Charlize TheronFluchend Dampf ablassen

Charlize Theron
Actress Charlize Theron poses at 12th annual Screen Actors Guild Awards in Los Angeles

Die Regisseurin Niki Caro erzählt, beim Dreh hätten Sie Ihren Kollegen Woody Harrelson begrapscht, Ihren Hintern bei jeder Gelegenheit in die Kamera geschwenkt und unflätige Ausdrücke gebraucht.

Stimmt. Wir haben uns höchst unkorrekt benommen. Ich brauchte das, um Dampf abzulassen. Es ist komisch, aber das habe ich von den Frauen gelernt, deren Geschichte „Kaltes Land“ erzählt. Diese Frauen mussten so viel durchmachen. Sie wurden sexuell gedemütigt, körperlich und verbal missbraucht. Keiner glaubte ihnen, als sie sich zur Wehr setzten. Und dennoch reißen sie heute Witze darüber. Aus reinem Selbstschutz.

Wie haben diese Frauen Sie empfangen? Miss Charlize Theron, eben noch auf dem roten Teppich, jetzt mit Grubenarbeiterinnen unter Tage?

Ich bin ein ganz normaler Mensch, der sich für andere Menschen interessiert. Und die Frauen hatten ein Interesse daran, dass ihre Story so authentisch wie möglich erzählt wird. Also haben wir uns prächtig verstanden. Außerdem weiß auch ich, wie es ist, sich gegen Unrecht aufzulehnen. 1999 drehte ich einen Anti-Vergewaltigungs-Spot für das südafrikanische Fernsehen. Das verursachte einen Riesenaufruhr. Der Spot musste abgesetzt werden, weil sich 28 Männer beim Sender beklagten. Seitdem setze ich mich erst recht für diese Anti-Vergewaltigungs-Organisation ein. Ich spreche für die Frauen, die sich nicht trauen.

Woher nehmen Sie Ihren Mut?

Den verdanke ich meiner Mutter. Es gab Zeiten, da war sie die einzige Frau in ganz Südafrika, die im Straßenbau arbeitete. Eine männlichere Welt war kaum denkbar, doch sie hatte nie Probleme. Ich wuchs im Gefühl auf, machen zu können, was ich wollte. Meine Mutter bläute mir ein, mir nichts bieten zu lassen.