Text: Simone Herrmann
© Valentino
Alessandra Facchinetti
In den Gängen des Palais de Chaillot in Paris stehen, goldbronziert wie Denkmäler, dutzende Logo-Buchstaben Spalier. V wie Valentino. Überlebensgroß wie der Couturier, der letzte Saison mit einem grandiosen Defilee seinen Abschied nahm. Und doch ist er, wenige Minuten vor der Debütshow seiner Nachfolgerin Alessandra Facchinetti, allgegenwärtig. In jedem Satz, den die Designerin backstage mit den Journalisten wechselt.Eine fragile junge Frau mit einem Gesicht, das Modigliani gemalt haben könnte. Höflich posiert sie für die Fotografen, lächelt auf Zuruf, spricht von der ungeheuren Ehre und davon, dass sie vor Rührung weinen musste, als sie die Couture-Ateliers in Rom sah und dass sie nervös sei wie noch nie in ihrem Leben. Misserfolg bei Gucci
Dabei war die Tochter eines Schlagerstars, von der ein Sprecher der Valentino-Fashion-Group sagte, „nur sie allein“ könne die legendäre Marke weiterführen, schon einmal in einer ähnlichen Situation. 2004 nämlich, als sie ihren Lehrmeister Tom Ford bei Gucci beerbte und nach nur zwei Kollektionen gegen die damalige Accessoires-Designerin Frida Giannini ausgetauscht wurde. Ein böses Omen? Während die Models Aufstellung nehmen, ist die Atmosphäre gespannt wie ein straffes Seidenband. Alles ist da, asymmetrische Schnitte, elegante Kaschmirkostüme, Egg-Shape-Röcke, ein mit Mikrorüschen besetztes Bambola-Kleid, sogar die schulterfreien Abendroben in Valentino-Rot. Die Kollektion einer Musterschülerin. Und doch ist da ein anderer, ein moderner Klang …
Senkrechtstart bei Valentino
Nach dem Defilee bricht ein Sturm los, Presse und Fans wie Winona Ryder entern die Bühne. Die Designerin verschwindet fast hinter einem Wald aus Mikrofonen, Stativen und Kameras. „Grafische Klarheit, subtile Details, eine schärfere, junge Eleganz“, antwortet sie auf die Frage, welche Akzente sie mit ihrem Debüt setzen wollte. Unter ihrer schwarzen Organzabluse trägt sie keinen BH. Auch das ein Statement.
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