Designer-LexikonVivienne Westwood

von AMICA Online Redakteurin J'adore les Parisiennes!
Alle Infos zu Kerstin: oder folge mir auf
© REUTERS

Unterwegs ist sie in London immer mit dem Fahrrad. Vivienne Westwood ist Öko-Aktivistin und das nicht erst seit der LOHAS-Bewegung der letzten Jahre. Den Slogan „Stop Climate Change“ druckt die Designerin denn auch auf Shirts und Taschen ihrer Frühjahr-Sommer-Kollektion 2011. Sie setzt sich für den Planet Erde ein, trägt Buttons mit Message.

Obwohl diese Haltung gerade gut in den aktuellen Zeitgeist passt, geht es Westwood seit jeher um den Kampf gegen Konformismus. Das sei eigentlich der einzige Grund, warum sie Mode mache. Schon seit den Siebzigern hat die umtriebige Britin deshalb Grundschulklassenzimmer gegen Schneiderateliers getauscht.

Dort kreiert die Modeschöpferin Schnürkorsetts und Rokoko-Röcke, vorzugsweise aus Brokat, schweren Jacquards und leichtem Tüll. Karos sind ihr Trumpf im Mustermix. Sie ist eben „very british“. Aber bitte extrem. Inspiration war mal die Sadomaso-Szene, ist immer wieder Punk. Sie nimmt regelmäßig Anleihen aus der Mode des 17. und 18. Jahrhunderts und erfindet beispielsweise Gehröcke sowie Krinolinenkleider neu. Schuhe werden zu Skulpturen. Die Queen of Punk hat sich dem ständigen Rebellieren verschrieben.

© Reuters

Ihr persönliches Markenzeichen: das flammend rote Haar, das sie anlässlich der Frühjahr-Sommer-Kollektion 2010 hoch toupiert hatte. Da leuchtet sie wieder stark auf, die Punk-Attitüde. Doch sie hat ihre Haare auch schon dunkel und raspelkurz oder blondiert und burschikos getragen. Ihr Style ist keine Frage des Alters. Erst recht nicht mit 70.

VIPs in Westwood
Samantha Cameron, the wife of Britain's Prime Minister, hosts a reception to celebrate the opening of London Fashion Week 2011 and attended by Vivienne Westwood at Downing Street in London
Bedingungslose Botschaften

Als Vivienne Isabel Swire wird die Modeschöpferin in Glossop, östlich von Manchester, am 8. April 1941 geboren und zieht mit ihrer Familie später nach London. Mit 21 heiratet sie Derek Westwood. Die Ehe endet 1965. Im gleichen Jahr beginnt die Beziehung der Rebellin mit Malcolm McLaren, dem Manager der Sex Pistols, mit dem sie ihre Modekarriere startet. Zusammen mit ihm eröffnet Westwood ihren ersten Shop „Let It Rock“ in der Londoner Kings Road. 1981 präsentiert die Selfmade-Designerin, die keine Modeausbildung hat, mit ihrer „Pirate“-Kollektion (Herbst/Winter 81/82) zum ersten Mal in Paris.

Bis heute sind Beziehung und Arbeit eng miteinander verwoben. Mit dem 25 Jahre jüngeren Andreas Kronthaler ist die Britin seit 1992 verheiratet. Außerdem ist der Österreicher Artistic Director in ihrem Modeunternehmen. Mit ihm zusammen schafft oder zerstört die Designerin Entwürfe, diskutiert die musikalische Begleitung der Fashionshows. Seine Bewunderung ist ihr sicher.

Dass nicht nur ihr Mann, sondern sogar die Queen Elisabeth die Leistungen der Queen of Punk bewundert, zeigt sich ebenfalls 1992. Der Buckingham Palast nimmt Vivienne Westwood in die „Birthday Honours“-Liste auf. Außerdem bekommt sie den „Order of the British Empire“. Zur Verleihung bei der Queen erscheint sie allerdings ohne Höschen. Klar, Subversion muss sein.

Ihr Imperium hat die schrille Schöpferin inzwischen unter anderem um die junge Linie Frühjahr/Sommer 2011: Vivienne Westwood - Glänzend gemacht, die Herrenkollektionen Man und die Düfte Libertine, Boudoir und Anglomania erweitert. Vivienne Westwood nur auf ihre Mode zu reduzieren, würde nur eine Facette der schillernden Persönlichkeit betrachten. Die Rebellin ist stets gleichzeitig Intellektuelle und vor allem Aktivistin. Ihre Lieblings-Accessoires für die Herbst-Winter-Saison 11/12: ihr Buch „Active resistance against propaganda“ und der „I love crap“-Button.

Glänzend gemacht
A model presents a creation from the Vivienne Westwood 2011 Spring/Summer collection at the London Fashion Week
Golden Girls
Fashion Week Paris, Vivienne Westwood, Herbst-Winter-Kollektion 2011/12, Prêt-à-porter

Seltener Besuch: Am 27. Mai wird Vivienne Westwood unter dem Motto „Barock meets Punk“ mit einer Couture-Show zu Musik von Händel die zweiten „KunstFestSpiele Herrenhausen“ eröffnen.

A|B|C|D|E|F|G|H|I|J|K|L|M|N|O|P|Q|R|S|T|U|V|W|X|Y|Z