Charlotte Roche Schamlos zum Erfolg
Charlotte Roche sprach früher mit Pop-Stars frech lächelnd über Stuhlgang. Heute schreibt sie über Sex und ihre Psyche, wie es sich sonst kaum jemand trauen würde – und verkauft Millionen Bücher!
Text: Veronika Schaller
Sie bewies Robbie Williams als „Viva Zwei“-Moderatorin vor laufenden Kameras, dass sie unter ihrer Hose keinen Schlüpfer trug („Alle waren schmutzig“) und erzählte im selben Atemzug, wie sie den ganzen Tag an Durchfall gelitten habe („Ich war so aufgeregt“). In der Harald-Schmidt-Show schwärmte sie ein Mal von einem äußerst interessanten Urlaubserlebnis: Ein 60-Jähriger hatte am Strand vor ihren Augen masturbiert. Ein anderes Mal nahm sie ihre Schneidezahnprothese heraus, um Deutschland lispelnd zu erklären, dass man so gleich „aussieht wie eine asoziale Alkoholikerin“.Charlotte Roche liebt die Provokation. Und viele Menschen lieben es, wenn Charlotte Roche provoziert. Mit ihrer unangepassten Art startete die heute 33-Jährige 1998 eben beim Musiksender „Viva Zwei“ mit der Show „Fast Forward“ durch und später bei „Viva“.
Mehr zum Thema:
Gekrönt vom „Bayerischen Fernsehpreis“ und dem „Adolf-Grimme-Preis“, moderierte sie dann „Trendspotting“, ZDF-Folgen des Magazins „Tracks“ auf Arte, bekam mit „Charlotte Roche trifft ...“ ihre eigene Interview-Reihe auf ProSieben und war gemeinsam mit „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo in der Talk-Sendung „3nach9“ auf „Radio Bremen“ zu hören.
Bei einer Lesereise zusammen mit Christoph Maria Herbst im Jahr 2005 zeichnete sich bereits ihr später eingeschlagener Weg ab. Sie gab Passagen aus einer Dissertation zum Thema „Penisverletzungen bei der Masturbation mit Staubsaugern“ von 1978 zum Besten. Skandale machen Bestseller
Drei Jahre später sollte die Wahl-Kölnerin mit britischen Wurzeln einen Debüt-Roman veröffentlichen, der beinahe pornografisch die weibliche Selbstbefriedigung thematisiert und Hygiene-Hysterie kritisiert. Rund zwei Millionen Mal verkaufte sich „Feuchtgebiete“. Ihre Geschichte von der 18-jährigen Helen Memel, die wegen einer Analfissur und Hämorrhoiden im Krankenhaus liegt und sich dort ausgiebig mit ihrem Unterleib beschäftigt.
Charlotte Roches Erfolgsgeheimnis? Gnadenlose Ehrlichkeit ohne Schamgefühle. Wenn sie über Tabuthemen spricht, dann funkeln ihre dunklen Augen das Gegenüber auffordernd an. Wenn sie über Tabuthemen schreibt, dann steckt in ihren Protagonistinnen etwa 70 Prozent von ihr selbst. Das gibt sie offen zu, auch wenn ihr viele Männer nach der Lektüre „nicht mehr in die Augen schauen können“ und ihre Mutter laut eigener Aussage das Buch nicht lesen sollte.
© Piper
Titel: „Schoßgebete“
Autorin: Charlotte Roche „Schoßgebete“
Verlag: Piper
Preis: um 17 Euro
Autorin: Charlotte Roche „Schoßgebete“
Verlag: Piper
Preis: um 17 Euro
„Ich mag meine Figur so gerne, dass ich das Gefühl hätte, sie zu verraten, wenn ich sie weit von mir weg schieben würde. Natürlich hat sie viel von mir, was sonst“, sagte die Autorin etwa gegenüber „FAZ.net“ nach Erscheinen ihres Erstlingswerkes. Darin verarbeitet sie auch die Scheidung der eigenen Eltern.
In ihrem am 10. August 2011 mit – für den Verlag „Piper“ – rekordverdächtigen 500.000 Exemplaren erschienenen Buch „Schoßgebete“, geht Charlotte Roche sogar noch weiter. Das Schreiben war für sie eine Art Therapie, weil ihre Protagonistin drei Brüder durch einen Autounfall verliert. Genau wie Charlotte Roche im Jahr 2001 selbst. „Ich hatte das Gefühl, das muss jetzt raus“, verriet sie dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Wahrscheinlich muss ich Bücher schreiben, weil ich sonst verrückt würde“.
Eine Bildergalerie zu Charlotte Roches Karriere gibt es auf FOCUS Online:
Horst
| 14.08.2011, 21:52
copy&paste
Der Artikel ist ja ganz nett - das Thema an sich sei mal dahin gestellt - aber man könnte doch meinen, dass Online-Journalisten, die für das Schreiben eines solchen bezahlt werden, nicht einfach den beim Spiegel kopieren und das dann auch noch verlinken...
Der Artikel ist ja ganz nett - das Thema an sich sei mal dahin gestellt - aber man könnte doch meinen, dass Online-Journalisten, die für das Schreiben eines solchen bezahlt werden, nicht einfach den beim Spiegel kopieren und das dann auch noch verlinken...
Guckmalhin
| 11.08.2011, 09:14
Am
Erfolg dieser Frau zeigt sich wie krank unsere Gesellschaft zwischenzeitlich ist. Man muß absolut kein Moralist sein, um den Hype um dieses fäkalsprachliche Wesen abzulehnen. Haben Teile unserer Gesellschaft nichts anderes mehr im Kopf, als sich mit den Tabubereichen aus den untersten Schubladen zu beschäftigen? Die Gesellschaft pervertiert immer mehr, und merkt dabei nicht, wo sie sich dadurch hinmanövriert. Hauptsache Quote. Tiefer und primitiver gehts kaum noch. Armes Deutschland.
Erfolg dieser Frau zeigt sich wie krank unsere Gesellschaft zwischenzeitlich ist. Man muß absolut kein Moralist sein, um den Hype um dieses fäkalsprachliche Wesen abzulehnen. Haben Teile unserer Gesellschaft nichts anderes mehr im Kopf, als sich mit den Tabubereichen aus den untersten Schubladen zu beschäftigen? Die Gesellschaft pervertiert immer mehr, und merkt dabei nicht, wo sie sich dadurch hinmanövriert. Hauptsache Quote. Tiefer und primitiver gehts kaum noch. Armes Deutschland.








powered by plista















