als Abschlussmodel. Und das, obwohl die 38-Jährige den Model-Zenith eigentlich längst überschritten haben müsste.

Doch Normen haben das Topmodel noch nie aufgehalten. Schließlich ist sie mit einer Größe von 1,70 Metern eigentlich viel zu klein für das Business. Stylist Paul Cavaco von „Haper’s Bazaar“ soll zu Karrierebeginn etwa zu ihr gesagt haben: „Oh, du hast ja die gleiche Größe wie ich! Wie ein Püppchen! [Es] kann sein, dass du dich nicht lange hältst.“ Aber Kate Moss, die schon als Teenager mit Modefreaks herumhing und nach eigener Aussage „Prostituiertenschuhe aus Krokodilleder von Vivienne Westwood“ trug, wollte sich unbedingt halten, wollte weg aus der Vorstadt Croydon.

© PR
Kate Moss in einer Mango-Kampagne

Ihr Glück: Schon im Alter von 14 Jahren war sie von Sarah Doukas, Gründerin der Modelagentur Storm, am New Yorker Flughafen JFK entdeckt worden und bald ausgebucht. Zwei Monate lang, acht Modenschauen am Tag und jede Nacht Party, kein Schlaf – diese Entwicklung bezeichnet Kate Moss heute als „Irrsinn“. Eine Strecke im Magazin „The Face“ (1990) hatte den Durchbruch gebracht, fotografiert von der Engländerin Corinne Day. Darauf zu sehen: eine sommersprossige, ungeschminkte 16-Jährige, mal im Bikini, mal oben ohne am Strand, befreit lachend, als albere sie gerade mit Freunden herum.

Das Cover zeigt sie mit Indianerfedern auf dem Kopf. Eine Revolution waren diese Bilder deshalb, weil sie ein neues Lebensgefühl transportierten. Als „Dreckige Realität“ und „Grunge“ beschrieb es die Fotografin selbst, die schlaksige Kate Moss avancierte zum Gegenentwurf der Supermodels wie Cindy Crawford, Claudia Schiffer und Elle Macpherson. Den Magermodel-Wahn soll sie eingeleitet haben, als Calvin Klein sie so natürlich fand und sie 1998 für seine Kampagne engagierte. Spindeldürr, oft nur in Jeans, posierte sie acht Jahre lang für die Jeans-Linie des Labels, wurde weltberühmt. Später sorgte sie mit dem Satz „Nichts schmeckt so gut, wie dünn sein sich anfühlt“ für Empörung, soll sich davon aber mittlerweile distanziert haben.

© David Sims/V

Rebellion durch Natürlichkeit, Nacktheit, verwuschelte Haare und Zigaretten ist ein Motiv, das sich durch Kate Moss‘ gesamte Bildergeschichte zieht – festgehalten von berühmten Künstlern wie Steven Klein, Mario Testino, Hedi Slimane, Camilla Akrans, Jürgen Teller oder Mario Sorrenti. Gleich das erste Foto im Buch zeigt sie im Bikini, zwei Seiten darauf liegt sie, lediglich von einem Spitzenjäckchen eingerahmt, auf einem Mamorfußboden. Und auf Bild Nummer fünf sieht man schließlich alles. Alles, alles. Manchmal haben die Fotos Fetisch-Charakter, andere wirken wie echte Schnappschüsse. Als würde man Kate Moss durch ein Schlüsselloch beobachten.

Selbst nackt auf dem Klo, abgelichtet von Mario Testino, wirkt sie entwaffnend schön und natürlich. Ganz sie selbst ist Kate Moss aber laut eigener Angabe vor allem auf einem bislang unveröffentlichten Foto von Jürgen Teller aus dem Jahr 1998, mit pink gefärbten Haaren im Bett, die Decke bis zum Kinn gezogen, „weil wir uns da einfach nur einen Ast ablachen“.

Das Geheimnis ihrer Ausstrahlung? „Bei Fotoshootings habe ich immer das Gefühl, das bin nicht ich, das ist jemand anders. Auf jeden Fall gibt es eine Art Übereinkunft zwischen dem Fotografen, dem Model und der Person, die man erschaffen will“, erklärt sie in „Kate Moss“.

© Bloomberg
Kate Moss in Burberry

Designerkreationen sind, wenn vorhanden, nur schmückendes Beiwerk. „Es ist Fotografie als Kunstform und nicht nur Mode aus einem Magazin“, sagt Kate Moss und spricht auch über erste Hüllenlos-Erfahrungen vor der Kamera. „Als Teenager habe ich meinen Busen gehasst wie nichts sonst, ich hätte wer weiß was gemacht, um ihn nicht zeigen zu müssen“, so das Model. „Mittlerweile sehe ich Nacktheit als etwas, das dein Selbstbewusstsein stärkt. Aber das war lange Zeit anders. Ich habe jahrelang geheult deswegen.“

Sämtliche Rückschläge und Erfolge haben Kate Moss geformt. „Das hat mir eine innere Stärke gegeben, zu denken, es sollte mir nicht scheißegal sein, aber was soll’s, ich mache es trotzdem!“ Selbst die skandalösen Kokain-Bilder aus dem Jahr 2005 scheinen ihr nicht nachhaltig geschadet zu haben. Sie nähren nur ihren Unbezähmbar-Mythos.

„Tja, ich bin definitv keine achtzehn mehr, die Zeiten, zu denen ich Shootings ohne Make-up machen konnte, sind vorbei, aber es ist nicht so, dass ich keine Falten haben will – ich finde es wichtig, mit seinem eigenen Gesicht zu leben“, sagt sie heute. Auf einem Porträtfoto aus dem Jahr 2003 von Chuck Close sieht man sie etwa mit glänzender Haut, jedes Mimikfältchen sichtbar. Obwohl wilde Männergeschichten mit Johnny Depp oder Pete Doherty längt passé sind, sie mit Jamie Hince (das Buch ist übrigens ihm gewidmet) 2011 vor den Traualtar trat und ihre Tochter von Verleger Jefferson Hack mittlerweile zehn Jahre alt ist: Spießig wird Kate Moss noch lange nicht. Ihre Hochzeit glich etwa einem Musikfestival.

Sie ist eine erwachsene Rebellin mit einem „Erwachsenenbuch“, wie sie es selbst nennt. Eine mit Falten. Aber eine, die längst noch nicht zu Ende rebelliert hat.

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