Designer-LexikonEmanuel Ungaro

Text: Simone Herrmann
Esteban Cortazar

Zwei Uhr morgens in einem Pariser Nachtclub. Ein Mann im dunklen Anzug reißt sich die Krawatte herunter, jubelt, nimmt seine Frau in den Arm und schlägt einem braunhaarigen Jungen auf die Schulter. Asim Abdullah, pakistanischer Investor und Besitzer von Emanuel Ungaro, hält eine druckfrische Kritik von Suzy Menkes in der Hand. „Eine frische Brise!“, schreibt sie. Die Modekritikerin der „International Herald Tribune“ lobt die erste Kollektion seines neuen Designers Esteban Cortazar. Champagner!

Dabei hatte das Debüt des Kolumbianers bereits im Vorfeld für Wirbel gesorgt. Mit seinen 23 Jahren sei er zu grün hinter den Ohren, um das schlingernde Traditionshaus wieder auf Kurs zu bringen, ätzte die Branche. Mounir Moufarrige, neuer CEO bei Ungaro und seit dem Engagement von Stella McCartney bei Chloé für spektakuläre Coups bekannt, habe sich gründlich verschätzt.

„Druck, wieso?“, Cortazar, der bereits mit 18 sein eigenes Label gründete, gab sich im Amica-Gespräch nur von der Größe der Aufgabe beeindruckt. „Ein Traum für mich!“ Bis in die Fingerspitzen feminin sei die typische Ungaro-Kundin, „nicht nur geliebt, sondern begehrt, eine Frau, der die Männer alles zu Füßen legen“. Cortazar erdachte für sie fließende Abendroben, Kleider mit Wickeleffekten und Draperien. Outfits in Sorbetfarben, hier und da mit knalligem Pink gehöht, dazu Strick und zarte Chiffonprints. Teile, an denen Oligarchengattinnen viel Freude haben werden. „I know what makes the chicks tick“, lacht Cortazar und klingt wie einer, der weiß, worauf es im Zeitalter der Trophy Wives ankommt.

A|B|C|D|E|F|G|H|I|J|K|L|M|N|O|P|Q|R|S|T|U|V|W|X|Y|Z