Designer-LexikonLoewe

Text: Simone Herrmann
Stuart Vevers

„Mein erster Tag in Madrid“, verrät der neue Loewe-Designer Stuart Vevers im Amica-Interview, sei ihm nur noch sehr nebulös in Erinnerung. Kein Wunder. Denn zum Abschied bei Mulberry, wo der schlaksige junge Mann mit der dicken Hornbrille und dem trockenen Humor 2006 für seine cool-eleganten Accessoires zum British Designer of the Year gekürt wurde, hatte er sich Karten für das Konzert der Spice Girls gewünscht. Klar, dass die anschließende Sause durch Londoner Clubs bis in den Morgen dauerte. Schließlich hatte man so manche It-Bag zu begießen. „Und irgendwer“, lacht Vevers, „hat mich dann in den Flieger nach Madrid gesetzt.“

Ein Sturm-und-Drang-Beginn bei einer Marke, die nicht gerade für wilde Designs bekannt ist. Seit über 160 Jahren beliefert das Traditionshaus neben der spanischen Königsfamilie eine weltweit wachsende Fangemeinde mit Lederwaren von höchster Qualität. Dass die kleine, aber feine Mode-Linie, die zuletzt Juan Enrique Oña Selfa verantwortet hat, eher als Fond für die Taschenkollektionen gedacht war – Schnee von gestern. Denn Stuart Vevers gilt zwar als ausgesprochener Accessoires-Spezialist, aber die 19 Outfits, die er in knapp fünf Wochen entworfen hat, gehören zum Schönsten, was die Pariser Modewoche zu bieten hatte. Plisseeröcke, in deren Falten Dessins antiker Loewe-Seidenschals aufspringen, Blusen mit Torero-Rüschen aus hauchdünnem Nappa und goldene Polka-Dots auf Organza – spanische Anklänge, mit britischer Coolness inszeniert. Was nicht heißt, dass man sich bei der LVMH-Marke nicht doch die eine oder andere It-Bag von Vevers erhofft …

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